Maranatha Media: German

Bessere Verheißungen

veröffentlicht Nov 02, 2026 von Daniel Bernhardt in Gott liebt Dich
Übersetzt von Jutta Deichsel
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Ein Sonnenstrahl glänzte durch das Fenster und beleuchtete sanft die Staubpartikel, die in der Luft schwebten. Sie schienen zart miteinander zu spielen und offenbarten dabei den Weg des Lichts. Während ich zusah, ruhten meine Augen auf dem aufgeschlagenen Buch auf dem Schreibtisch. Wie lange habe ich schon dort gesessen, verloren in meinem Blick? Wie lange war mein Geist umhergewandert, ohne wirklich auf die Bibel zu achten, die zufällig aufgeschlagen vor mir lag?

Ich schaute auf die Uhr – mehr als 50 Minuten waren vergangen. Wie oft war mir das schon passiert? Ich setzte mich mit derselben Absicht hin – Zeit mit Gott zu verbringen – und fühlte mich doch von anderen Gedanken gefangen oder wurde von anderen Büchern angezogen, die von den Regalen zu mir zu rufen schienen. Ich war müde davon, meine Versprechen an Gott nicht zu halten. Wie konnte ich Frieden und Ruhe finden und dieser Situation entkommen?

Die Verheißungen der Menschen

Was sagt die Bibel über meine Verheißungen? Was sagt sie über die Verheißungen der Menschen?

Wenn du dem HERRN, deinem Gott, ein Gelübde ablegst, so sollst du nicht säumen, es zu erfüllen; denn der HERR, dein Gott, wird es gewiss von dir fordern, und es würde eine Sünde für dich sein. Wenn du es aber unterlässt, zu geloben, so ist es keine Sünde für dich. Was aber über deine Lippen gegangen ist, das sollst du halten und tun, so wie du es dem HERRN, deinem Gott, freiwillig gelobt hast; das, was du mit deinem Mund versprochen hast. 5. Mose 23,22-24

Dieser Vers war vernichtend für mich. Wenn wir ein Gelübde oder Versprechen vor Gott ablegen, sollen wir es ohne „Säumen“ oder Verzögerung erfüllen. Doch es heißt weiter: „Wenn du es aber unterlässt, zu geloben, so ist es keine Sünde für dich.“ Es gibt also einen besseren Weg in unserer Beziehung zu Gott. Es ist besser, Gott nichts zu versprechen, damit keine Sünde entsteht. Und wenn Gott in unserem Herzen den Wunsch geweckt hat, etwas zu tun, dann lasst es uns ohne Verzögerung tun – in dem Wissen, dass es nicht nötig ist, Ihm etwas zu versprechen, sondern einfach das zu tun, was Er in unser Herz gelegt hat. Was sagt die Schrift sonst noch dazu?

Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Haus Gottes gehst! Sich nahen, um zu hören, ist besser, als wenn die Toren Opfer bringen; denn sie haben keine Erkenntnis, darum tun sie Böses. Übereile dich nicht mit deinem Mund, und lass dein Herz keine unbesonnenen Worte vor Gott aussprechen; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde; darum sollst du nicht viele Worte machen! Denn Träume kommen von viel Geschäftigkeit, und dummes Geschwätz vom vielen Reden. Wenn du Gott ein Gelübde ablegst, so versäume nicht, es zu erfüllen; denn Er hat kein Wohlgefallen an den Toren; was du gelobt hast, das sollst du auch erfüllen! Es ist besser, dass du nichts gelobst, als dass du etwas gelobst und es nicht erfüllst. Lass dich durch deinen Mund nicht zur Sünde verführen, und sage nicht vor dem Boten: »Es war ein Versehen!« Warum soll Gott über deine Äußerung erzürnen und das Werk deiner Hände verderben? Prediger 4,17 - 5,1-5

Wenn wir zum Haus Gottes gehen, sollen wir eher hören, als den Mund aufzutun. Das Opfer und die Gaben der Toren sind ihre unbesonnenen Worte. Der weiseste Mann der Welt sagt: „Darum sollst du nicht viele Worte machen!“ Wenn wir anerkennen, dass wir zur Torheit neigen, dann erkennen wir, dass es besser ist, keine Verheißungen zu machen.

Wenn eine Frau dem Herrn ein Gelübde ablegt und eine Verpflichtung auf sich nimmt, solange sie noch ledig im Haus ihres Vaters ist, und ihr Gelübde und ihre Verpflichtung, die sie auf ihre Seele nahm, vor ihren Vater kommt, und ihr Vater schweigt dazu, so sollen alle ihre Gelübde gültig sein und jede Verpflichtung, die sie auf ihre Seele gebunden hat. Wenn aber ihr Vater an dem Tag, da er es hört, es ihr verwehrt, so ist keines ihrer Gelübde und ihrer Verpflichtungen gültig, die sie auf ihre Seele gebunden hat. Und der Herr wird es ihr vergeben, weil ihr Vater es ihr verwehrt hat. 4. Mose 30,4-6

Wir neigen so sehr dazu, unkluge Verpflichtungen einzugehen oder solche, die gar nicht unsere sind, dass Gott in diesem Vers einen Ausweg gibt – der Vater kann das Gelübde aufheben. Wir versprechen unbedacht, ändern unsere Meinung oder bedenken die Folgen nicht. Deshalb ist es besser, nichts zu versprechen. Paulus erklärt unsere Situation:

In dieser Zuversicht nahm ich mir vor, zuerst zu euch zu kommen, damit ihr eine weitere Gnade empfangt, und über euch durchzureisen nach Mazedonien, und von Mazedonien wieder zu euch zu kommen, um von euch nach Judäa geleitet zu werden. Habe ich nun leichtfertig gehandelt, als ich mir dies vornahm? Oder mache ich überhaupt meine Pläne nach dem Fleisch, sodass bei mir das Ja Ja auch Nein Nein wäre? 2. Korinther 1,15-17

Paulus erzählt den Korinthern von seinen Plänen. Er ist sich der Schwäche menschlicher Worte bewusst und schiebt eine Parenthese ein: „Habe ich nun leichtfertig gehandelt?“ Er will sicherstellen, dass seine Planung nicht als impulsiv oder unüberlegt angesehen wird. Seine Planung ist nicht so, wie sie nach dem Fleisch wäre: „Oder mache ich überhaupt meine Pläne nach dem Fleisch, sodass bei mir das Ja Ja auch Nein Nein wäre?“ Hier sehen wir den Zustand des natürlichen Menschen. Der Mensch ist wandelbar, zwiespältig, und sein Wort ist Ja und Nein. Deshalb werden wir aufgerufen, Gott keine Versprechen und keine übereilten Verpflichtungen zu machen. Jesus verdeutlicht das weiter im folgenden Gleichnis:

Was meint ihr aber? Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten und sprach: Sohn, mache dich auf und arbeite heute in meinem Weinberg! Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Danach aber reute es ihn, und er ging. Und er ging zu dem zweiten und sagte dasselbe. Da antwortete dieser und sprach: Ich [gehe], Herr! und ging nicht. Wer von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Da spricht Jesus zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr! Denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Huren aber glaubten ihm; und obwohl ihr es gesehen habt, reute es euch nicht nachträglich, sodass ihr ihm geglaubt hättet. Matthäus 21,28-32

Es gibt zwei Arten von Menschen in Gottes Familie. Der eine stimmt zu, im Weinberg Gottes zu arbeiten, doch sein Herz ist in Feindschaft mit Gott, und am Ende geht er nicht. Es gibt eine anfängliche Zustimmung, aber später wird das Ja zum Nein. Diese Klasse wird durch die führenden Priester und Ältesten dargestellt: die pharisäische Klasse. Die andere Klasse scheint das Wort Gottes zunächst nicht anzunehmen. Doch nachdem sie darüber nachgedacht haben, werden sie zur Buße bewegt und tun den Willen Gottes. Bei ihnen ist das Wort Nein, und dann Ja. Diese Klasse wird durch die Zöllner und Huren dargestellt.

Einen erhabeneren Dienst

An jenem Morgen wurde mir klar, dass meine Worte, Versprechen und Anstrengungen eindeutig unzureichend waren. Meine erste Reaktion war der Gedanke, dass ich es einfach nicht hart genug versucht hatte. Ich hatte nicht die ganze Aufmerksamkeit, Hingabe und Anstrengung aufgebracht, die Gott verdiente. Doch dieses Gefühl war nicht neu. Ich hatte schon früher versucht, mich am Schopf zu packen und mich zum Studium des Wortes Gottes zu zwingen, und es hatte nicht funktioniert.

In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich nie gebetet und Gott von diesem Problem erzählt hatte. Es fiel mir sehr schwer, Ihm zu sagen, was in mir vorging, und es schien, als würde ich mich selbst betrügen, indem ich so tat, als wollte ich Ihn besser kennenlernen, während mein Herz offensichtlich ganz woanders war. Warum sollte ich das vor Ihm verbergen? Er wusste es doch bereits. Diese Erkenntnis überzeugte mich, dass es besser war, Ihm im Gebet alles zu erzählen, was mit mir geschah, und Christus um Hilfe zu bitten. Wie konnte Christus mir bei meinen Versprechen helfen und Seine Verheißungen in meinem Leben wahr machen?

Nun aber hat Er einen umso erhabeneren Dienst erlangt, als Er auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund von besseren Verheißungen festgesetzt wurde. Hebräer 8,6

Der Apostel Paulus betont in diesem Kapitel, dass wir in Christus einen Hohenpriester haben, der für dieses Amt mehr als qualifiziert ist. Er ist der Hohepriester und Diener der wahren Stiftshütte, die der Herr selbst aufgerichtet hat. Er ist kein Diener gemäß dem Gesetz des Mose, der im irdischen Heiligtum dient, sondern ein Diener der himmlischen Dinge.

Andererseits gab es einen Dienst der Priester, die dem dienten, was Vorbild und Schatten der himmlischen Dinge war, nach dem, was im Gesetz des Mose festgesetzt war. Christus ist der Mittler eines besseren Bundes, der auf besseren Verheißungen beruht. Das führt uns zu dem Schluss, dass es einen anderen Bund gab, einen schlechteren, der auf weniger guten Verheißungen beruhte. Zwei Bündnisse – einer mit besseren Verheißungen und einer mit schlechteren. Wir neigen dazu, diese beiden in das Priestertum des alten Israel der Leviten (irgendwie schlechter) und das Priestertum Christi in der christlichen Ära (irgendwie besser) einzuordnen. Aber ist das die Unterscheidung, die die Bibel macht?

Außerdem wirft das viele Fragen über Gottes Verheißungen auf. Sind manche Verheißungen Gottes besser und manche schlechter? Kann es sein, dass Gott für eine Gruppe von Menschen bessere Verheißungen und für eine andere schlechtere macht? Kann es sein, dass Gott mit einer Gruppe von Menschen einen schlechteren Bund und mit einer anderen einen besseren Bund geschlossen hat? Das klingt nicht richtig; das kann nicht sein. Bei Gott gibt es keine Fehler. Gott macht alles sehr gut[i]. In Bezug auf genau dieses Thema lesen wir:

Er ist der Fels; vollkommen ist Sein Tun; ja, alle Seine Wege sind gerecht. Ein Gott der Treue und ohne Falsch, gerecht und aufrichtig ist Er. Gegen Ihn haben verderblich gehandelt, die nicht Seine Kinder sind, sondern Schandflecken, ein verkehrtes und verdrehtes Geschlecht. 5. Mose 32,4.5

Gottes Werk ist vollkommen, alle Seine Wege sind gerecht, es gibt keine Ungerechtigkeit in Ihm, Er ist ohne Falsch und aufrichtig. Was sagt die Schrift außerdem über Gottes Umgang mit verschiedenen Menschen?

Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Römer 2,11

Da tat Petrus den Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern dass in jedem Volk derjenige Ihm angenehm ist, der Ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt! Apostelgeschichte 10,34.35

Gott sieht die Person nicht an, sondern freut sich über alle, die Ihn fürchten und Gerechtigkeit wirken, ganz gleich, welcher Nation sie angehören. Wie sollen wir dann verstehen, dass Jesus der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf besseren Verheißungen beruht?

Zwei Arten von Verheißungen

Denn wenn jener erste [Bund] tadellos gewesen wäre, so wäre nicht Raum für einen zweiten gesucht worden. Denn Er tadelt doch, indem Er zu ihnen spricht: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da Ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; … Hebräer 8,7.8

Wir bestätigen das vorher Gesagte: Es gibt einen schlechteren Bund, einen mit Mangel, der hier der erste oder Alte Bund genannt wird; andererseits gibt es einen besseren Bund, ohne Tadel, der hier der zweite oder Neue Bund genannt wird. Und der Vers sagt, dass der Herr, da Er an ihnen etwas zu tadeln fand, einen neuen Bund schließen wird. Der Herr konnte Seine Verheißung an ihnen nicht verwirklichen. Der Fehler lag bei ihnen, und es scheint sogar, dass sie es waren, die fehlerhafte Verheißungen an Gott ablegten.

… nicht wie der Bund, den Ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als Ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen — denn sie sind nicht in Meinem Bund geblieben, und Ich ließ sie gehen, spricht der Herr —, … Hebräer 8,9

Das Problem ist, dass sie den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hatte, verließen, und als sie das taten, errichteten sie offenbar einen anderen Bund. Dieser schlechtere Bund entstand, weil sie nicht in Gottes ursprünglichem idealen Bund blieben. Das ist der hier ausgedrückte Gedanke: „nicht wie der Bund, den Ich … gemacht habe …, denn sie sind nicht in Meinem Bund geblieben.“ Sie ersetzten Gottes Bund durch einen selbstgemachten, und Gott ließ sich herab, in ihren Bund einzutreten. Dieser Bund beruhte auf den Bedingungen des Menschen und gemäß den Werken des Menschen, sodass der Herr sie nach dessen Bedingungen gehen ließ und ihnen erlaubte, ihren eigenen Weg zu wandeln.

Aber Mein Volk hat Meiner Stimme nicht gehorcht, und Israel war Mir nicht zu Willen. Da gab Ich sie dahin in die Verstocktheit ihres Herzens, dass sie wandelten nach ihrem eigenen Rat. Psalm 81,12.13

Doch der Bund, den sie mit Gott schlossen, ist nicht der, den Gott mit dem Haus Israel und dem Haus Juda schließen will. Es scheint, dass Israel, wenn es „in Meinem [Gottes] Bund“ geblieben wäre, die Erfahrung des Neuen Bundes gehabt und von Christus geleitet worden wäre.

***

Zusammengefasst: Christus wurde zum Diener, Hohenpriester und Mittler eines besseren Bundes gemacht. Dieser bessere Bund beruht auf besseren Verheißungen und wird als der zweite oder Neue Bund bezeichnet. Das Volk, das aus Ägypten kam, wollte nicht in dem Bund des Herrn bleiben, sondern schloss einen schlechteren Bund, der auf schlechteren Verheißungen beruhte – einen Bund, bei dem der Fehler bei den Menschen lag, die Teil dieses Bundes waren. Und da er auf schlechteren Verheißungen beruhte, waren diese schlechteren Verheißungen offenbar die der Menschen. Kann das so sein? Oder könnte es sein, dass Gott einer Gruppe von Menschen schlechtere Verheißungen macht als einer anderen? Was sagt die Schrift über das Wort und die Verheißungen Gottes?

Die Verheißungen Gottes

In dem Vers, den wir von Paulus über das Wort des Menschen lesen, sehen wir, wie es den Verheißungen Gottes gegenübergestellt wird:

In dieser Zuversicht nahm ich mir vor, zuerst zu euch zu kommen, damit ihr eine weitere Gnade empfangt, und über euch durchzureisen nach Mazedonien, und von Mazedonien wieder zu euch zu kommen, um von euch nach Judäa geleitet zu werden. Habe ich nun leichtfertig gehandelt, als ich mir dies vornahm? Oder mache ich überhaupt meine Pläne nach dem Fleisch, sodass bei mir das Ja Ja auch Nein Nein wäre? Doch Gott ist treu, sodass unser Wort an euch nicht Ja und Nein gewesen ist! Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der durch uns unter euch verkündigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern in Ihm ist das Ja geschehen. Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt — in Ihm ist das Ja, und in Ihm auch das Amen, Gott zum Lob durch uns! 2.Korinther 1,15-20

Da Gott treu ist, stellt Paulus fest, dass Sein Wort nicht nach dem Fleisch ist. Alle Verheißungen Gottes sind in Jesus Ja und Amen. Amen bedeutet „So sei es“. Wenn wir in Christus sind, sind wir nicht mehr im Fleisch, im Ja und Nein, sondern im Ja und Amen. Gottes Wort wird den Verheißungen Gottes gleichgesetzt. In Christus Jesus finden sich alle Worte Gottes, und nur durch Ihn werden sie Wirklichkeit. Gott erfüllt alle Seine Verheißungen in Christus und durch Christus. Da der Zustand des fleischlichen Menschen Ja und Nein ist, werden wir ermahnt:

Wenn jemand redet, so rede er es als Aussprüche Gottes … 1.Petrus 4,11

Wenn wir reden, sollen die gesprochenen Worte den Worten Gottes entsprechen. Und wie ist das Wort Gottes? Wie sind Gottes Verheißungen? Sie sind Ja und Amen – und was noch?

Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege, spricht der HERR; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind Meine Wege als eure Wege und Meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, bis er die Erde getränkt und befruchtet und zum Grünen gebracht hat und dem Sämann Samen gegeben hat und Brot dem, der isst — genau so soll auch Mein Wort sein, das aus Meinem Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu Mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was Mir gefällt, und durchführen, wozu Ich es gesandt habe! Jesaja 55,8-11

Die Gedanken und Wege des Menschen sind nicht die Gedanken und Wege Gottes. Mehr noch: Sie sind so weit voneinander entfernt wie der Himmel von der Erde, ein gewaltiger Unterschied. Die Worte, die Verheißungen Gottes, kehren nicht leer zu Ihm zurück. Das Wort Gottes tut, was Er gebietet, erfüllt die Verheißung und bringt Frucht. Ein sehr klares Beispiel finden wir ganz am Anfang der Schöpfung. Gott sprach: „Es werde Licht!“, und es ward Licht. So ist es mit jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht. Er sprach, und es geschah. Deshalb heißt es:

Gott ist nicht ein Mensch, dass Er lüge, noch ein Menschenkind, dass Ihn etwas gereuen würde. Was Er gesagt hat, sollte Er es nicht tun? Was Er geredet hat, sollte Er es nicht ausführen? 4.Mose 23,19

Was Gott sagt, geschieht; was Gott spricht, wird so sein. Sein Wort ist wahr und gewiss.

Kommen wir also zurück zu unserem Text in Hebräer. Es heißt:

Nun aber hat Er einen umso erhabeneren Dienst erlangt, als Er auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund von besseren Verheißungen festgesetzt wurde. Denn wenn jener erste [Bund] tadellos gewesen wäre, so wäre nicht Raum für einen zweiten gesucht worden. Denn Er tadelt doch, indem Er zu ihnen spricht: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da Ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den Ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als Ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen — denn sie sind nicht in Meinem Bund geblieben, und Ich ließ sie gehen, spricht der Herr —, …« Hebräer 8,6-9

Der Dienst Jesu gründet sich auf einen besseren Bund, und dieser Bund ist besser, weil er auf besseren Verheißungen beruht. Gott sieht die Person nicht an, und das Wort Gottes ist wahr, es kehrt nicht leer zurück und erfüllt den Willen dessen, der es gesandt hat. Und wenn es heißt: „denn Er tadelt doch“, ist klar, dass Er den Fehler bei denen findet, die aus Ägypten zogen. Dieser Fehler lag in den Verheißungen, weil es schlechtere Verheißungen waren, fleischliche Verheißungen, mangelhafte Verheißungen. Sie glaubten Gottes Verheißungen an sie nicht und legten stattdessen ihre eigenen mangelhaften Verheißungen vor Gott ab. Deshalb verheißt Gott, dass die Zeit kommen wird, in der Er mit den Häusern Israel und Juda einen neuen, tadellosen Bund schließen wird, nicht wie den, den Er mit ihren Vätern geschlossen hatte.

Der Bund Gottes mit Israel

Wenn dem so ist, lasst uns die Geschichte Israels genauer betrachten, um zu bestätigen, was wir gerade festgestellt haben. Wir sollten die Verheißungen Gottes und die Verheißungen der Menschen finden und dabei erkennen können, dass die Verheißungen der Menschen schlechter sind. Lesen wir zuerst die Worte und Verheißungen Gottes an Israel:

Mose aber stieg hinauf zu Gott; denn der HERR rief ihm vom Berg aus zu und sprach: So sollst du zum Haus Jakobs sagen und den Kindern Israels verkündigen: Ihr habt gesehen, was Ich an den Ägyptern getan habe und wie Ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu Mir gebracht habe. Wenn ihr nun wirklich Meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und Meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern Mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört Mir, ihr aber sollt Mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst. 2. Mose 19,3-6

Gott betont, was Er bereits für sie getan hat und wie Er sie zu sich gebracht hat, mit der Absicht, noch mehr für sie, in ihnen und mit ihnen zu tun. Er bittet sie, auf Seine Stimme zu hören und den Bund – Gottes Bund – zu bewahren. Das Wort „bewahren“ kann auch mit „hüten, schützen, erhalten, als Schatz betrachten“ übersetzt werden. Dieser Text zusammen mit 2. Mose 6 enthält die Bedingungen dieses Bundes. Gott erwartet keine andere Antwort als Ja und Amen. Gott sehnt sich nach einer Antwort des Glaubens. Damit das möglich ist, brauchten sie Christus, denn in Ihm ist das Ja und Amen.

Und wo sollte Gottes Volk den Bund, die Worte Gottes, bewahren?

So nehmt euch nun diese Meine Worte zu Herzen und in eure Seele … 5. Mose 11,18

Gottes Bitte und Flehen ist, dass sie auf Seine Stimme, Seinen Bund, wie er in Seinen Worten ausgedrückt ist, hören und ihn in ihrem Herzen und ihrer Seele bewahren. Doch noch spezifischer: Welche Worte genau sind der Bund Gottes?

Und er war dort bei dem HERRN 40 Tage und 40 Nächte lang und aß kein Brot und trank kein Wasser. Und Er schrieb die Worte des Bundes auf die Tafeln, die zehn Worte. 2. Mose 34,28

Der Bund Gottes mit Seinem Volk sind die Zehn Gebote. Die erste Offenbarung ist, dass die Zehn Gebote Verheißungen Gottes sind; sie sind das, was Er in Seinem Volk tun will. Gott sagt, wenn sie auf Seine Stimme hören und Sein Gesetz hüten (schützen, als Schatz betrachten), werden sie ein heiliges Volk sein. Mit anderen Worten: Wenn ihr nun wirklich Meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und Meinen Bund bewahrt.

Die Verben hier stehen im Futur, nicht im Imperativ. Das macht deutlich, dass dies keine Befehle sind, sondern Verheißungen – das Werk, das Gott tun wird. Das einzige Gebot, das nicht im Futur steht, ist das fünfte Gebot, das auch zufälligerweise das einzige mit einer Verheißung ist. Der Bund Gottes, die Zehn Gebote, sind Verheißungen; sie sind das, was Gott in den Herzen Seines Volkes tun will.

Die zwei Bündnisse

Doch was war Israels Antwort darauf? Wie reagierten sie auf das Wort und den Bund Gottes?

Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes zu sich und legte ihnen alle diese Worte vor, die der HERR ihm geboten hatte. Da antwortete das ganze Volk miteinander und sprach: Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun! Und Mose überbrachte dem HERRN die Antwort des Volkes. 2. Mose 19,7.8

Gott hatte ihnen nicht geboten, etwas zu versprechen, und doch versprachen sie zu hören und zu tun. Wir wissen nicht, ob sie versprachen, heilig zu sein. Aber Gott hatte ihnen nur gesagt: „Hört und bewahrt“ – nicht „hört und versprecht“, noch „hört und erfüllt“ oder „hört und tut“. Stattdessen gaben sie Ihm Versprechen, die Er nicht von ihnen verlangt hatte. Was war das Versprechen des Volkes Israel an Gott? „Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun.“

Gemäß ihrem menschlichen Versprechen bereitet Gott sie darauf vor, den Bund zu empfangen, und in Kapitel 20 gibt Er ihnen das Gesetz, die Zehn Gebote. Das ist die Stimme des Bundes, auf die sie aufmerksam hören sollten. Und was war die Reaktion des Volkes auf diese Stimme und diesen Bund?

Und das ganze Volk nahm das Donnern und die Flammen wahr und den Schall der Schopharhörner und den rauchenden Berg. Als nun das Volk dies wahrnahm, zitterte es und stand von ferne, und es sprach zu Mose: Rede du mit uns, und wir wollen hören; aber Gott soll nicht mit uns reden, sonst müssen wir sterben! Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, um euch zu prüfen, und damit die Furcht vor ihm euch vor Augen sei, damit ihr nicht sündigt! 2. Mose 20,18-20

Das Volk bat Mose, dass Gott nicht mehr zu ihnen reden solle – genau dann, als Gott sie bat, auf Seine Stimme zu hören! Hatten sie nicht versprochen zu hören und zu tun?

Tritt du hinzu und höre alles, was der HERR, unser Gott, reden wird; und du sollst uns alles sagen, was der HERR, unser Gott, zu dir reden wird; und wir wollen darauf hören und es tun! 5. Mose 5,27

In kaum drei Tagen brachen sie das Versprechen, das sie Gott gegeben hatten. Wir sehen, dass es ein Versprechen des Fleisches ist: zuerst Ja, dann Nein. Dann redet Gott weiter direkt mit Mose und bittet das Volk, auf die Stimme des Engels zu hören, der sie auf dem Weg bewahren würde, und nicht widerspenstig zu sein. Mose kommt dann zum Volk Israel mit weiteren Worten Gottes, da sie Ihn nicht mehr hören wollten.

Und Mose kam und verkündigte dem Volk alle Worte des HERRN und alle Verordnungen. Da antwortete das Volk einstimmig und sprach: Alle Worte, die der HERR geredet hat, wollen wir tun! Da schrieb Mose alle Worte des HERRN nieder … Darauf nahm er das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und sie sprachen: Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun und darauf hören! Da nahm Mose das Blut und sprengte es auf das Volk und sprach: Seht, das ist das Blut des Bundes, den der HERR mit euch geschlossen hat aufgrund aller dieser Worte! 2. Mose 24,3.4.7.8

Sie achteten offensichtlich nicht auf das, was Gott sagte, denn sie brauchten das Wort nur zu hören und es zu bewahren und als Schatz zu betrachten. Aber vielleicht noch behaftet mit einer Sklavenmentalität versprachen sie, dass sie alle Worte des Herrn tun würden. Anstatt dass Gott es tut, würden sie es tun. Seit wann muss der, der eine Verheißung empfängt, derjenige sein, der sie erfüllt?

Dann brachten sie Brandopfer dar und schlachteten dem Herrn Friedensopfer von Rindern. Mose liest das Buch des Bundes, und sie versprechen erneut, dass sie alles tun und gehorchen werden, was der Herr gesagt hat. Und über dem Blut der Opfer schließen sie einen Bund mit Gott.

Gott bittet sie, auf Seine Stimme zu hören und Seine Worte als Schatz zu bewahren, und in diesem Prozess würden sie zu einem heiligen Volk werden. Und Gott gibt ihnen Seinen Bund, die Verheißung der Zehn Gebote. Doch das Volk Israel bittet, anstatt auf die Stimme Gottes zu hören, darum, sie nicht mehr zu hören, und verspricht stattdessen, dass sie alle Worte des Herrn tun werden. So verlässt Israel den Bund Gottes. Sie gehen dazu über, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten durch das Gesetz (durch ihre Werke statt durch den Glauben), weil sie es waren, die die Verheißungen erfüllen wollten. So treten sie in einen Bund mit Gott ein, und Er lässt sich herab, in diesen Bund mit ihnen einzutreten.

Denn Er tadelt doch, indem Er zu ihnen spricht: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da Ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den Ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als Ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen — denn sie sind nicht in Meinem Bund geblieben, und Ich ließ sie gehen, spricht der Herr —, …« Hebräer 8,8.9

Wir sehen in diesem Vers zwei Bündnisse. Der eine ist der Bund Gottes, in dem das Volk Israel nicht blieb. Der andere ist der Bund, den Er mit ihnen schloss, indem Er ihre fehlerhaften Verheißungen annahm. Dann sagt Gott: „Ich werde … einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund, den Ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag.“ Der Neue Bund, den Er schließen will, ist nicht der, den Er mit denen schloss, die Er aus dem Land Ägypten führte, denn es heißt weiter, dass sie nicht in „Meinem Bund“ geblieben sind. Der Neue Bund, den Er schließen will, ist immer noch das, was Gott als „Meinen Bund“ bezeichnet – den ursprünglich beabsichtigten Bund, in dem die Israeliten nicht blieben.

Schließlich schloss Gott mit ihnen einen Bund, indem Er sich dazu herabließ, ihnen entgegenzukommen, weil sie nicht im Bund Gottes geblieben waren. Wie geschah das? Gottes Worten und Verheißungen begegneten sie mit Unglauben und Misstrauen; und nun entscheidet das Volk selbst, wie es das erfüllen wird, von dem es meint, dass es Gottes Wille sei. Die Bedingung dieses mangelhaften Bundes ist: Gehorche, um zu leben, denn „verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun“. Es ist ein Bund, der mangelhaft ist, weil er davon abhängt, dass der Mensch die Worte und Verheißungen Gottes hält. Es ist unglaublich, dass sie das versprochen haben! Hier haben wir die Verheißungen gegenübergestellt: die besseren Verheißungen Gottes und die schlechteren Verheißungen des Menschen. Gott wollte ihnen Seinen Bund geben, während sie andererseits ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott aufrichten wollten.

Der alte Bund war unweigerlich zum Scheitern verurteilt, weil das Wort und die Verheißungen des Menschen unbeständig sind. Im Fleisch ist es Ja und Nein. Das zeigt sich in dieser Geschichte fast sofort – dieselben Menschen, die versprachen, alle Worte Gottes zu tun, beteten wenige Tage später ein goldenes Kalb an. Was war mit dem Volk Israel geschehen?

Denn Ich habe euren Vätern eindringlich bezeugt von dem Tag an, als Ich sie aus dem Land Ägypten heraufführte, bis zu diesem Tag, indem Ich mich früh aufmachte und es [immer wieder] bezeugte und sprach: »Hört auf Meine Stimme!« Aber sie haben nicht darauf gehört; sie haben Mir kein Gehör geschenkt, sondern jeder von ihnen wandelte nach dem Starrsinn seines bösen Herzens; darum brachte Ich alle Worte dieses Bundes über sie, die zu halten ich ihnen befohlen habe, die sie aber nicht gehalten haben. Jeremia 11,7.8

Gott flehte sie an, auf Seine Stimme zu hören. Doch sie wollten die Worte Gottes nicht hören, sondern liefen anderen Göttern nach – den Einbildungen ihres bösen Herzens.

Das war also die Erfahrung Israels. Nun kehren wir zu Hebräer 8 zurück, um uns auf den Dienst Christi zu konzentrieren:

… sondern das ist der Bund, den Ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen Meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben; und Ich will ihr Gott sein, und sie sollen Mein Volk sein. Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn es werden Mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen; denn Ich werde gnädig sein gegen ihre Ungerechtigkeiten, und an ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten werde Ich nicht mehr gedenken. Hebräer 8,10-12

Christus ist der Hohepriester, der Diener eines besseren Bundes, der auf besseren Verheißungen beruht – den Verheißungen Gottes. Der Dienst Christi besteht nicht darin, die Verheißungen der Menschen zu erfüllen, sondern die Verheißungen Gottes. Gott fand den Fehler bei Israel, weil sie ihre Herzen verhärteten, nicht in Seinem Bund blieben und ihre eigene Gerechtigkeit aufrichten wollten. Er zeigte ihnen ihre erste Reaktion, indem Er das Gesetz auf steinerne Tafeln schrieb – ein Spiegelbild des Zustands ihrer Herzen. Gott gab ihnen die steinernen Tafeln, weil sie Sein Gesetz nicht in ihren Herzen bewahren wollten.

Da die unaufhörlichen Appelle Gottes, auf Seine Stimme zu hören, auf taube Ohren fallen, überlässt der Herr sie ihren eigenen Wegen, zieht sich von ihnen zurück, indem Er ihnen ihren Willen gibt, und verheißt, dass Er in Zukunft (wenn sie erkennen, dass ihre Verheißungen nutzlos sind) einen neuen Bund, Seinen eigenen Bund, mit den Häusern Israel und Juda schließen wird. So wurde der erste Bund, der Alte Bund, der, in den Gott sich vorübergehend mit ihnen einließ, mit Israel geschlossen. Der zweite Bund, der auf den Verheißungen Gottes beruht, ist ebenfalls mit dem Haus Israel und dem Haus Juda.

Woraus besteht dieser Neue Bund, dieser Bund Gottes? Er besteht darin, dass Gott Sein Gesetz in ihren Sinn und ihre Herzen hineinlegt. Wer gibt diese Verheißung? Gott, der treu ist. Wer bewirkt es? Gott, der Allmächtige. Gott ist barmherzig gegenüber ihrer Ungerechtigkeit und tilgt ihre Sünden und Missetaten. Die Segnungen des Neuen Bundes bestehen demnach im Wesentlichen aus zwei Dingen:

  1. Gott sorgt dafür, dass Sein Gesetz in die Herzen und den Sinn der Häuser Israel und Juda eingegraben wird, damit sie in den Wegen Gottes wandeln und Seine Gebote halten. Diese Handlung macht Gott zu ihrem Gott, damit sie Ihn erkennen und sich selbst als Sein Volk anerkennen.
  2. Gott erweist Seine Barmherzigkeit, indem Er ihre Sünden, Gesetzlosigkeiten und Ungerechtigkeiten vergibt.

Wie wir sehen, ist das Gesetz – die Zehn Gebote und ihre Erfüllung – weiterhin der Mittelpunkt sowohl des Alten als auch des Neuen Bundes. Die Verheißung des ewigen Lebens beruht in beiden Bündnissen auf derselben Bedingung, und diese Bedingung ist vollkommener Gehorsam. Doch im Alten Bund ist es der Mensch, der beschließt, aus eigener Kraft und im eigenen Fleisch das Gesetz und die Verheißungen Gottes zu tun. Im Neuen Bund dagegen verhärtet der Mensch sein Herz nicht, wenn er die Stimme Gottes hört, sondern lässt es zu und erlaubt Gott, Sein Gesetz in seinen Sinn und sein Herz zu schreiben. So geschieht es im Neuen Bund aus Gnade, und der Mensch kann sich nicht rühmen, weil es Gott ist, der wirkt, und nicht der Mensch. Das ist es, was Gott von Anfang an mit dem Volk Israel tun wollte.

Im Alten Bund versucht der Mensch, die Gerechtigkeit Gottes zu wirken oder auszuführen, um zu leben. Das ergibt keinen Sinn, denn das Leben geht den Taten immer voraus. Die Werke eines Menschen entspringen dem Leben, das er hat. Zuerst muss man das Leben von Gott empfangen, um zu leben und dann Seine Gerechtigkeit zu wirken. Der Mensch erwartet, die Gebote Gottes zu erfüllen, um das ewige Leben zu empfangen, ohne zuvor das ewige Leben in seinem Herzen empfangen zu haben. Im Neuen Bund dagegen, der durch den Glauben geschieht, wird Gottes Wort gehört und empfangen, und dieses Wort bewirkt Gerechtigkeit im Menschen. Wer die Gebote Gottes in seinem Herzen empfängt und bewahrt, wird die Gerechtigkeit Gottes offenbaren.

Wieder sitze ich an meinem Schreibtisch mit der aufgeschlagenen Bibel. Nun sehe ich die Dinge klarer: Mein Wort ist unwirksam; es ist menschlich unmöglich, meine Versprechen an Gott zu halten. Doch ich lese in der Schrift, dass Gott selbst das Werk tun will, Gott in meinem Leben zu sein. Er will Sein Gesetz in meinen Sinn und in mein Herz legen. Nicht ich muss das tun, sondern ich muss nur das Wort empfangen, es hören und bewahren. Wenn ich es so sehe und an all die Zeiten denke, in denen mein Herz Sein Wort nicht bewahrt hat, lese ich:

… »Heute, wenn ihr Seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!« Hebräer 4,7

Dann erhebt sich mein Gebet zu Ihm:

Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir von Neuem einen festen Geist in meinem Innern! Psalm 51,12

 

 

 


[i] 1. Mose 1,31