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Das Spiegelprinzip - Kapitel 44 - Bileam im Spiegel

veröffentlicht Feb 09, 2024 von Adrian Ebens in Der Charakter Gottes
Übersetzt von Franziska Bunkus, editiert von Jutta Deichsel
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Kapitel 44 - Bileam im Spiegel

Die Moabiter und Midianiter zitterten, als sie erfuhren, dass das Volk der Amoriter, von dem sie zuvor besiegt wurden, von den Israeliten ausgelöscht worden war. König Balak beriet sich mit seinen Ältesten, um einen Plan auszuhecken, wie er Israel durch Weissagung oder Zauberei besiegen könne (4.Mose 22,7). Der König war so verzweifelt, dass er einen Mann namens Bileam aus der fernen Region Mesopotamien rufen ließ.

Bileam hatte sich einen Ruf als gottesfürchtiger Mann und Prophet gemacht. Doch wie viele geistliche Männer, die zu Ruhm gelangen, wurde er durch Habgier verdorben.

Die Abordnung aus Moab und Midian überbrachte Bileam die Bitte, herauf zu kommen und die Israeliten für sie zu verfluchen. Die mitgebrachten Geschenke lockten Bileam, so dass er mit ihnen gehen wollte, aber er beschloss, dem Protokoll zu folgen und Gott zu fragen, wie er vorgehen sollte.

Gott befahl Bileam: »Geh nicht mit! Verfluche dieses Volk nicht, denn Ich habe es gesegnet!« Am Morgen stand Bileam auf und sagte zu den Abgesandten Balaks: »Ihr müsst allein in euer Land zurückkehren. Der HERR erlaubt mir nicht, mit euch zu gehen.« (4.Mose 22,12.13 HFA)

Josephus schreibt dazu Folgendes:

Bileam empfing die Gesandten sehr höflich und nachdem er sie bewirtet hatte, fragte er nach dem Willen Gottes, ob er dem Verlangen der Midianiter nachkommen solle. Als aber Gott sich dagegen aussprach, begab er sich wieder zu den Gesandten und erklärte ihnen, dass er selbst sehr willig und bestrebt sei, ihrer Bitte nachzukommen; aber ihrem Wunsch nicht entsprechen könne, denn Gott, dem er seine Berühmtheit im Wahrsagen und Prophezeien verdanke, gestatte dies nicht. Das Heer nämlich, das sie verflucht wissen wollten, sei Gott besonders teuer. Er riet ihnen daher, sie möchten wieder nach Hause gehen und von der Feindschaft gegen die Israeliten absehen. Mit diesen Worten entließ er die Gesandten. Flavius Josephus, Jüdische Altertümer, Buch 4, Kapitel 6:2

Hätte Bileam nicht seine Bereitschaft geäußert, mit den Männern zu ziehen, hätte Balak sich möglicherweise nicht noch einmal mit seiner Bitte an ihn gewandt. Balak verstärkt seine Wirkung auf Bileam, indem er weitere angesehene Männer aus Moab mit noch mehr Reichtümern aussandte, um den habgierigen Propheten zu ködern. In dieser Geschichte spüren wir förmlich, wie ein Mann mit seinem Gewissen ringt. Er wusste, dass Gott eindeutig gesagt hatte, er solle die Israeliten nicht verfluchen. Aber als Sohn des Peor, was „brennend“ bedeutet, brannte Bileam vor Verlangen nach Reichtum und Ansehen.

Bileam antwortete und sprach zu den Knechten Balaks: Selbst wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch den Befehl des HERRN, meines Gottes, nicht übertreten, um etwas Kleines oder Großes zu tun! Und nun, bleibt doch auch ihr noch hier über Nacht, damit ich erfahre, was der HERR weiter mit mir reden wird! (4.Mose 22,18.19 Schlachter)

Bileam spricht nicht als Repräsentant Gottes, sondern als einer, der keine Macht hat, sich Ihm zu widersetzen. Er kennt die Antwort auf diese Frage bereits, aber er tut alles, was er kann, um die Tür offen zu halten, falls Gott seine Meinung doch noch ändert.

Der Herr hätte Bileam wieder mit Nein antworten können, aber das hätte das wahre Ausmaß seiner Habgier verdeckt. Gott befiehlt Bileam, genau das zu tun, was er wollte.

Da kam Gott in der Nacht zu Bileam und sprach zu ihm: Wenn die Männer gekommen sind, um dich zu rufen, so mache dich auf und geh mit ihnen; doch nur das, was Ich dir sagen werde, nur das darfst du tun! (4.Mose 22,20 Schlachter)

Nachdem wir gelernt haben, was die Bibel mit Gottes Zorn meint, können wir sicher sein, dass Gott nicht wollte, dass er geht, sondern dass Er Bileam gab, was dieser wollte.

Aber der Zorn Gottes entbrannte darüber, dass er ging. Und der Engel des HERRN trat ihm als Widersacher [Satan] in den Weg. Er aber ritt auf seiner Eselin, und seine beiden Burschen waren bei ihm. (4.Mose 22,22 Schlachter)

Zu glauben, dass Gott Bileam gehen lässt, nur, um dann zornig darüber zu werden, lässt Gott als wankelmütig wie die Menschen erscheinen, aber wenn wir die Bibel definieren lassen, was Gottes Zorn ist, können wir den scheinbaren Widerspruch auflösen. Der Herr lässt Bileam gehen, damit ihm seine Sünde noch stärker bewusst wird. Aber Bileam glaubt, dass es Gottes Wille ist, dass er geht, weil das mit seinem bösen Wunsch in Einklang steht. Daher konnte jeder Versuch Gottes, Bileam aufzuhalten, als Versuch Satans gedeutet werden, ihn aufzuhalten.

Der Ausdruck Engel des HERRN bezieht sich oft auf Christus (siehe 2. Mose 3,2; 3,14; 23,20; 32,34). Christus wollte Bileam aus Liebe zu ihm retten. Der treue Esel, der Bileam viele Jahre gedient hatte, verhält sich plötzlich unberechenbar. Bileam hätte erkennen müssen, was vor sich ging, aber seine Habgier machte ihn blind für die Realität. Er schlug den Esel ohne Erbarmen. Gott gibt dem Esel die Fähigkeit zu sprechen, doch in seiner Wut scheint Bileam dieses Wunder gar nicht zu bemerken.

Da gab der HERR der Eselin die Fähigkeit zu sprechen und sie sagte zu Bileam: »Du hast mich nun dreimal geschlagen. Was habe ich dir denn getan?« »Zum Narren hältst du mich!«, schrie Bileam. »Wenn ich ein Schwert hätte, wäre es schon längst um dich geschehen.« (4.Mose 22,28.29 GN)

Bileams Grausamkeit und sein Wunsch, seinen treuen Esel zu töten, werden von Christus exakt widergespiegelt, als Er zu Bileam sagt:

»Deine Eselin hat Mich gesehen und ist Mir dreimal ausgewichen. Hätte sie es nicht getan, dann hätte Ich dich mit dem Schwert getötet und sie am Leben gelassen.« (4.Mose 22,33 HFA)

Hier ist es wichtig für uns zu erkennen, wie der Spiegel funktioniert. Christus kann nicht einerseits zu Petrus sagen: „Stecke dein Schwert weg“ und andererseits zu Bileam: „Ich hätte dich mit dem Schwert getötet.“ Christus spricht Bileams eigene Gedanken aus, um ihn zur Buße zu ermutigen. Gott kann Bileam nicht vergeben, solange er seine Sünde nicht bekennt und Buße tut, indem er nach Hause zurückkehrt. Christus sprach die Worte: „hätte Ich dich getötet“, weil Bileam dachte, dass Gott ihm das antun wolle, denn es war ihm bewusst, dass das, was er tat, falsch war. Er manifestierte seine inneren Gedanken, indem er den Esel schlug und ihn töten wollte.

Wir müssen die Geschichte widerspruchsfrei betrachten. Wenn wir glauben, dass Jesus Bileam tatsächlich getötet hätte, dann sind die Worte Jesu an Pilatus falsch, als Er sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt, sonst würden Meine Diener kämpfen“ (Johannes 18,36). Als die Jünger zu Jesus sagten, dass sie zwei Schwerter hätten, weil sie dachten, Jesus wolle damit kämpfen, sagte Jesus: „Es ist genug!“ (Lukas 22,38). Zu meinen, dass zwei Schwerter genug seien, ist töricht, wie wir bereits festgestellt haben, weil zwei Schwerter nicht genug sind, um mit einer Gruppe römischer Soldaten fertig zu werden. Christus wollte Bileam nicht töten, sondern ihm ein Spiegelbild dessen vorhalten, was Bileam eigentlich dachte. Und warum? Um ihn zur Buße zu führen. So funktioniert das Evangelium. Bileam war nahe daran, Buße zu tun, aber er tat es nicht.

»Ich habe unrecht getan«, sagte Bileam. »Ich habe nicht gewusst, dass Du Dich mir in den Weg gestellt hattest. Ich werde sofort umkehren, wenn Du mit dieser Reise nicht einverstanden bist.« (4.Mose 22,34 GN)

Bileam bekannte seine Sünde, klammerte sich aber an die Hoffnung, doch noch gehen zu dürfen, indem er sagte, er würde umkehren, WENN Christus mit seiner Reise nicht einverstanden sei. Bileam ignoriert alle Hinweise, die Christus ihm gab:

Der Engel des HERRN sprach: »Warum hast du deine Eselin dreimal geschlagen? Ich war es, der sich dir entgegengestellt hat, weil du auf einem verkehrten Weg bist.« (4.Mose 22,32 HFA)

Wie kann Bileam das Wort WENN anführen, wo Christus ihm doch deutlich gesagt hatte: „Ich war es, der sich dir entgegengestellt hat, weil du auf einem verkehrten Weg bist.“ (gemäß der englischen NLT: „… weil du dich Mir hartnäckig widersetzt!"). Wie leicht macht doch die Sünde einen Menschen blind. Da Bileam an seinem Verlangen festhielt, lässt Christus ihn tun, was er wollte. Er fordert ihn auf, das zu tun, was Bileam möchte.

Bileam gab sein Bestes, um das Volk Israel zu verfluchen, wie Balak es wollte. Aber die einzige Inspiration, die zu Bileam kam, waren Worte des Segens. Gott konnte Bileam nicht dazu zwingen, etwas zu sagen, was er nicht sagen wollte. Gottes Geist arbeitete an Bileam, und in gewisser Weise wurde er immer noch von Ihm beeinflusst.

Das frustrierte Balak gewaltig. Er versuchte viermal, Bileam dazu zu bringen, Israel zu verfluchen. Warum verwendet Gott drei ganze Kapitel, um dieses Ereignis zu beschreiben? Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, die wir durch die letzten Ereignisse der Weltgeschichte gehen werden.

Könnte es sein, dass, wenn Gottes Volk an der Grenze zum himmlischen Kanaan steht, ein Typus von Bileam auftritt, der weiß, wie man einen Riss in die Verteidigung der Israeliten schlagen kann? Obwohl er selbst die Israeliten nicht verfluchen kann, schlägt er listig vor, moabitische Frauen zu schicken, um Israel zum Abfall zu verführen. Darüber werden wir im nächsten Kapitel sprechen.

Wenn der vierte Engel aus Offenbarung 18 die Erde mit seiner Herrlichkeit erleuchtet, werden die Königreiche dieser Welt in Angst und Schrecken versetzt. Sie werden nach einer Person, einer Gruppe oder einer Organisation suchen, die Gott einst treu war, aber durch ihr Streben nach Macht und Ansehen verdorben wurde. Dieser Organisation wird es nicht gelingen, das Werk des vierten Engels aufzuhalten, aber da sie einige Prinzipien des Reiches Gottes kennt, wird sie den Königen der Welt einen Weg zeigen, einen Riss in die Verteidigung von Gottes Volk zu verursachen und dadurch einen Teil von ihnen in den Tod schicken.

Lasst uns aus der Geschichte lernen. Wir sollten uns dessen bewusst sein, was auf uns zukommen könnte. Wir selbst haben das Potenzial in uns, wie Bileam zu sein. Das Geheimnis, rein und treu zu bleiben, besteht darin, nicht den Wein Babylons zu trinken und ihrem Gott nicht zu dienen. Eine ausführliche Beschreibung, wie man diesem Prozess entgehen kann, findest du in dem Buch Die Flucht aus dem Pentagon der Lügen, das du unter vaterderliebe.de herunterladen kannst.

 

 

Wir werden die weiteren Kapitel dieses Buches nach und nach veröffentlichen, sobald sie fertig übersetzt sind. Alle Kapitel findest du hier.

Das englische Original: Mirror Principle

Anmerkung: 

Der Autor Adrian Ebens hat in seinem neuen Buch „Das Spiegelprinzip“ (Mirror Principle) vorwiegend die englische Bibelübersetzung „New Living Translation“ benutzt. Um dem in unserer deutschen Übersetzung zu entsprechen, haben wir vorwiegend aus den deutschen Bibelübersetzungen „Hoffnung für Alle“ und aus der „Gute Nachricht Bibel 2018“ zitiert, und auch einige andere Bibelübersetzungen benutzt. Die jeweils benutzte Version ist immer hinter der Bibelvers-Angabe angeführt.

Abkürzungen:

HFA – Hoffnung für Alle

GN – Gute Nachricht Bibel 2018

Schlachter – Schlachter 2000