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Das Spiegelprinzip - Kapitel 29 - Die Todesstrafe

veröffentlicht Dez 19, 2023 von Adrian Ebens in Der Charakter Gottes
Übersetzt von Franziska Bunkus, editiert von Jutta Deichsel
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Kapitel 29 - Die Todesstrafe

Als Israel das Rote Meer durchquert hatte, priesen sie Gott als einen tötenden Krieger. Als Israel durstig war, wollten sie Mose zu Tode steinigen. Als Israel die Amalekiter besiegte, taten sie anderen das an, was sie dachten, dass Gott den Ägyptern angetan hatte. Als Gott Israel bat, auf Seine Stimme zu hören, sagte Er zu ihnen: „Du wirst nicht töten“; doch sie baten Mose: „Gott soll nicht mit uns reden.“ Als Israel sagte: „Alles, was der Herr gesagt hat, das wollen wir tun“, meinten sie damit, dass sie die Verheißungen Gottes selbst erfüllen wollten, wobei sie in Wirklichkeit offenbarten, dass sie im Geist von Hagar und dem Alten Bund waren.

Ihre Weigerung zu hören stellte Gott vor die traurige Aufgabe, Gesetze zu erlassen, die ihr eigenes Denken widerspiegeln. Wenn wir in das Angesicht Jesu Christi schauen, finden wir kein Töten in Ihm. Wenn wir auf die Worte der Zehn Gebote hören, dann wurde uns verheißen, dass wir nicht töten werden.

Jede Strafe in der Bibel, die Tod beinhaltet, ist eine Reflexion des menschlichen Denkens und nicht der Gedanken Gottes. Christus ist das Leben selbst (1.Johannes 1,1-3). Er hat mit dem Tod nichts zu tun. Der Tod ist die Herrschaft Satans (Hebräer 2,14). Deshalb bewirken alle Todesstrafen, dass das Maß der Sünde im Menschen überfließend wird. Sie erlauben, dass Gottes Gebote durchgesetzt werden, indem sie die menschliche Denkweise benutzen. Sie sollen das Gefühl befriedigen, das der Mensch für sein Gerechtigkeitsempfinden braucht. Wie wir im vorigen Kapitel festgestellt haben, gab Gott Israel Gesetze, die nicht gut waren.

Ich erhob jedoch Meine Hand zum Schwur und sagte: ›Ich werde euch unter die Völker zerstreuen und in fremde Länder vertreiben. Denn ihr habt nicht nach Meinen Ordnungen gelebt, ihr habt Meine Gebote missachtet und den Sabbat entweiht. Statt Mir zu gehorchen, habt ihr die Götzen angebetet, hinter denen schon eure Vorfahren her waren.‹ Und so überließ Ich ihnen Gebote, die nicht gut waren, und Ordnungen, die kein Leben bringen. (Hesekiel 20,23-25 HFA)

Gebote, die ein Todesurteil enthalten, bringen dir kein Leben. So finden wir in den Büchern Mose immer wieder die Worte: „… soll unbedingt sterben“ oder „… soll unbedingt getötet werden“.

Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll unbedingt sterben. (2.Mose 21,12 Schlachter)

Wer seinen Vater oder seine Mutter schlägt, der soll unbedingt sterben. (2.Mose 21,15 Schlachter)

Wer einen Menschen raubt, … der soll unbedingt sterben. (2.Mose 21,16 Schlachter)

Wer anderen Göttern opfert außer dem HERRN, muss aus Israel ausgerottet werden. (2.Mose 22,19 GN)

Und deshalb sollt ihr den Sabbat halten, weil er euch heilig ist. Wer ihn entheiligt, der soll unbedingt sterben; … (2.Mose 31,14 Schlachter)

Wer von den Kindern Israels … eines von seinen Kindern dem Moloch gibt, der soll unbedingt getötet werden; … (3.Mose 20,2 Schlachter)

Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll unbedingt getötet werden; … (3.Mose 20,9 Schlachter)

Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn er Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide, der Ehebrecher und die Ehebrecherin, unbedingt getötet werden. (3.Mose 20,10 Schlachter)

Wenn ein Mann bei der Frau seines Vaters liegt, so hat er die Scham seines Vaters entblößt; sie sollen beide unbedingt getötet werden; ihr Blut sei auf ihnen. (3.Mose 20,11 Schlachter)

Wenn ein Mann bei seiner Schwiegertochter liegt, so sollen sie beide unbedingt getötet werden; sie haben eine schändliche Befleckung verübt; ihr Blut sei auf ihnen! (3.Mose 20,12 Schlachter)

Wenn ein Mann bei einem Mann liegt, als würde er bei einer Frau liegen, so haben sie beide einen Gräuel begangen, und sie sollen unbedingt getötet werden; ihr Blut sei auf ihnen! (3.Mose 20,13 Schlachter)

Wenn ein Mann bei einem Tier liegt, so soll er unbedingt getötet werden, und das Tier soll man umbringen. (3.Mose 20,15 Schlachter)

Wenn eine Frau sich irgendeinem Tier naht, um sich mit ihm einzulassen, so sollst du die Frau töten und das Tier auch; sie sollen unbedingt getötet werden; ihr Blut sei auf ihnen! (3.Mose 20,16 Schlachter)

Wenn in einem Mann oder einer Frau ein Geisterbefrager- oder Wahrsagergeist ist, so sollen sie unbedingt getötet werden. Man soll sie steinigen, ihr Blut sei auf ihnen! (3.Mose 20,27 Schlachter)

Wer den Namen des HERRN lästert, der soll unbedingt getötet werden! Die ganze Gemeinde soll ihn unbedingt steinigen, sei es ein Fremdling oder ein Einheimischer; wenn er den Namen lästert, so soll er sterben! (3.Mose 24,16 Schlachter)

Wenn jemand einen Menschen erschlägt, so muss er unbedingt getötet werden. (3.Mose 24,17 Schlachter)

Gott gab den Israeliten Gesetze gemäß ihrer eigenen Denkweise. Ganz Israel wuchs in Ägypten auf. Ehebruch zum Beispiel wurde in Ägypten mit dem Tod bestraft.

Obwohl es keine offizielle Bestrafung für Ehebruch gab, wurden diejenigen, die Ehebruch begingen, mit der Todesstrafe durch Verbrennen, Verstümmelung, Steinigung und Auspeitschen bestraft. Diese Strafen wurden angewandt, um die Moral und die Werte der Gesellschaft zu bewahren und deren Ausbreitung zu verhindern.[1]

Wer einen der ägyptischen Götter lästerte, musste gesteinigt werden.

Da rief der Pharao Mose und Aaron zu sich und sprach: Geht hin, opfert eurem Gott in diesem Land!

Mose sprach: Das schickt sich nicht, dass wir so etwas tun; denn wir würden dem HERRN, unserem Gott, opfern, was den Ägyptern ein Gräuel ist! Siehe, wenn wir dann vor den Augen der Ägypter opferten, was ihnen ein Gräuel ist, würden sie uns nicht steinigen? (2.Mose 8,21.22 Schlachter)

Gott gab Israel mehr von dem, was ihnen vertraut war. Sie weigerten sich, auf Gottes Stimme zu hören, und so gab Gott ihnen Gesetze, die ihnen kein Leben brachten. Heutzutage ist allgemein bekannt, dass Todesstrafen nicht vor Verbrechen abschrecken.[2] Todesstrafen bewirken Angst vor Strafe, und Angst vor Strafe bewirkt niemals Liebe, was bedeutet, dass Todesstrafen nicht Teil von Gottes Charakter sind, weil Gott Liebe ist.

Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe. (1.Johannes 4,18 Schlachter)

Wir sehen, wie Jesus die Todesstrafen aus dem mosaischen Gesetz handhabt, als eine Frau zu Ihm gebracht wird, die beim Ehebruch ertappt wurde.

Sie sprachen zu Ihm: Meister, diese Frau ist während der Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Im Gesetz aber hat uns Mose geboten, dass solche gesteinigt werden sollen. Was sagst nun Du? Das sagten sie aber, um Ihn zu versuchen, damit sie Ihn anklagen könnten. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

Als sie nun fortfuhren, Ihn zu fragen, richtete Er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie! Und Er bückte sich wiederum nieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie — von ihrem Gewissen überführt — einer nach dem anderen hinaus, angefangen von den Ältesten bis zu den Geringsten; und Jesus wurde allein gelassen, und die Frau, die in der Mitte stand.

Da richtete sich Jesus auf, und da Er niemand sah als die Frau, sprach Er zu ihr: Frau, wo sind jene, deine Ankläger? Hat dich niemand verurteilt?

Sie sprach: Niemand, Herr!

Jesus sprach zu ihr: So verurteile Ich dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr! (Johannes 8,4-11 Schlachter)

Jesus ist der Gesetzgeber. Er forderte nicht, das die Frau gesteinigt werden müsse. Er war der Einzige in der Volksmenge, der nicht gesündigt hatte. Wenn Jesus an die Todesstrafe glaubte, dann hätte Er die Frau steinigen müssen. Aber Er tat es nicht. Jesus gab der Frau Seinen Geist, um ihr die Kraft zu geben, nicht mehr die Ehe zu brechen. Er konnte das tun, weil sie auf Seine Stimme hörte.

Das Spiegelprinzip offenbart, dass alle Todesstrafen in der Bibel eine Widerspiegelung der Gedanken der Menschen sind. Gott gab ihnen Gesetze nach ihrem eigenen Herzen, um zu erlauben, dass sich ihr böser Charakter weiter entfalten konnte. Die harten Lektionen des Lebens, die aus der Weiterentwicklung des Bösen entstehen, machen es zu einem Schulmeister, der die Menschen zu Christus führt. Wir können sehen, wie die Todesstrafe im Gesetz Moses dazu führte, dass die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde, zu Christus geführt wurde. Genau das wollte Gott durch das Verständnis des Gesetzes im Alten Bund erreichen. Die Todesstrafe bewirkte, dass das Maß der Sünde überfließend wurde und brachte sie zum Gesetzgeber. Dort werden Gnade und Barmherzigkeit frei angeboten und die Vergebung sichergestellt, was wiederum Dankbarkeit gegenüber unserem Vater im Himmel hervorruft.

Würde die Todesstrafe im mosaischen Gesetz abgeschafft, würde man den Spiegel zerbrechen, der dem Menschen seine harte, böse Art zeigt, mit Gesetzesbrechern umzugehen. Wir wagen es nicht, dieses Diagnose-Werkzeug zu entfernen. Gesetzesübertretungen führen unweigerlich zum Tod. Aber wir schauen in die Augen Jesu und finden Liebe, Barmherzigkeit, Vergebung und die Kraft, das Böse zu überwinden. Er wird das Problem nicht lösen, indem Er uns tötet, sondern indem Er uns mit dem Gesetz in Übereinstimmung bringt.

Die Gesetze des Mose wären nie nötig gewesen, wenn Israel auf die Stimme Gottes gehört hätte. Josephus berichtet interessanterweise, dass es Israels Idee war, dass Gott ihnen weitere Anweisungen hinsichtlich der Worte geben sollte, die Er auf dem Berg Sinai sprach.

... An den folgenden Tagen kamen sie zu seinem (Moses) Zelt und baten ihn, ihnen noch andere Gesetze von Gott zu bringen. Dementsprechend setzte er solche Gesetze fest und teilte ihnen anschließend mit, wie sie sich in allen Fällen verhalten sollten... Flavius Josephus´ Jüdische Altertümer, Buch 3, Kapitel 5:6.

Wenn Israel auf Gott gehört hätte, hätten sie all diese Gesetze mit den Todesstrafen nicht gebraucht. Alles, was sie gebraucht hätten, wäre, um Vergebung zu bitten und den Geist Gottes zu empfangen, damit sie aufhören konnten, Böses zu tun.

Was die Todesstrafen anbelangt, so zeigt uns das Spiegelprinzip einmal mehr, dass solche Gesetze ein Spiegelbild der Menschen sind. Das Werkzeug der zwei Bündnisse zeigt uns, dass Gott solche spiegelnden Gesetze benutzt, um die Menschen zu Christus zu bringen und Vergebung zu empfangen.

Ich bete, lieber Leser, dass du unseren Vater in einem ganz anderen Licht sehen kannst als bisher. Todesstrafen sind gleichbedeutend mit Finsternis. In Gott gibt es gar keine Finsternis. Lass das Licht Jesu in die Dunkelheit dieser Gesetze leuchten, die nicht gut sind, damit wir die Worte hören: „So verurteile Ich dich auch nicht. Empfange Meinen Geist und sündige hinfort nicht mehr!“

 

 

Wir werden die weiteren Kapitel dieses Buches nach und nach veröffentlichen, sobald sie fertig übersetzt sind. Alle Kapitel findest du hier.

Das englische Original: Mirror Principle

Anmerkung: 

Der Autor Adrian Ebens hat in seinem neuen Buch „Das Spiegelprinzip“ (Mirror Principle) vorwiegend die englische Bibelübersetzung „New Living Translation“ benutzt. Um dem in unserer deutschen Übersetzung zu entsprechen, haben wir vorwiegend aus den deutschen Bibelübersetzungen „Hoffnung für Alle“ und aus der „Gute Nachricht Bibel 2018“ zitiert, und auch einige andere Bibelübersetzungen benutzt. Die jeweils benutzte Version ist immer hinter der Bibelvers-Angabe angeführt.

Abkürzungen:

HFA – Hoffnung für Alle

GN – Gute Nachricht Bibel 2018

Schlachter – Schlachter 2000


[1] https://pcweb.info/adultery-in-ancient-egypt-and-india

[2] https://www.amnesty.org/en/wp-content/uploads/2021/06/act500062008en.pdf