Ursprüngliche Liebe - unbeschämt

veröffentlicht Nov 27, 2012 von Adrian Ebens in Ursprüngliche Liebe Treffer: 482
Übersetzt von Jutta Deichsel

Dieser Artikel ist der dritte Teil Teil einer Serie von Artikeln, die vollständig in dieser Broschüre enthalten ist.

 

Wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht, sprechen die Statistiken für sich selbst. In vielen Ländern enden über 50 % der Ehen in einer Scheidung, was deutlich zeigt, dass diese Menschen in ihren Beziehungen nicht das fanden, was sie erwartet hatten. Für viele, die dennoch verheiratet bleiben, ist die Erfahrung nicht weniger trostlos, doch bleiben sie in der Ehe, weil sie keine bessere Alternative sehen oder Angst vor einer Veränderung haben. Die Wogen der Enttäuschung, Verwirrung, Frustration, Wut und Traurigkeit, die aus solchen toxischen Experimenten mit der menschlichen Intimität entstehen, lassen sich in einer Frage aus einem Lied zusammenfassen, die meine Aufmerksamkeit als Teenager in den achtziger Jahren  fesselte:

Was ist Liebe überhaupt? Liebt irgendjemand überhaupt irgendjemanden?

(What is love anyway? Does anybody love anybody anyway?)

In meinem vorigen Artikel habe ich die Frage: “Was ist Liebe?” bereits angesprochen und untersucht, was geschah, als Adam Eva zum ersten Mal sah. Als Adam sagte: „Das ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch,“ da liebte er Eva nicht wegen der Dinge, die sie in sich selbst besaß, sondern vielmehr weil sie Teil von ihm war und daher die Fähigkeit hatte, ihn zu kennen – seine Träume, Freuden und Sehnsüchte – und weil sie eine Gefährtin war, die sein Leben teilen konnte. Die Reinheit, Unschuld und Freiheit dieser Liebe wird in folgenden Worten zusammengefasst:

Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.  1. Mose 2, 25

Das Wort „schämen“ bedeutet im Hebräischen das Folgende: 

  • Enttäuscht zu sein
  • Hingehalten zu sein, bzw. unerfüllte Erwartungen zu hegen
  • In Verlegenheit gebracht oder verwirrt zu sein
  • "Trocken" bzw. trostlos zu werden

Was Adam und Eva erlebten, war alles, wonach wir uns sehnen, und doch scheitern wir meistens darin, es dauerhaft zu erreichen – wenn überhaupt. Der Weg von der Freude, Freiheit, Erfüllung, Unschuld und Intimität hin zu Enttäuschung, Verwirrung und Trostlosigkeit lässt sich zurückverfolgen bis in den Garten, als sie jene Frucht, die ihnen nicht zustand, nahmen und aßen. Diese Tat verursachte unseren Fall von Agape zu Eros.

Wir sollten diese biblische Geschichte wie ein Archäologe erforschen, der nach alten Schätzen sucht, und sorgfältig den Sand der Zeit beiseite fegt, um die historischen Fakten zu entdecken, die unserer Existenz ihre Bedeutung geben. Die Liebe, die Adam und Eva füreinander hegten, war sorgfältig von Gott gebildet und geformt worden, um ihre ewige Intimität und Freude zu gewährleisten. Im Ursprung unserer ersten Eltern liegt das Geheimnis zu dieser unbeschämten Liebe verborgen, in der es keine Enttäuschungen gab. 

Achtet auf Folgendes:

  • Gott schuf Adam und setzte ihn in den Garten. 1. Mose 2, 7
  • Gott setzte Adam als Verwalter und Herrscher in dieses Paradies. 1. Mose 2, 8. 15
  • Gott gebot Adam in Bezug auf den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis. 1. Mose 2, 16
  • Gott leitete die Umstände so, dass Adam das Bedürfnis nach einem Gefährten verspürte. 1. Mose 2, 20
  • Gott ließ Adam in einen Schlaf fallen (das hebräische Wort kann symbolisch auch "Tod" bedeuten. 1. Mose 2, 21
  • Gott nahm eine Rippe Adams und machte die Frau aus der lebendigen Rippe. 1. Mose 2, 22
  • Gott bringt dem aufgeweckten Mann seine Frau. 1. Mose 2, 22

Diese Reihenfolge ist essentiell, wollen wir das Geheimnis der unbeschämten, ursprünglichen Liebe unserer Eltern verstehen. Eva besaß nichts, was sie nicht von Gott durch Adam empfangen hatte. Die Einzelherrschaft Adams wurde zur Ruhe gelegt und er wurde zu einem neuen Leben aufgeweckt mit einer Gefährtin, die seiner Seite entnommen war. Als Adam in Schlaf fiel, war er mit dem Verlangen erfüllt, sein Herz zu öffnen, er war übervoll von Liebe für jemanden, der ihn verstehen könnte. Als er erwachte, blickte er auf ein Wesen, dem er alles schenken konnte, was er von Gott empfangen hatte und besaß. Mit diesem Wissen schenkte Adam der Frau alles, was er hatte. Sie besaß seine Rippe, seine DNS, sein Herz, sein Heim, seinen Garten – alles. Sie wiederum ist sich bewusst, dass Adam in Schlaf fiel, um einen Teil von sich selbst für sie aufzugeben [1]. Sie erkennt, was ihr alles geschenkt wurde, und als sie in die Augen ihres Mannes blickt, ist ihr Herz von Dankbarkeit, Freude und Glück erfüllt. Die Frau lebt jeden Augenblick in dem Bewusstsein, dass alles, was sie besitzt, ihr durch ihren Mann zu eigen wurde.   

Dieser Austausch zwischen dem Mann und der Frau konnte durch einen ewigen Antrieb einer Liebe erhalten bleiben, die überfließend wie eine Quelle war und nie beschämt werden würde. Das Geheimnis, der Schlüssel, das Zentrum, der Drehpunkt, der Kern, das Herz dieses wunderbaren Antriebs der Liebe liegt in der einfachen Tatsache, seinen Ursprung und seine Herkunft zu kennen und nicht zu vergessen. Solange Adam daran dachte, dass er als Leiter und Herrscher geschaffen und in den Garten gesetzt wurde, um für alles ihm Anvertraute zu sorgen, es zu schützen und ein treuer Verwalter darüber zu sein, würde er all die ihm verliehenen Segnungen weitergeben an die Wesen, über die er herrschte.  Und die Frau, die die Fülle des Segens von ihrem Mann empfängt und in liebevoller Achtung, freudiger Untergebenheit und vertrauensvollem Gehorsam auf ihn blickt, die Vetrauen in seine Führung offenbart und seine Leitung ehrt, entnimmt seinem Herzen wie die Frau am Brunnen weitaus größere Segnungen, als sich zuvor zeigten.

Dieser Antrieb der Liebe lässt sich gut mit einem Zweikolbenmotor vergleichen. Der erste Kolben, Adam, löst in seiner Freude darüber, eine wahre Gefährtin gefunden zu haben, eine Woge von Segnungen aus,  die sozusagen wie ein Schub Zündstoff in den Hohlraum des zweiten Kolbens fließen lässt und ihn dadurch anhebt, was eine Erwiderung der Liebe bewirkt, die den ersten Kolben anhebt und den Hohlraum mit freudiger Untergebenheit, Ehre und Achtung erfüllt. Dieser Liebesantrieb ist die Quelle, aus der die vier Ströme entspringen, die mitten aus dem Garten fließen und die ganze Erde bewässern. 1. Mose 2,10 -14.

Welch wunderbares Design! Welch wunderbare Darstellung, wie das Universum funktioniert, denn wir wurden im Bild Gottes geschaffen. 1. Mose 1,27.

 

Erneut heben wir den Punkt hervor, dass dieser ewige Liebesantrieb darauf beruht, dass jede Person ihren Ursprung kennt, sich ihrer wahren Identität und ihres Platzes in Gottes Schöpfung bewusst ist. Solange Adam daran dachte, dass er das Haupt des Gartens war und Gott alles seiner Fürsorge anvertraut hatte, es jedoch alles Gott gehörte, würde er das ihm übergebene Gut pflegen und hüten und seine Segnungen an alle Wesen unter seiner Fürsorge weitergeben. Und solange Eva sich daran erinnerte, dass ihr Leben von Adam stammte und alles, was sie erblickte und worüber sie gemeinsam mit Adam herrschte, ihr von ihrem Ehemann gemäß dem Willen Gottes gegeben worden war, würde sie den Kreislauf des Segens schließen, und sie würden sich beide niemals schämen.

 

 

[1] Der Schlaf Adams hallt wider im Lauf der Geschichte, als Abraham schlief und dadurch das Volk Israel geboren wurde; ebenso ist auch Jesu Schlaf im Grab, wodurch seine Gemeinde  geboren wurde, ein Widerhall des Preises, den der Vater für die Geburt des Universums zahlte.