Agape 21 - Der ewige Bund und der Dienst des Todes

veröffentlicht Jan 29, 2018 von Adrian Ebens in Agape Treffer: 145
Übersetzt von Franziska Bunkus, Jutta Deichsel

 

Das Alte Testament ist voll von Geschichten extremer Gewalt, die, wie es scheint, sowohl von Gottes Nachfolgern als auch direkt von Gott selbst ausgeführt wurde. Viele dieser Geschichten würden wir unseren Kindern nicht vorlesen wollen, um sie nicht zu verschrecken. So scheint das Alte Testament eine ziemliche Verlegenheit zu sein für ein Christentum, das versucht, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes durch die Geschichte von Jesu zu verkündigen.

Einer der Wege, auf denen Christen versucht haben, mit der Gewalt umzugehen, die anscheinend von Gott im Alten Testament ausgeübt wurde, ist durch ein Verständnis des Alten und Neuen Bundes. Viele Christen lehren, dass sich der Alte Bund nur auf das Alte Testament bezieht, also auf die Zeit, bevor Christus auf diese Erde kam und am Kreuz starb. Es war die Ära des Gesetzes, in der man gehorchen und leben oder ungehorsam sein und sterben musste. Viele haben auch den Eindruck, als wäre die Mentalität der Menschen im Alten Testament ziemlich primitiv gewesen und als kannten sie keine andere Sprache als die der Gewalt, um mit Krisensituationen umzugehen.

Dagegen wird das Neue Testament als Zeitalter der Gnade wahrgenommen. Die Liebe Gottes wurde jetzt in Christus offenbart und die Gabe des Heiligen Geistes, die zu dieser Zeit kam, ermöglicht es den Menschen, das Evangelium zu erfahren. Die Menschen im Alten Testament konnten nur von der zukünftigen Realität eines Evangeliums träumen, das außerhalb ihrer Reichweite lag. Manche Leser der Bibel haben das so verstanden, als hätte Gott probiert, Dinge in einer bestimmten Weise zu tun, nur um sie scheitern zu sehen, und dann eine liebevollere Herangehensweise versucht. Andere stellen es so dar, als hätte Gott Sein Bestmöglichstes unter den damaligen Umständen getan, bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Messias kommen würde. Aber das wirft die Frage auf, warum es dann so lange gedauert hat, bis Christus in die Welt kam. Manche argumentieren, es wäre besser gewesen, Ihn früher zu senden und die liebevolle Annäherung früher bereitzustellen.  

Diese Betrachtungsweise des Alten und Neuen Bundes stellt dem Erlösungsplan zwei entgegengesetzte Prinzipien gegenüber. Der Alte Bund konzentriert sich darauf, das Gesetz durchzusetzen, während sich der Neue Bund auf Gnade fokussiert. Wenn man diese beiden Systeme in die verschiedenen Zeitalter der Weltgeschichte aufteilt, stellt man sicher, dass die Bündnisse als einander entgegengesetzt verstanden werden. Wenn man dagegen die zwei Prinzipien zusammengefügt als eine Entwicklung innerhalb der persönlichen Erfahrung eines Menschen versteht, offenbaren sie einen wunderbaren göttlichen Prozess der Wiederherstellung. Während dieser Aspekt für das Thema des Charakters Gottes ein wenig langweilig und irrelevant erscheinen mag, werden wir erkennen, dass diese Frage eine entscheidende Rolle spielt in der Entschlüsselung vieler Bibelpassagen, die Gott in Seinen Handlungen als gewalttätig und grausam erscheinen lassen.

Nehmen wir zum Beispiel eine Person, deren Knochenwachstum etwas abnormal ist. Beim Arztbesuch erklärt ihm der Doktor, dass er den Knochen des Patienten brechen und neu richten muss, um ihn wieder in die richtige Position wachsen zu lassen. Was wäre, wenn der Arzt nur den ersten Teil der Therapie vollzieht? Was, wenn er nur den Knochen brechen, und ihn dann einfach so lassen würde? Ein solcher Arzt würde als ziemlich inkompetent angesehen werden. Ein anderer Patient sucht wegen zunehmender Schmerzen im Mund einen Zahnarzt auf. Dieser diagnostiziert einen schweren Kariesbefall. Mit der Einwilligung des Patienten beginnt der Zahnarzt zu bohren, um den Wiederherstellungsprozess vorzubereiten. Manchmal fühlt der Patient während dieser Prozedur erhebliche Schmerzen. Was, wenn der Zahnarzt nur den ersten Teil seiner Arbeit tun würde? Wenn er nur die Karies entfernen und den Patient dann nach Hause gehen lassen würde? Der ungeschützte Zahn würde ununterbrochen Schmerzen verursachen. Der Zahnarzt würde als fahrlässig gelten, weil er nur die erste Hälfte der Instandsetzung erledigt hätte.

Lasst uns schauen, was in der Bibel geschrieben steht. Beachte besonders den Gebrauch des Wortes „und“, wenn es unterstrichen ist. Es weist auf zwei Handlungen hin, die eine wird vorher und die andere danach in einer Reihenfolge ausgeführt, nicht die eine oder die andere.

Seht nun, dass Ich, Ich allein es bin und kein Gott neben mir ist! Ich bin’s, der tötet und lebendig macht, ich zerschlage und ich heile, und niemand kann aus meiner Hand erretten! 5.Mose 32,39

Der HERR tötet und macht lebendig; er führt ins Totenreich und führt herauf! Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt, und er erhöht. 1.Samuel 2,6-7

Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit; Zerstören hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit; Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit; Steineschleudern hat seine Zeit, und Steinesammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit. Prediger 3,3-5

der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, aber [und] der Geist macht lebendig. 2.Korinther 3,6

In jedem dieser Beispiele enthüllt die Bibel einen zweistufigen Prozess. Zuerst wird die Diagnose über das Ausmaß des Problems gestellt sowie eine Offenbarung darüber, wie schmerzhaft es ist. Im zweiten Schritt wird eine Abhilfe und Wiederherstellung bereitgestellt. Der Vers in 2.Korinther 3,6 verbindet den Vorgang des tötenden Buchstabens und dem des lebenspendenden Geistes mit dem Wort „de“ [G1161], welches auch als „und“ übersetzt werden kann. Die Strongs-Konkordanz erklärt, dass es ein Primärpartikel ist, der „entgegengesetzt oder weiterführend“ bedeuten kann. Der Fall der beiden Bündnisse ist beides, sowohl entgegengesetzt als auch weiterführend. Die Handlung des ersten Bundes ist entgegengesetzt zu der des zweiten, weil er aufdeckt und niederbricht, während der zweite Bund aufbaut und wiederherstellt. Er ist aber auch weiterführend in der Tatsache, dass der zweite Bund dem ersten folgt oder ihn fortsetzt. Wir wollen diesen Vorgang im Leben Abrahams betrachten, wie er von Paulus erklärt wird.

Es steht doch geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der [leibeigenen] Magd, den anderen von der Freien. Der von der Magd war gemäß dem Fleisch geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung. Das hat einen bildlichen Sinn: Dies sind nämlich die zwei Bündnisse; das eine vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar. Denn »Hagar« bedeutet den Berg Sinai in Arabien und entspricht dem jetzigen Jerusalem, und es ist in Knechtschaft samt seinen Kindern. Das obere Jerusalem aber ist frei, und dieses ist die Mutter von uns allen. Galater 4,22-26

Gott hatte Abraham einen Sohn verheißen. Das Problem war, dass Abraham einen Mangel an Gottvertrauen hatte. Er war sich seines Problems nicht bewusst, bis er feststellte, dass er und seine Frau zeugungsunfähig waren. Diese Erfahrung war Teil des Diagnosevorgangs. Der Herr ließ die Verzögerung der Geburt des Kindes zu, damit der Mangel an Glauben von Abraham und Sarah offenbar werden konnte. Dieser Vorgang ist entscheidend, damit eine Erneuerung stattfinden kann. Das ganze Ausmaß des Problems muss offenbart werden, bevor eine vollständige Heilung bewirkt werden kann. Anstatt auf den Herrn zu warten unterwarf sich Abraham dem Vorschlag seiner Frau und nahm sich ihre Magd, um mit ihr ein Kind zu zeugen (1.Mose 16,1-2).

Als Ismael geboren wurde, schien es zuerst die perfekte Lösung zu sein, doch schnell wurden die Dinge kompliziert. Abrahams Mangel an Glauben erzeugte Samen des Konfliktes in seinem Heim. Dieser Konflikt hat sich in der Feindseligkeit der Juden und Muslime bis in die heutige Zeit fortgesetzt. Durch diese Geschichte wird offenbar, welch schreckliche Konsequenzen ein Mangel an Gottvertrauen haben kann. Der Herr musste das zulassen, um diesen Mangel aufzudecken. Das Traurige daran war, dass Sarah und Abraham Gott für die Verzögerung Seiner Verheißung verantwortlich machten.

Und Sarai sprach zu Abram: Sieh doch, der HERR hat mich verschlossen, dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner Magd; vielleicht werde ich durch sie Nachkommen empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais. 1.Mose 16,2

Und Gott sprach weiter zu Abraham: Du sollst deine Frau Sarai nicht mehr Sarai nennen, sondern Sarah soll ihr Name sein; denn ich will sie segnen und will dir auch von ihr einen Sohn geben. Ich will sie segnen, und sie soll zu Nationen werden, und Könige von Völkern sollen von ihr kommen! Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Sollte einem Hundertjährigen ein Kind geboren werden, und Sarah, die Neunzigjährige, sollte gebären? Und Abraham sprach zu Gott: Ach, dass Ismael vor dir leben möchte! 1.Mose 17,15-18

Diese Ereignisse offenbaren das Ausmaß von Abrahams und Sarahs Problem. Ihr Glaubensmangel wurde nach und nach aufgedeckt. Paulus erklärt, dass Abrahams Verbindung zu den zwei Frauen, Sarah und Hagar, die Wahrheit der zwei Bündnisse darstellen. Abraham war mit beiden Frauen verheiratet. Hagar gebar zuerst, aber das brachte Abraham sehr viel Kummer ein, bis zu dem Punkt, wo er gezwungen war, Hagar und ihren gemeinsamen Sohn fort zu schicken. Der Schmerz dieses Vorganges zeigte Abraham die Leiden, die sein Mangel an Glauben verursacht hatte. Danach erst konnte Abraham in die Erfahrung des zweiten Bundes eintreten. Es war ein zweistufiger Prozess mit einigen Überschneidungen zwischen den beiden Bündnissen, da eine Zeit lang beide Söhne im Haus lebten. Durch die Prüfung, seinen Sohn Isaak zu opfern, war Abraham schließlich in der Lage, vollständig in den zweiten Bund einzugehen. Sein Glaube an den Herrn wankte nicht mehr. Die Vollkommenheit seines Glaubens brachte in ihm die Erneuerung, die sich Gott von Anfang an gewünscht hatte.

Um dieses Werk der Erneuerung tun zu können, musste der Herr einen zeitlichen Vorgang ablaufen lassen, um Abrahams Krankheit des mangelnden Glaubens zu offenbaren, damit Er ihn davon heilen konnte. Der Herr ließ Ereignisse zu, die Abrahams alte Denkweise töteten und ihn erhoben zu der Gewissheit der Gerechtigkeit aus Glauben.


In den vorangegangenen zwei Kapiteln diskutierten wir das Prinzip des Spiegels. Der Spiegel ist ein Werkzeug, dass Zahnärzte benutzen, um uns Probleme in unserem Mund zu zeigen. Die Ärzte benutzen Röntgenstrahlen, um Probleme an Stellen sichtbar zu machen, die wir mit bloßem Auge nicht erkennen können. Das Gesetz Gottes arbeitet auch wie ein solches Werkzeug: ein Spiegel, um das Ausmaß unserer Sündenkrankheit zu offenbaren. Dieser Spiegel ist das Werkzeug, das uns zu Christus führt, wenn wir die Diagnose anerkennen.

So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Galater 3,24

Sünde ist ein Problem, das seinen Anfang im fleischlichen Denken hat. Um dieses Problem zu lösen, muss uns unser himmlischer Vater unser falsches Denken offenbaren. Das wird durch das Gesetz bewerkstelligt. Leider ist es so, dass die Erkenntnis, wie schlecht wir sind, die meisten Menschen dazu bringt, diese Offenbarung zurück auf Gott zu projizieren.

Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wer [nur] Hörer des Wortes ist und nicht Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht im Spiegel anschaut; er betrachtet sich und läuft davon und hat bald vergessen, wie er gestaltet war. Wer aber hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin bleibt, dieser [Mensch], der kein vergesslicher Hörer, sondern ein wirklicher Täter ist, er wird glückselig sein in seinem Tun. Jakobus 1,22-25

Was bedeutet es, Hörer des Wortes zu sein und kein Täter? Ein typisches Beispiel finden wir in der Geschichte der Kinder Israel, als sie an den Berg Sinai kamen. Gott hatte verheißen, viele wunderbare Dinge für sie zu tun, doch sie hörten gar nicht richtig hin. Anstatt Seine Verheißungen anzunehmen, versprachen sie Ihm, dass sie alles tun würden, von dem Er sagte, dass Er es für sie tun wollte.

Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst. Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes zu sich und legte ihnen alle diese Worte vor, die der HERR ihm geboten hatte. Da antwortete das ganze Volk miteinander und sprach: Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun! Und Mose überbrachte dem HERRN die Antwort des Volkes. 2.Mose 19,4-8

Das Volk hörte nicht sorgfältig darauf, was Gott sagte. Das hätte ihnen erlaubt, Ihm im Geist und in der Wahrheit zu gehorchen. Gehorsam bedeutete, einfach darauf zu vertrauen, dass Gott sie zu Königen und Priestern für Ihn machen wollte. Gehorsam sollte nicht so verstanden werden, dass sie etwas für Gott tun sollten, sondern dass sie Gott vertrauten, dass Er etwas für sie tun würde.

Dieser Prozess ist es, den die Bibel formell den Alten Bund nennt. Und dieses Ereignis zeigt uns, wie unfähig der Mensch ist, Gott wirklich zuzuhören und auf das zu vertrauen, was Er sagt.

Denn wenn jener erste [Bund] tadellos gewesen wäre, so wäre nicht Raum für einen zweiten gesucht worden. Denn er tadelt doch, indem er zu ihnen spricht: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen — denn sie sind nicht in meinem Bund geblieben, und ich ließ sie gehen, spricht der Herr —, sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben; und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Hebräer 8, 7-10

Der Herr wusste, dass Israel Ihm nicht richtig zuhören würde, sondern dass sie selbst versuchen würden, das zu vollbringen, was Er ihnen verheißen hatte. Das ist Teil des Lehrmeister-Prozesses, um jemanden zu Christus zu bringen.

So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Lehrmeister. Galater 3,24-25

Gott wusste, dass die Israeliten ihr Versprechen Ihm gegenüber nicht halten konnten, doch Er ließ sie es versuchen, damit sie, wenn sie scheiterten, immer noch die Entscheidung treffen konnten, ihre eigenen Anstrengungen aufzugeben und Ihm zu vertrauen, dass Er vollenden wird, was Er verheißen hat.

Wie wir bereits in der Geschichte von Abraham und Sarah erkannt haben, besteht das Problem, das wir als Menschen haben, darin, dass wenn der Herr beginnt, uns unsere Sündhaftigkeit zu offenbaren, unsere natürliche Reaktion darin besteht, das Problem auf Ihn zurückzuschieben. Sarah erklärte, dass der Herr ihren Leib verschlossen hatte, damit sie kein Baby bekommen konnte. Sie deutete an, dass es Seine Schuld war, dass die Dinge nicht funktionierten. Als der Herr Adam fragte, ob er von der Frucht des Baumes gegessen habe, schob Adam die Schuld auf Gott zurück.

Da sprach er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du solltest nicht davon essen? Da antwortete der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, die gab mir von dem Baum, und ich aß! 1.Mose 3,11-12

Dieses Problem, unser Versagen auf Gott zu schieben, wirkt sich gravierend aus auf unsere Art und Weise, wie wir die Bibel lesen und interpretieren. Die Bibel warnt uns vor unserem fleischlichen Zustand und offenbart die Gedanken und Absichten unseres Herzens, nämlich dass wir selbstsüchtig, betrügerisch, zerstörerisch und mörderisch sind.

Wie geschrieben steht: »Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer! Ihre Kehle ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen betrügen sie; Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchen und Bitterkeit, ihre Füße eilen, um Blut zu vergießen; Verwüstung und Elend bezeichnen ihre Bahn, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht vor ihren Augen.« Römer 3,10-18

Die Realität unserer Natur wird uns deutlich vor Augen gestellt, wenn wir sie in dem glorreichen Kontrast mit dem Leben Jesu vergleichen. Die Liebe und Barmherzigkeit, die Er Seinen Feinden zeigte, und Sein geduldiger, fürsorglicher Dienst an den Menschen verurteilen unsere Selbstsucht auf Schärfste. Doch anstatt zu bereuen, projiziert das menschliche Herz seine fleischlichen Eigenschaften zurück auf Gott, um die eigene Sündhaftigkeit zu rechtfertigen. Wie wir aus dem Jakobusbrief zitiert haben, liest der natürliche Mensch das Wort Gottes und sieht darin sein eigenes Gesicht.

Denn wer [nur] Hörer des Wortes ist und nicht Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht im Spiegel anschaut. Jakobus 1,23

Der Herr handelt wie ein Arzt oder Zahnarzt, wenn Er versucht, uns das Ausmaß unseres Problems bewusst zu machen, doch uns reicht das noch nicht. Wir glauben nicht, dass das Problem todbringend ist, oder wenn wir es glauben, dann denken wir, dass es vielleicht noch ein anderes, schmackhafteres Heilmittel gibt als das, welches Er uns anbietet. Ein temporäres Schmerzmittel auf die Dauer unseres Lebens zugeschnitten, das wäre doch zum Beispiel angemessen. Wir kommen jedoch nicht um die Tatsache herum, dass Sünde niemals Frieden schenken kann, denn „Keinen Frieden, spricht der HERR, gibt es für die Gottlosen“, nicht für das Fleisch und nicht für den, der von Dämonen besessen ist, und deshalb muss Gott zulassen, dass wir die schmerzhaften Konsequenzen unserer sündhaften Handlungen erfahren, damit wir erkennen, „was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.“ (Jesaja 48,22 und Römer 14,23).

Voller Kummer beobachtet Er immer wieder, wie der Mensch auf seinem eigenen Weg das Heilsverfahren des Alten Bundes durchläuft, und bittet uns inständig anzuerkennen, dass wir unser Problem nur lösen können, wenn wir Christus erlauben, in unserem Herzen zu wirken. Aber immer noch weigern wir uns zu akzeptieren, dass die schmerzhaften Konsequenzen das Produkt der Handlungen unserer eigenen fleischlichen Natur sind, die noch viel schlimmer wären, wenn sie nicht durch die sanfte Aufsicht eines liebenden Vaters gemildert würden, der uns diese Züchtigung zum Guten angedeihen lassen will. Stattdessen sind wir versucht, Ihm Vorwürfe zu machen und ihn anzuklagen, dass Er, von unserer verdorbenen Perspektive aus gesehen, einen harten Charakter hat, der uns misshandelt und willkürlich erlaubt, dass Schmerz über uns hereinbricht. Die Menschen haben außerordentlich schlaue Wege erfunden, um Gott ihr eigenes verwerfliches Verhalten aufzudrücken. Wie die Schrift sagt:

Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen? Jeremia 17,9

Das hast du getan, und ich habe geschwiegen; da meintest du, ich sei gleich wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen! Psalm 50,21

Leider sind unsere Herzen seit dem Fall der Menschheit von Natur aus trügerisch und bösartig (im Englischen: „mörderisch“). Wenn der natürliche Mensch die Bibel liest, projiziert er diese bösen Eigenschaften auf Gott. Wenn Gott vom Leser als gewalttätig und tyrannisch wahrgenommen wird, dient das dazu, den Samen im Herzen des Lesers vollständig zu offenbaren und zu vergrößern. Paulus erklärt:

Da nahm aber die Sünde einen Anlass durch das Gebot und bewirkte in mir jede Begierde; denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte, als ich noch ohne Gesetz war; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf, und ich starb; und eben dieses Gebot, das zum Leben gegeben war, erwies sich für mich als todbringend. Denn die Sünde nahm einen Anlass durch das Gebot und verführte mich und tötete mich durch dasselbe. So ist nun das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut. Hat nun das Gute mir den Tod gebracht? Das sei ferne! Sondern die Sünde hat, damit sie als Sünde offenbar werde, durch das Gute meinen Tod bewirkt, damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot. Römer 7,8-13

Die Menschen benutzen die Geschichten des Alten Testamentes, in denen es scheint, als vernichte und töte Gott die Menschen, um ihre eigene, böse Natur zu bestätigen. Die Bibel ist sorgfältig geschrieben, um den Menschen zu erlauben, völlig zu offenbaren, was in ihren Herzen ist. Das Leben Jesu auf Erden zeigt uns ganz genau, wie Gott ist. Jesus tötete nie jemanden, doch anstatt in diesen vollkommenen Spiegel von Gottes Liebe zu schauen, entscheiden sich die Menschen lieber dazu, das Alte Testament als ein Hörer des Wortes zu lesen, und sehen nur ihr eigenes Angesicht in dem, was sie für Gottes Angesicht halten.

Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn. 2.Korinther 3,18

Die Herrlichkeit des Herrn ist der vollständige Charakter des Vaters, wie er in Jesu Erdenleben offenbart ist.

Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. Johannes 17,4

Die Herrlichkeit Gottes ist Sein Charakter, wie Er uns hier sagt:

Er aber antwortete: So lass mich doch deine Herrlichkeit sehen… Da kam der HERR in einer Wolke herab und trat dort zu ihm und rief den Namen des HERRN aus. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue. 2.Mose 33,18; 34,5-6

Wenn du die Bibel durch den Spiegel der Herrlichkeit oder des Charakters Jesu liest, siehst du im Alten Testament etwas völlig anderes, als du vorher im Spiegel deines natürlichen Herzens gelesen hast. Doch wie kann man die Herrlichkeit von Christus, dem Herrn, in einem Spiegel sehen? Eigentlich sollten wir uns selbst in dem Spiegel sehen, oder nicht? Wie sehen wir Christus?

Ihnen wollte Gott bekannt machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Kolosser 1,27

Wenn wir in den Neuen Bund kommen, sind wir wiedergeboren und Christus beginnt sich in unserem Herzen zu offenbaren. Dadurch fängt das Spiegelbild an sich zu verändern. Wenn wir Christus in dem Spiegel erkennen, verändert sich unsere Art und Weise, wie wir die Bibel lesen. Wie wir im Kapitel 18 über die deutlichen Aussagen bereits erwähnt haben, fangen wir sofort an, scheinbare Widersprüche zu sehen, die auf den ersten Blick nicht einfach zu lösen sind. Dies ist der Beweis eines sich wandelnden Prozesses vom Alten zum Neuen Bund. Unsere Augen fangen an, anders zu lesen.

Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn vor das Dorf hinaus, spie ihm in die Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe. Und er blickte auf und sprach: Ich sehe die Leute, als sähe ich wandelnde Bäume! Hierauf legte er noch einmal die Hände auf seine Augen und ließ ihn aufblicken; und er wurde wiederhergestellt und sah jedermann deutlich. Markus 8,23-25

Zuerst sehen wir Menschen als wandelnde Bäume, aber wenn der Herr uns Seine Hand auf die Augen legt, fangen wir an, die Dinge mit Seinen Augen zu sehen, was für ein wunderschönes Bild offenbart sich dann!

Der Schlüssel zu all dem ist, dass das Werk des Alten Bundes entscheidend dazu beiträgt, dass wir nach dem wahren Heilmittel in Christus suchen. Der Alte Bund zeigt uns durch das Gesetz, wie schlecht wir sind, damit wir zu Christus laufen und im Neuen Bund geheilt werden können. Diese beiden Prozesse gehören immer zusammen und treten im Leben jedes Menschen auf, der zum Herrn kommt. Es ist heute genau derselbe Prozess wie er es für Adam, Noah, Abraham und Mose war.

Der Versuch, diesen zweistufigen Prozess zu trennen, stellt Gott im Alten Testament dar als einen Knochenbrecher und Zähnezieher ohne jegliches Heilmittel. Das lässt Gott hart und grausam erscheinen. Schlimmer noch: heute wird oft ein Evangelium gepredigt, das lehrt, dass man einfach nur an Jesus glauben und sich über die eigenen Knochenbrüche und verrotteten Zähne keine Gedanken machen muss. In diesem Evangelium füllt Jesus nur die Löcher, ohne die Fäulnis zu bereinigen. Wenn man diese zwei Schritte in der Lebenserfahrung eines Menschen trennt in zwei aufeinanderfolgende Zeitalter, sieht es so aus, als wäre Gott streng im Alten Testament und weich und kompromissbereit im Neuen Testament.

Wenn dieser zweistufige Prozess nicht richtig verstanden wird, wo Gott den Dingen erlaubt, sich zu entwickeln, um Sünde ans Licht zu bringen im Leben derer, die Er retten will, kann der Trugschluss aufkommen, dass diese Manifestationen von Sünde Gott zugeschrieben und als Sein Wunsch ausgelegt werden.

Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden. Römer 5,20

Wenn das Gesetz in unser Herz und Sinn eintritt, verursacht es ein Überfließen und Sichtbarwerden der Sünde. Der Mensch ist dann eingeladen, sich an Christus zu wenden und das Heilmittel zu empfangen.

Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht. Johannes 16,8

Der von seiner Sünde überführte Sünder ist dann in der Lage, durch den Glauben Gerechtigkeit zu empfangen - Christi Gerechtigkeit, die den Sünder bereit macht für das ewige Gericht.

Nun kommen wir zu einem entscheidenden Punkt, um diesen ganzen Vorgang zu verstehen. Wenn sich ein Mensch in seinem natürlichen Geisteszustand befindet, sprechen die Worte und Ausdrücke Gottes zu ihm darüber, was in seinem menschlichen Herzen ist. Gott möchte liebevoll jene Dinge aufdecken, von denen der Mensch selbst nicht weiß, dass sie in seinem Herzen existieren.

Und nun sollst du verflucht sein von dem Erdboden hinweg, der seinen Mund aufgetan hat, um das Blut deines Bruders von deiner Hand zu empfangen! Wenn du den Erdboden bebaust, soll er dir künftig seinen Ertrag nicht mehr geben; ruhelos und flüchtig sollst du sein auf der Erde! 1.Mose 4,11-12

In diesen Versen offenbart Gott Kain, was in ihm ist. Kain hat durch seine Sünde einen Fluch über die Erde gebracht. Der Mord, den er begangen hat, hat sein Gefühl von Würde zerstört und einen zerbrochenen Mann aus ihm gemacht. Diese Worte von Gott wurden nicht ausgesprochen, um Kain zu vernichten, sondern damit er seinen Zustand erkennen, sich zu Gott bekehren und Vergebung empfangen konnte. Wie reagierte Kain darauf?

Und Kain sprach zum HERRN: Meine Strafe ist zu groß, als dass ich sie tragen könnte! Siehe, du vertreibst mich heute vom Erdboden, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und ruhelos und flüchtig sein auf der Erde. Und es wird geschehen, dass mich totschlägt, wer mich findet! 1.Mose 4,13-14

Anstatt die Diagnose als eine Realität seines Zustandes anzuerkennen, schiebt Kain die Schuld auf Gott zurück. Er weigert sich zu bereuen, dass er seinen Bruder getötet hat, und kann deshalb keinen Frieden mehr finden. Die Schuld des Mordes an seinem Bruder lastet Tag und Nacht auf ihm, sodass er ständig in seinem Geist ruhelos und flüchtig bleibt.

Manchmal gibt Gott Befehle, die den Geist der Person widerspiegeln, damit sich dessen Gedanken in einer Entscheidung manifestieren und so enthüllen, was in seinem Herzen ist. Als Israel das Land auskundschaften wollte, gab Gott den Befehl voranzugehen und es zu tun. Das Ergebnis war, dass 10 der 12 Kundschafter mit einem ungläubigen Bericht zurückkehrten.

Da kamt ihr alle her zu mir und spracht: Lasst uns Männer vor uns hersenden, die für uns das Land erkunden und uns Bericht bringen über den Weg, den wir ziehen, und die Städte, in die wir kommen sollen! Und die Sache war gut in meinen Augen, und ich nahm von euch zwölf Männer, aus jedem Stamm einen Mann. 5.Mose 1,22-23

Und der HERR redete zu Mose und sprach: Sende Männer aus, dass sie das Land Kanaan auskundschaften, das ich den Kindern Israels geben will. Von jedem Stamm ihrer Väter sollt ihr einen Mann schicken, lauter Fürsten aus ihrer Mitte! 4.Mose 13,1-2

Der Grund dafür, dass die Männer darum baten, das Land auszukundschaften, war ihr mangelnder Glaube an Gottes Wort. Der Herr wollte ihnen helfen, ihren Mangel zu erkennen, so dass Er ihnen einfach ihre Gedanken zurückspiegelte und das Gebot gab, das schon längst in ihrem Herzen war, nämlich das Land auszukundschaften, um es dann gewaltsam einzunehmen.

Wir wiederholen noch einmal den Punkt, dass wenn Gott mit Menschen im Alten Bund oder in ihrem natürlichem Zustand umgeht und die Gebote, die Er ihnen gibt, im Konflikt stehen mit dem Leben Jesu auf dieser Erde, dies ein Beweis dafür ist, dass der göttliche Spiegel am Wirken ist. Diese Gebote sind eine Reflexion der Gedanken der Menschen mit dem Ziel, ihre Sündhaftigkeit überfließen zu lassen. Es sind nicht die Gedanken oder Wünsche Gottes. In diesem Punkt sind die meisten Bibelleser verwirrt und daher getäuscht.

Schauen wir uns das Beispiel von Bileam an. Gott sagte Bileam, er solle nicht gehen und Israel verfluchen. Zuerst gehorchte Bileam, aber als Balaks Männer zurück kamen und ihm große Ehre versprachen, begann er wankend zu werden und bat die Männer zu bleiben.

Da kam Gott in der Nacht zu Bileam und sprach zu ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, so mache dich auf und geh mit ihnen; doch nur das, was ich dir sagen werde, nur das darfst du tun! Da stand Bileam am Morgen auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter. 4.Mose 22,20-21

Dieser Befehl reflektierte Bileams Wunsch zu gehen. Der Herr sprach seinen eigenen Wunsch auf ihn zurück, damit er sich selbst erkennen möge. Wenn wir diesen Bündnisprozess nicht verstehen, machen die folgenden Verse überhaupt keinen Sinn.

Aber der Zorn Gottes entbrannte darüber, dass er ging. Und der Engel des HERRN trat ihm als Widersacher in den Weg. Er aber ritt auf seiner Eselin, und seine beiden Burschen waren bei ihm. 4.Mose 22,22

Wir erinnern uns daran, dass das Wort „Zorn“ auch als „Kummer“ übersetzt werden kann. Der Herr war bekümmert, dass Bileam sich entschied, mit den Männern zu gehen und sandte ihm Seinen Engel in den Weg, um ihn zu warnen. Bileam scheint zu verstehen, dass er lieber heimkehren sollte, doch ein kleines Wort verrät, was in seinem Herzen ist: „Wenn“.

Da sprach Bileam zu dem Engel des HERRN: Ich habe gesündigt, denn ich wusste nicht, dass du mir im Weg entgegenstandest! Und nun, wenn es böse ist in deinen Augen, so will ich wieder umkehren. 4.Mose 22,34

Bileam wusste, dass es nicht der Wille des Herrn war. Der ganze Vorfall mit dem Esel und dem Engel des Herrn zeigte deutlich, dass das, was er tat, falsch war. Er anerkannte sogar seine Sünde, aber trotzdem sagte er: WENN du willst, dass ich umkehre, dann kehre ich um. Der Herr musste durch den Spiegel mit ihm reden.

Und der Engel des HERRN sprach zu Bileam: Geh mit den Männern; aber du darfst nur das reden, was ich dir sagen werde! So zog Bileam mit den Fürsten Balaks. 4.Mose 22,35

Gottes Anweisung, mit den Männern zu gehen, ist eine Reflexion von Bileams Gedanken, denn Bileam befindet sich im Alten Bund. Wenn Gott sieht, dass der Mensch fest entschlossen ist, einen bestimmten Kurs zu verfolgen, möchte Er ihm nicht gegen seinen eigenen Willen Einhalt gebieten.

Aber sie sind nicht gehorsam gewesen und haben ihr Ohr nicht [zu mir] geneigt, sondern sie haben sich hartnäckig geweigert, zu gehorchen oder Zucht anzunehmen. Jeremia 17,23

Er lässt ihnen die Freiheit, das zu tun, was sie wollen. Das ermöglicht dem Samen der Sünde zu wachsen, damit die Sünde überfließend wird. Und wenn die Sünde überfließend wird, kommt wieder die Gelegenheit, Buße zu tun und sich für den richtigen Weg zu entscheiden, damit die Gnade noch viel mehr überfließend wird.

Betrachten wir noch einmal das Beispiel, als Israel um einen König bat. Gott warnte sie davor, aber sie blieben hartnäckig. So gab Gott ihnen einen König genau nach ihrem Wunsch. Es war nicht Gottes Wille, dies zu tun, aber im Spiegel ihres eigenen Verlangens erlaubte Er ihnen, ihren irdischen König zu haben.

Zur Zeit Moses sagte Gott Israel, dass die Kanaaniter mit Hornissen vertrieben werden würden. Es war keine Rede davon, sie zu töten und zu zerstören. Doch die Israeliten offenbarten ihre mörderischen Wünsche in 4.Mose 21.

Und als der Kanaaniter, der König von Arad, der im Negev wohnte, hörte, dass Israel auf dem Weg nach Atarim heranzog, kämpfte er gegen Israel und führte Gefangene von ihm weg. Da legte Israel ein Gelübde ab vor dem HERRN und sprach: Wenn du dieses Volk wirklich in meine Hand gibst, so will ich an ihren Städten den Bann vollstrecken! Und der HERR erhörte die Stimme Israels und gab die Kanaaniter [in ihre Hand], und Israel vollstreckte an ihnen und an ihren Städten den Bann, und man nannte den Ort Horma. 4.Mose 21,1-3

Gott hörte auf ihr Verlangen, andere Nationen umzubringen, und spiegelte in der Zukunft wieder und wieder ihr mörderisches Begehren zurück auf sie durch Anweisungen, ihre Feinde zu töten, und das hörten sie gerne.

Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt. 2.Timotheus 4,3 (Elberfelder)

Wenn du den zweistufigen Prozess der Bündnisse nicht verstehst, wirst du in der Aufdeckung der menschlichen Sünden diese Eigenschaften Gott selbst zuschreiben! Das war seit Jahrhunderten das größte Versagen der Menschen beim Lesen der Bibel. Das Versäumnis, die natürlichen Neigungen des Menschen zu demaskieren und stattdessen seinen mörderischen Geist der Rache auf das liebevolle Angesicht Gottes zu projizieren.

Jede Person, die Christus als ihren Erlöser bekennt, muss anerkennen, dass sie am Tod des Sohnes Gottes schuldig ist. Diese Wahrheit offenbart die Tatsache, dass der natürliche Mensch Gott und Seinen Sohn hasst. Um diesen Geist des Hasses zu rechtfertigen, projizieren die Menschen ihre gewalttätigen Eigenschaften auf Gott und verkünden ihn als den größten Mörder der Menschheit. Damit verteidigen sie den Geist der Mordlust, den sie selbst gegen diejenigen hegen, die sie verachten, sowie ihr Verlangen, das sie entweder still für sich behalten oder öffentlich bekennen, ihre Feinde in den Flammen der Hölle gequält und getötet zu sehen.

Zur gegenwärtigen Zeit beginnt ein Aufruf, Gott zu fürchten und Ihm die Ehre zu geben. Indem wir ein besseres Verständnis von Gottes wahrem Charakter erlangt haben, sind wir von der Angst vor einem potentiell rachsüchtigem Vater zu einer höheren Erkenntnis von Liebe gekommen und können so eine größere Ehrerbietung darbringen, zusammen mit einer tiefen Reue darüber, dass wir jemals Gott falsch beschuldigt haben.

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat es mit Strafe zu tun. Wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. 1.Johannes 4,18

Ein Licht fängt an aufzugehen und die Herrlichkeit des Herrn wird jetzt offenbart. Wenn du anfängst, den Prozess der Bündnisse im Erlösungsplan wirklich zu verstehen, dann werden die dunklen Wolken, die geworfen wurden, um den Charakter Gottes zu umschließen und zu beschmutzen, durch das herrliche Licht Seiner Offenbarung zerstreut und aufgelöst.

Indem wir diese Prinzipien nun umrissen haben, besitzen wir das Werkzeug, um einige sehr gewalttätige Berichte der Bibel zu untersuchen und in ihnen die Geduld, Weisheit, Gerechtigkeit, Gnade und Liebe Gottes zu erkennen.