Die Rückkehr des Elia - Kapitel 34 - Die Autoritäts-Strukturen von Saat und Pflege

veröffentlicht Jun 21, 2019 von Adrian Ebens in Die Rückkehr des Elia Treffer: 138
Übersetzt von F. Bunkus, S. Kronke, J. Deichsel

Das deutsche Übersetzerteam ist dabei, das Buch "The Return of Elijah" - Die Rückkehr des Elia von Bruder Adrian Ebens zu übersetzen. Dies wird ein längerer Prozess sein, deshalb werden wir die einzelnen Kapitel als Artikel veröffentlichen, bis das ganze Buch fertig ist. Seid gesegnet beim Lesen!

Der Hauptteil dieses Buches wurde von Bruder Adrian Ebens in nur zwei Wochen im Juli 2007 geschrieben. Wir veröffentlichen es hier unverändert, obwohl mittlerweile einige neue Erkenntnisse dazugekommen sind.

 

34. Die Autoritäts-Strukturen von Saat und Pflege

A. Autoritätsstrukturen kommen paarweise

In Kapitel 31 haben wir festgestellt, dass die Menschheit nicht nur als Individuum, sondern auch in der Beziehung nach dem Bild Gottes geschaffen wurde. Wir haben die folgenden Parallelen dieses Bildes bemerkt.

Vater und Sohn

Adam und Eva

Der Sohn geht aus dem Vater hervor (Johannes 8,42; Sprüche 8,22-30).

Eva geht aus Adam hervor (1.Mose 2,21-23).

Christus war das Abbild des Vaters und erbte alles, was Er besaß, von Ihm. Ein Mitarbeiter, der die Absichten des Vaters zu schätzen wusste (Hebräer 1,2-4).

Eva war eine Gehilfin und Gefährtin für Adam, die mit ihm vergleichbar war. Alles, was sie hatte, hatte sie von Adam geerbt. Sie wurde aus seinem Rippenknochen gemacht und nicht aus der Erde. (1.Mose 2,20-24).

Der Vater ist das Haupt von Christus. (1.Korinther 11,3).

Der Mann ist das Haupt der Frau (1.Korinther 11,3).

Christus erhielt den Namen des Vaters (Hebräer 1,4).

Eva erhielt Adams Namen (1.Mose 5,2).

Christus ist dem Vater gleich durch die Beziehung (Johannes 5,18; Philipper 2,6).

Eva war Adam gleich durch die Beziehung. Sie waren ein Fleisch (1.Mose 2,24).

Der Vater schuf alle Dinge durch Christus. Die Lebensquelle des Vaters wurde durch Christus hindurch geleitet (genährt), und von Christus kam das ganze Universum (1.Korinther 8,6; Kolosser 1,17; Epheser 3,9).

Adams Same (Leben) wurde von Eva genährt und von Eva kam die gesamte Menschheit (1.Mose 4,1; 5,3).

In Kapitel 31 haben wir die mit der männlichen Führung verbundenen Führungskonzepte und die daraus resultierende Autoritätsstruktur betrachtet, die sich dadurch für die Familie ergibt. In Kapitel 33 haben wir untersucht, wie diese Autoritätsstrukturen die Gemeinde und die Gesellschaft durchziehen.

Wie bereits erwähnt hat unsere Sicht der Beziehung zwischen Vater und Sohn eine direkte Auswirkung auf die menschlichen Beziehungen, sowohl in Bezug auf Gleichheitskonzepte als auch auf Autoritätskonzepte. Wenn Gleichheit auf einem leistungsorientierten Verständnis basiert, wird die Natur des Vaters und des Sohnes sowie die Beziehung zwischen Mann und Frau so verändert, dass Rollen potenziell austauschbar sind und Identität nicht mehr den Begriffen Vater und Sohn oder Ehemann und Ehefrau zugeordnet werden kann. Die Begriffe sind nur funktional und nicht länger Ausdruck der Kernidentität.

Wenn wir die direkten Autoritätsbereiche des Christenlebens betrachten, ist es offensichtlich, dass Gott Autorität besitzt, wie es in den ersten vier Geboten zum Ausdruck kommt, und dass unsere Eltern Autorität besitzen, wie es im fünften Gebot zum Ausdruck kommt. Gottes Autorität spiegelt sich direkt in der Herrschaft von beiden, Vater und Sohn, wider. Die elterliche Autorität spiegelt sich in der Führerschaft von beiden, Ehemann und Ehefrau, wider. Wenn wir die Autorität der Selbstoffenbarung Gottes betrachten, sehen wir, dass sie auch einem zweiteiligen Muster folgt, nämlich der Bibel und dem Geist der Weissagung. In jeder Autoritätsstruktur gibt es eine Autorität der Quelle und eine Autorität der Pflege oder des Nährens. Wir könnten dies wie folgt zusammenfassen:

Same/Quelle

Vater

Ehemann

Bibel

Pflege, Nähren

Sohn

Ehefrau

Geist der Weissagung

Ein oberflächliches Denken könnte zu dem obigen Diagramm bemerken, dass Christus in der Schrift als der Same bezeichnet wird, indem man entsprechende Texte zitiert. Es ist in der Tat wahr, dass Christus der Same in Bezug auf die Schöpfung ist, aber dieser Same wurde Ihm von Seinem Vater gegeben, er kommt durch den Segenskanal. Der Schwerpunkt des Samens hier ist der Ursprungspunkt, und der liegt immer beim Vater.

 

B. Die Saat-/Nähr-Beziehung zwischen der Bibel und dem Geist der Weissagung

Es muss eingeräumt werden, dass eine Verschiebung in der Beziehung zwischen Vater und Sohn von Beziehungsgleichheit hin zu einer machtbasierten Gleichheit einen direkten Einfluss auf die Gleichstellung von Ehemann/Ehefrau und ebenso auf die Gleichstellung und Autorität der Bibel und dem Geist der Weissagung hat.

In den letzten 30 Jahren gab es eine zunehmende Besorgnis darüber, wie der Glaube der Siebenten-Tags-Adventisten an den Geist der Weissagung ausgedrückt werden kann. Diese Besorgnis wurde in der Bibelkonferenz von 1919 mit berechtigten Fragen aufgeworfen, wie wir die Bibel mit dem Geist der Weissagung in Beziehung setzen sollten. Erst in den 70er Jahren, als das Protokoll für diese Konferenz gefunden wurde, begann das „Adventist Consciousness“ sich erneut ernsthaft mit dieser Frage zu beschäftigen.

Es ist meine Beobachtung, dass die Verschiebung der Gleichheit zwischen Vater und Sohn (mit der Einführung einer auf Macht basierenden Gleichheit der Gottheit) unsere Sicht auf die Beziehung zwischen der Bibel und dem Geist der Weissagung direkt beeinflusst hat.

 

C. Die Verschiebung zur Dreieinigkeit wirkt sich auf die Autorität des Geistes der Weissagung aus

Mit der starken Bindung zum Geist der Weissagung von 1930 bis 1960 war es unvermeidlich, dass es der Gemeinde schwer fiel, den Geist der Weissagung nicht auf die gleiche Autoritätsebene zu setzen wie die Bibel, auch wenn man dies in der Theorie ablehnte. Wenn wir Christus in dieselbe Macht- und Quellenposition wie den Vater erheben, ist das natürliche Ergebnis eine Erhöhung des Geistes der Weissagung auf dieselbe Macht- und Quellenposition wie die der Bibel. Die Folgen sind offensichtlich, denn es war in dieser Zeit allgemein üblich, die Lehre direkt aus dem Geist der Weissagung herzuleiten.

Dieses Dilemma offenbarte sich in den frühen achtziger Jahren am schmerzlichsten, als Bill Johnson in der John-Ankerberg-Show von Walter Martin befragt wurde, wie Adventisten den Geist der Weissagung sahen. Dr. Johnson gab sein Bestes, Antworten zu geben, aber Martin zog einige Zitate von adventistischen Leitern heraus, die deutlich zeigten, dass der Geist der Weissagung in ihren Augen tatsächlich gleichbedeutend mit der Bibel war. Walter Martin hat diesen Denkfehler korrekt aufgedeckt, aber die daraus folgende Alternative, die sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln würde, war genauso falsch.

Natürlich muss anerkannt werden, wenn der Adventismus gemäß den protestantischen Grundsätzen der Bibel und der Bibel allein treu bleiben wollte und Ellen Whites Mahnung unterstützen würde, dass wir für unsere Lehrpunkte zur Bibel gehen sollten, dass dann der Geist der Weissagung letztendlich aus seiner falschen Position der Gleichrangigkeit mit der Bibel verschoben werden müsste.

Leider besteht die einzige Möglichkeit, den Geist der Weissagung aus einer Position der Gleichrangigkeit zu entfernen, ohne vorher eine Verschiebung in dem Konzept der Gleichrangigkeit zwischen Vater und Sohn vorzunehmen, nur noch darin, ihn faktisch wirkungslos zu machen. Das aufkommende Mantra des „geringeren Lichts“ und das stärkere Augenmerk auf Ellen Whites Menschlichkeit, ihr Entlehnen von literarischen Quellen sowie Konzepte von „Entwicklung des Verständnisses“ und der wachsende Unmut über den Einsatz von EGW in Predigten und Vorträgen zeugen von der Veränderung, die Ellen Whites Schriften durchlaufen haben in die Richtung, dass sie „faktisch wirkungslos“ werden. Jeder Student der Adventgeschichte wird wissen, wie sehr Satan den Geist der Weissagung hasst und wie oft er versuchte, Ellen White umzubringen und ihre Arbeit zu verhindern. Es scheint, dass der Teufel schließlich mit einer Taktik erfolgreich war, den Geist der Weissagung zunächst in eine falsche Position zu erheben und dann diesen Widerspruch in das Blickfeld der Kritik zu rücken, zunächst durch Evangelikale, später innerhalb der Gemeinde, und schließlich durch eine gedämpfte oder zerstörte Autorität in dem Geist der Weissagung. Eine brillante Taktik, die in direktem Zusammenhang mit falschen Konzepten von Gleichheit steht, die ihre Inspiration in der Dreieinigkeit finden.

Ich habe jahrelang damit zu kämpfen gehabt, um herauszufinden, wie ich den Geist der Weissagung mit der Bibel in Beziehung bringen kann. Ich wusste, dass der Geist der Weissagung nicht die Quelle der Lehre war, und doch wusste ich, dass das Vernachlässigen ihrer Schriften das Vernachlässigen von kostbarem Licht wäre. Ich habe lange darum gerungen zu verstehen, wie man den Geist der Weissagung mit der Bibel verbindet und trotzdem das protestantische Prinzip von Sola Scriptura aufrechterhält. Ein kleineres Licht ist immer noch Licht und Licht sollte man folgen und gehorchen. Es handelt sich nicht nur um gute Ratschläge, sondern es hat mit unserer Erlösung zu tun. Ich erkenne jetzt, dass während mein Verständnis von Gleichheit durch die Dreieinigkeit getrübt war, es unmöglich war, diese beiden Autoritäten in der richtigen Spannung zu halten. Entweder würde ich ein „Ellen White Anbeter“ werden, wie Walter Martin F. D. Nichol genannt hat, oder ich würde heuchlerisch die Tugenden ihrer Schriften anerkennen, während ich alles, was mit persönlich nicht passt in dem, was sie geschrieben hat, missachten würde. Sobald die richtigen Autoritätsstrukturen eingerichtet sind, ist das Dilemma gelöst. Der Geist der Weissagung ist ein Nährer des Samens. Er ermöglicht uns zu „gedeihen“ und uns zu entwickeln. Er korrigiert falsche Weltanschauungen und Hypothesen und ermöglicht es uns, die Bibel in ein richtiges Licht zu stellen. So wie ein Sohn oder eine Tochter den Anweisungen ihrer Mutter gehorchen und die Mutter sich der Führung und Autorität ihres Hauptes - ihrem Ehemann – unterordnet, so sollten wir uns auch der Autorität des Geistes der Weissagung unterordnen, so wie er sich der Leitung und dem Samen der Bibel unterwirft. Das Konzept ist einfach, die Wirkung tiefgreifend, das Ergebnis lebensverändernd.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass, genau wie der Geist der Weissagung durch eine falsche Erhöhung wirkungslos gemacht wird, auch die Person Christi durch eine falsche Erhöhung wirkungslos gemacht wird. Diese falsche Emporhebung in einem Kontext von Machtgleichheit zerstört Christus als den Weg. Die Veränderung Seiner Beziehung zum Vater macht den Weg der Erlösung undeutlich. Ist es möglich, dass es Satan in seinen Bemühungen, „die Vorherrschaft Christi anzufechten“, leichter fiel, Ihn zuerst falsch zu erhöhen und Ihn dann wirkungslos zu machen? Erwägen wir diese Dinge gut, während wir überdenken, wie wir unsere Autoritätsstrukturen aufbauen sollten.