Agape 1 - Die Offenbarung des Vaters

veröffentlicht Jul 27, 2017 von Adrian Ebens in Agape Treffer: 146
Übersetzt von Franziska Bunkus, Jutta Deichsel

 

(Dies ist der erste Teil einer Serie über die Agape-Liebe Gottes)

“Gott ist Liebe” schrieb der Apostel Johannes, der eine innige Verbindung mit Jesus während dessen Wirken hier auf Erden hatte (1.Johannes 4,16). Als Johannes am Hang des Hügels saß und Ihn predigen hörte, als er Ihn beobachtete, wie Er die Augen des Blinden auftat, als er Ihn mit Tränen in den Augen diejenigen zurechtweisen sah, die Falsches taten, begriff Johannes die wahre Mission Jesu.

Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluss [über ihn] gegeben. Johannes 1,18

Das Bild von Gott, wie es im Leben Jesu offenbart wurde, stand in starkem Kontrast zu dem vorherigen Verständnis der Menschen über Gott. Als Jesus und Seine Jünger an einem blinden Mann vorübergingen fragten sie Ihn:

Rabbi, wer hat gesündigt, sodass dieser blind geboren ist, er oder seine Eltern? Johannes 9,2

Ihre Frage offenbarte, dass die Menschen Gott als einen grausamen Diktator wahrnahmen, der Strafen auf diejenigen bringt, die Ihm nicht gehorchen. Bis zur Zeit Christi wurden Aufstieg und Fall der Weltreiche durch Blutvergießen geschmiedet und mit eiserner Faust beherrscht, was die menschliche Wahrnehmung des göttlichen Charakters als unbarmherzig und rachsüchtig widerspiegelt.

Doch es gab Zeugen, die eine andere Botschaft verkündeten. Die Schönheit der Natur, das lebenssprühende Feld der Blumen mit ihrem süßen Duft, die melodischen Vögel, die mit ihrem Gesang die Luft erfüllen, und die saftig grünen, majestätischen Bäume - sie alle zeugen von der Wahrheit eines wunderbaren Schöpfers und liebenden Vaters. Auch die inbrünstige und hingebungsvolle Liebe der Eltern für ihre Kinder und die liebevolle, vertrauliche Verbindung von Mann und Frau sprechen von dem zärtlichen Herzen ihres Schöpfers.

Fünfzehnhundert Jahre zuvor sehnte sich Mose danach, seinen Schöpfer zu verstehen, und bat Gott, ihm Seine Herrlichkeit zu offenbaren.

Da kam der HERR in einer Wolke herab und trat dort zu ihm und rief den Namen des HERRN aus. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; 2,Mose 34,5-6  

Doch trotz dieser und vieler anderer Beweise existierte die vorherrschende Meinung, dass Gott hart und streng sei, und eifrig diejenigen bestrafte, die Ihn beleidigen.

Warum war diese Ansicht so verbreitet? Weil Satan von Anfang an Gottes Liebe infrage gestellt hatte. 

Da sprach die Schlange zu der Frau: Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß: An dem Tag, da ihr davon esst, werden euch die Augen geöffnet, und ihr werdet sein wie Gott und werdet erkennen, was Gut und Böse ist! 1.Mose 3, 4-5

Satan überzeugte Adam und Eva davon, dass Gott nicht ihr Bestes im Sinn hatte. Er überzeugte sie davon, dass man Gott nicht trauen könnte. Indem er Adam und Eva erzählte, dass sie durch das Essen der Frucht nicht sterben würden, öffnete er den Weg dafür, dass Gottes Warnung, die doch in Liebe gegeben worden war, ganz anders verstanden wurde.

aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du gewisslich sterben! 1.Mose 2,17  

Wenn das Essen der Frucht Adam und Eva nicht umbringen würde, was würde sie dann töten? Die einzige Schlussfolgerung war, dass Gott es sein müsse, und als Adam dann Gottes Stimme im Garten hörte, erkennen wir die Frucht dieses Denkens.

Und er antwortete: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nackt; darum habe ich mich verborgen! 1.Mose 3,10  

Warum hatte Adam Angst vor Gott? Weil er sich vor dem Tod fürchtete, und davor, dass Gott ihn wegen seines Ungehorsams töten würde. Es war diese Angst vor dem Tod durch die Überzeugung, dass Gott sie töten wollte, die sie in Satans Knechtschaft gefangen hielt. Aber Gott wollte ...

... alle diejenigen befreien, die durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden. Hebräer 2,15

Satan überzeugte unsere ersten Eltern davon, das Gott ein Henker sei, der alle tötet, die Sein Gebot übertreten, und dass Er ein Lügner sei, weil Er ihnen sagte, dass sie durch das Essen der Frucht sterben würden. Dabei sind dies alles Eigenschaften von Satan selbst. Als Jesus mit den Pharisäern sprach, beschrieb Er diese Eigenschaften anhand ihrer Handlungen:

Ihr habt den Teufel zum Vater, und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun! Der war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Johannes 8,44  

Durch diese Täuschungen hat Satan die Welt versklavt. Er hat den Charakter Gottes falsch dargestellt, um die Menschen von Ihm fern zu halten. Der Sohn Gottes kam vom Himmel, um uns den wahren Charakter Seines Vaters zu offenbaren. Er kam, um die dunklen Wolken dieser falschen Auffassung zu beseitigen und uns zu zeigen, wie der Vater wirklich ist. Als einer der Jünger die Bitte vorbrachte “Zeige uns den Vater” antwortete Jesus:

So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater? Johannes 14,8-9

Indem Er Seine irdische Mission beschrieb, sagte Jesus:

Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen. Lukas 4,18

Im Geiste betrachten wir das Angesicht der Witwe von Nain, als Jesus den Trauerzug unterbrach und ihren Sohn wieder zum Leben erweckte. Unsere Herzen werden von der Geschichte des Jairus berührt und von seiner Freude, die dem Schmerz wich, als Jesus seine Tochter wieder ins Leben rief. Jesus wandelte durch die Dörfer und keine einzige kranke Person blieb zurück. Er war voller Mitgefühl für die 5000 auf dem Hügel und speiste sie und erzählte ihnen von der Liebe des Vaters für sie.

Die Gegenwart Jesu war so einladend, dass Mütter ihre Kinder zu Ihm brachten, um sie von Ihm segnen zu lassen. In all Seinen Handlungen wurde die Herrlichkeit des Vaters offenbart. Mit jedem Wort, das Er sprach, wurde die Finsternis, die die Welt in Knechtschaft gehalten hatte, vertrieben durch das Licht Seiner Herrlichkeit. Jesus benutzte nicht die Kraft des positive Denkens oder der Schmeichelei. Er sprach die Wahrheit immer in Liebe und schreckte nicht davor zurück, Falschheit und Unglaube aufzudecken. Doch Tränen waren in Seinen Augen, wenn Er die Fehler der Menschen zurechtwies. Er lebte nur für andere und jede Seele war Ihm unendlich wertvoll.

Der Charakter Christi auf Erden offenbart uns den Charakter Gottes. Christus sagte “Ich tue nichts von mir selbst”. Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit Ihm selbst. Der gesamte Charakter des Vaters wurde in Seinem Sohn offen gelegt. Jesus auf Erden brachte vor der Menschheit das Ebenbild des Vaters zum Ausdruck.

In ernstem Gebet zu Seinem Vater sagte Jesus:

Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.  Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Johannes 17,3-6

Jesus sagt uns, dass Er den Vater auf Erden verherrlicht hat. Die Herrlichkeit des Vaters ist Sein Charakter, und diesen hat uns Jesus in Seinem Dienst auf Erden offenbart. In Seinem Gebet sagte Jesus auch zu Seinem Vater, dass Er Seinen Jüngern, die mit Ihm waren, den Namen oder Charakter des Vaters kundgetan hat. Aus diesem Grund konnte Jesus mit Zuversicht zu Philippus sagen: "Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen". Philippus musste nicht das gesamte Wirken Jesu in der  gesamten Menschheitsgeschichte kennen, um zu wissen, wie der Vater ist. In knapp drei Jahren zeigte Jesus uns in allen Einzelheiten den Charakter Seines Vaters.

Die höchste Manifestation der Liebe des Vaters wird durch das Kreuz offenbart.

Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe — nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, so sind auch wir es schuldig, einander zu lieben.  1. Johannes 4,9-11

Wenn Jesus Satans Versuchungen zum Opfer gefallen wäre, wäre Er für immer verloren und die gesamte menschliche Rasse wäre dadurch auch verloren gegangen. Unser himmlischer Vater hat Seinen Sohn der Welt nicht einfach nur für 33 Jahre geliehen, Er hat Ihn uns geschenkt. Es bestand die Gefahr, dass alles verloren gehen könnte, und doch war der Vater in Seiner großen Liebe zur Welt willig, Seinen eingeborenen Sohn aufzugeben, damit Er uns retten könnte.

Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Römer 8,32

Dieses Risiko wurde ausgedrückt in Jesu Gebet zu Seinem Vater im Garten Gethsemane. Er war ängstlich, dass Er diese Prüfung nicht durchstehen würde. Aber Er vertraute dem Willen Seines Vaters, ungeachtet dessen, was es Ihn kosten würde.

Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Matthäus 26,39

Wie können wir nur die Größe dieser Liebe begreifen? Welche Worte können das Wunder der Liebe Gottes ausdrücken? Adam war nicht bereit, das aufzugeben, was ihm das Kostbarste war, aber der Vater war es. Er verschohnte nicht Seinen eigenen Sohn.

Jesus ertrug still die Schläge, den Spott und Hohn des Mobs, der sich an Seinem Leid erfreute. Ergeben versuchte Er, Sein Kreuz zu tragen, bis Er unter dessen Gewicht zusammenbrach. Während Er am Kreuz hing, bat Er Johannes, für Seine Mutter zu sorgen, und betete zu Seinem Vater, denjenigen zu vergeben, die dabei waren, Ihn zu töten.

Niemals zuvor war das Universum Zeuge einer solch erstaunlichen Liebe. Der Charakter des Vaters leuchtete aus Seinem Sohn in herrlichem Licht hervor. Wahrlich, der Vater liebt Seine Feinde und vergibt denjenigen, die Ihn zerstören wollen. All das wurde im Charakter des Sohnes Gottes manifestiert. Durch Seinen Tod entlarvte der Sohn Gottes den Mörder, der Satan von Anfang an gewesen war, und machte das Handeln der Schlange offenbar. Am Kreuz wurden der Mörder und der Ermordete vollständig erkannt. Der Geist, der Kain dazu veranlasste, seinen Bruder Abel zu töten, manifestierte sich in vollem Licht am Kreuz, und zum ersten Mal konnte das himmlische Universum erkennen, was für ein Lügner und Mörder Satan wirklich war. Sein Einfluss im Himmel fiel wie ein Blitz hernieder, und es wurde kein Platz mehr für ihn gefunden in den Herzen der Engel.

Am Anfang dieser Reise wollen wir uns die richtige Brille aufsetzen, wenn wir die Geschichten der Bibel lesen. Im Lichte des Kreuzes von Golgatha werden die Eigenschaften Gottes, die uns im Alten Testament mit Furcht erfüllten, wunderschön und anziehend. Wir sehen Barmherzigkeit, Zärtlichkeit und elterliche Liebe, verbunden mit Heiligkeit, Gerechtigkeit und Macht. Durch das Objektiv der Geschichten des neuen Testaments beginnen wir, die Wahrheit der Gerichte im Alten Testament zu erkennen. Dies ist der Gegenstand dieser Serie: zu zeigen, dass das Leben Jesu auf der Erde dasselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit, und das dies uns offenbart, wie unser Vater wirklich ist.

Wie tief muss Gottes Liebe sein!
Er liebt uns ohne Maßen,
hat Seinen Sohn an unsrer Statt
für alles büßen lassen.
Als alle Sünde auf Ihm lag,
der Vater Sein Gesicht verbarg,
als Er, der Auserwählte starb,
gab Er uns neues Leben.

Ich schaue auf den Mann am Kreuz,
kann meine Schuld dort sehen.
Und voll Beschämung sehe ich
mich bei den Spöttern stehen.
Für meine Sünden hing Er dort
sie brachten Ihm ums Leben.
Sein Sterben hat sie ausgelöscht.
Ich weiß, mir ist vergeben.

Ich werde keiner Macht der Welt
und keiner Weisheit trauen.
Auf Jesu Tod und Auferstehn
will ich mein Leben bauen.
Ich hab das alles nicht verdient,
ich leb' durch Seine Gnade.
Sein Blut bezahlte meine Schuld,
damit ich Leben habe.