Die Rückkehr des Elia - Kapitel 4 - Abschnitt 2 - Leistungsbezogene Auswirkungen auf die Bibel

veröffentlicht Dez 13, 2018 von Adrian Ebens in Die Rückkehr des Elia Treffer: 33
Übersetzt von F. Bunkus, S. Kronke, J. Deichsel

Das deutsche Übersetzerteam ist dabei, das wertvolle Buch "The Return of Elijah" - Die Rückkehr des Elia von Bruder Adrian Ebens zu übersetzen. Dies wird ein längerer Prozess sein, deshalb werden wir die einzelnen Kapitel als Artikel veröffentlichen, bis das ganze Buch fertig ist. Seid gesegnet beim Lesen!

Der Hauptteil dieses Buches wurde von Bruder Adrian Ebens in nur zwei Wochen im Juli 2007 geschrieben. Wir veröffentlichen es hier unverändert, obwohl mittlerweile einige neue Erkenntnisse dazugekommen sind.

 

Abschnitt 2 - Leistungsbezogene Auswirkungen auf die Bibel

Kapitel 4. Die Verirrung der Selbst-Zentriertheit

A. Die Auswirkungen der Trennung von Gott

In Kapitel eins erörterten wir die Philosophie, die Adam und Eva annahmen, als sie von jenem Baum aßen, und in Kapitel zwei ging es um die tragische Mischung von Emotionen, die Satan dazu brachten, das Konzept auszubrüten, dass wir ohne Gott leben und uns selbst eine Identität durch das erschaffen können, was wir leisten und erreichen. Schon während die Magensäfte von Adam und Eva die Frucht verdauten, wurde ihr Geist langsam von einer unerträglichen Wolke aus Wertlosigkeit und Schuld umhüllt und legte die liebevolle, glückliche und freudige Beziehung zwischen Gott und dem Menschen still. Der Fluch der Lüge der Schlange hatte sein heimtückisches Werk begonnen und innerhalb kürzester Zeit wurden Adam und Eva von Schuld und Angst verschlungen. Genauso wie Satan und seine Engel hatten sie geistigen und emotionalen Selbstmord begangen. Sie hatten ihre Identität und ihren Wert verloren und sie konnten nichts tun, um sie zurück zu gewinnen. Sie konnten sich selbst nicht wieder in die Gunst Gottes versetzen. Sie hatten die Beziehung gebrochen und nur Gott konnte sie wiederherstellen. Diese Tatsache ist offensichtlich, selbst wenn wir über unsere eigene Erfahrung nachdenken. Wenn jemand eine Beziehung mit uns verletzt, liegt die Macht, diese Beziehung wiederherzustellen, bei der unschuldigen Partei. Die schuldige Partei hat ihren Anspruch auf die Beziehung verloren.

An dieser Stelle ist es wichtig, uns daran zu erinnern, was wir in Kapitel eins betrachtet haben. Gott ist die Quelle des Lebens, der Weisheit und der Freude. Adam und Eva haben sich jetzt selbst von dieser Quelle abgeschnitten, indem sie glaubten, dass sie all das in sich selbst hätten. Ihre Vernunft kann nicht mehr selbstlos oder objektiv eingesetzt werden. Ihr Denken ist in völliger Übereinstimmung mit Satan. Sie haben keine Möglichkeit mehr, die Lügen zu entlarven, die Satan ihnen erzählt. Satan beginnt sie mit falschen Theorien über Gottes Charakter zu erfüllen. Gleichzeitig erzählt er ihnen, dass sie schlecht seien. Er sagt ihnen, dass sie den Tod verdient hätten und dass sie wertlose Individuen sind. Satan ist immer noch darauf versessen, unseren Sinn für Identität zu zerstören und das tut er, indem er uns Lügen über Gott erzählt und Lügen über uns selbst. Solange wir diesen Lügen über Gott und über uns glauben, können wir nie mit Gott versöhnt werden.

Der Fremde hat die besten Freunde voneinander getrennt. Als Gott kommt und ihre Namen ruft, veranlasst die Stimme, die für sie einst die schönste im Universum war, sie nun dazu, sich in Angst und Verzweiflung zu verstecken. Satans Umprogrammierung hat ihr Werk verrichtet.

Stell dir vor, du kommst eines Tages von der Arbeit nach Hause und freust dich auf das glückliche Ritual, das du mit deinem Kind entwickelt hast. Jeden Abend rennt dein Kind dir von der Haustür entgegen, ruft „Papa, Papa!“ und wirft sich dann zärtlich in deine Arme. Als du zu Hause eintriffst, bemerkst du, dass dein geliebtes Kind nicht kommt, um dich zu begrüßen. Verwirrt trittst du durch die Eingangstür, hörst einen Schrei des Entsetzens und siehst kleine Füße, die schnell in den Garten laufen, um sich zu verstecken. Etwas hat die Beziehung zerbrochen. Wo vorher Liebe war, ist nun Angst. Kein wirklicher Vater freut sich, wenn seine Kinder beim Klang seiner Stimme die Flucht ergreifen. Das tut weh. Es ist eine Tragödie, dass die Sünde uns dazu bringt, Angst zu haben vor der liebevollsten, freigiebigsten, geduldigsten, freiheitsliebendsten Person des Universums!

Gott ist jetzt mit einem sehr ernsten Dilemma konfrontiert. Wie kann er Adam und Eva erreichen, jetzt, wo sie einer anderen Stimme Gehör geschenkt haben? Jedes Wort, das er jetzt äußert, wird in einem negativen Licht gesehen. Adam und Eva wissen, dass sie schuldig sind, aber nachdem sie falsche Vorstellungen über Gott, die Quelle des Lebens und aller Weisheit, angenommen haben, besitzen sie nun keine Sicherheit und keinen Wert mehr, um zu akzeptieren, dass sie Unrecht haben. Von einem Geist der Schuld und Unsicherheit kontrolliert sind sie trotzig geworden. Sie haben die Fähigkeit verloren, aufrichtig zu denken.

Ich staune über die Liebe, die Gott in Seiner Geduld offenbart. Gott ruft nach Adam: „Wo bist Du?“, nicht weil Er es nicht wusste, sondern um Adam die Gelegenheit zu geben, sich der Sache zu stellen. „Wo ist dein Verstand, Adam? Was ist mit deiner Identität passiert?“ Das Physische stellt immer das Geistliche dar, und das physische Verstecken von Adam und Eva offenbart klar das Verstecken, das in ihrem Denken vor sich geht. Sie haben sich in Täuschung und Betrug gekleidet, um der Wahrheit, die so erschreckend erscheint, nicht ins Gesicht schauen zu müssen. Gott versucht, ihnen zu helfen, das Problem herauszufinden, damit Er ihnen die segensreiche Lösung anbieten kann.

 

B. Das Gefängnis der Selbst-Zentriertheit

Adam reagiert auf die Frage, indem er antwortet, dass er sich fürchtet, weil er nackt ist. Dieses Bekenntnis ist interessant im Licht von 1. Mose 2, 25: „Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht“. Adam war nackt, bevor er die Frucht aß, aber er schämte sich nicht. Die Folge ist, dass Adam sich jetzt schämt. Das hebräische Wort (buwsh) bedeutet auch verwirrt, irritiert und enttäuscht. Adam war voll Verwirrung, Schuld und Enttäuschung. Er war irritiert darüber, wer er war, und er fühlte sich schuldig für das, was er getan hatte.

Gott versuchte nun, Seinen Finger auf den intensiven Schmerz Adams zu legen: „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du sollst nicht davon essen?“.

Gott hat Adam nicht gefragt: „Woher weißt du, dass du nackt bist?“. Er fragte ihn: „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?“ Gott versucht, Adam auf den Anstifter der Lügen hinzuweisen, die ihm erzählt wurden. Mit anderen Worten: „Was veranlasst dich, vor mir wegzulaufen? Wer ist zwischen dich und mich getreten?“.

Adam wird direkt angesprochen: „Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du sollst nicht davon essen?“.

Das ist eine ganz einfache Frage, die ein einfaches Ja oder Nein verlangt. Jetzt, wo Adams Gedanken Gott als selbstsüchtig und rachsüchtig einstufen und sich selbst als dumm und wertlos, zählt er in Gedanken zwei und zwei zusammen und erhält 64. Adam „weiß“, wenn er Ja sagt, wird er dran glauben müssen, und wenn er Nein sagt, ist er gleich zweimal dran, einmal für das Essen von dem Baum und einmal für seine Lüge. Weil er weiß, dass es keinen Ausweg gibt, zieht er seine Boxhandschuhe an und kommt aus seiner Ecke mit fliegenden Fäusten (wie jede unsichere Person es tut) und versucht, Gott ein paar Schläge zu verpassen. Wie man so schön sagt: „Wenn du schon untergehst, kannst du auch kämpfend untergehen“.

„Das WEIB, das DU mir zugesellt hast, SIE gab mir von dem Baum und ich aß,“ klagt er an.

Kannst du dir Evas Schock vorstellen über diesen Mann, der ihr noch kurz vorher versprochen hatte, mit ihr allem zu begegnen, was auch kommen mag, aber bei der ersten Hürde platt aufs Gesicht fällt? Sünde produziert keine Helden, die sich selbstlos hingeben, um anderen zu helfen und sie zu unterstützen. Sie führt immer zum Egoismus.

Wir wollen nicht verpassen, was hier vor sich geht. Adams Reaktionen werden hervorgerufen durch seine Schuld und seine Unsicherheit, verbunden mit einem falschen Bild von Gottes Charakter, alles vermischt mit einer großen Portion Überheblichkeit durch die Lüge der unabhängigen Lebensquelle. Hier ist die große Last der Sünde: Wie zeigt Gott Adam, dass er ein falsches Bild von seinem Vater hat, und dass er nicht dumm und wertlos ist? Gott ist die einzige Quelle von wahrer Weisheit und Adam hat sich von dieser Quelle getrennt. Und selbst wenn Adam vernünftig nachdenkt, wie kann sein Denken von seinem neuen, leistungsbasiertem Wertesystem befreit werden, das alles heftig ablehnt, was der Wahrheit nahe kommt? Adam kann nicht damit umgehen, dass Gott ihm sagt, dass er im Unrecht ist, auch wenn es aus Liebe geschieht um seiner selbst willen, weil seine Vernunft jetzt von seiner Selbst-Zentriertheit beherrscht wird.

Viele Leute haben mich gefragt: Wie können wir eine Bibel mit einer Botschaft haben und doch Tausende verschiedener Kirchen, die alle vorgeben, die Wahrheit dieses Buches zu haben? Alles geht zurück in den Garten und die Schlange. Die menschliche Natur erhielt hier das Modell einer Lebensquelle und eines Wertesystems, das natürlicherweise alles, was Gott sagt, verdreht. Gott spricht zu uns innerhalb eines Königreichs, das Ihn selbst als einzige Lebensquelle und als unsere einzige Quelle des Wertes hat. Die Menschheit dagegen kommt zu der Bibel mit dem Verständnis, dass der Mensch seine eigene Lebensquelle hat sowie mit einem leistungsbasierten Wertesystem. Dieses leistungsbasierte Wertesystem hat jede Lehre des Wortes Gottes verdreht. Die Wahrheit Gottes wird so zur Lüge gemacht (Römer 1, 25). Darum sagt Gott uns:

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Jesaja 55, 8-9

Und Paulus drückt es so aus:

Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß. 1.Korinther 2,14

Leistungsbasiertes Denken oder die fleischliche Natur sieht alles durch die Brille der inneren Macht. Es treibt uns auf den Berg des Stolzes1, wenn wir Erfolg haben, und stürzt uns in das Tal der Verzweiflung, wenn wir scheitern. Es bringt uns dazu, die falschen Fragen zu stellen, wie: "Wer ist der Größte in Gottes Königreich?" (Matthäus 18,1) und "Was muss ich tun um das ewige Leben zu ererben?" (Markus 10,17) oder "Woher kennt dieser die Schriften? Er hat doch nicht studiert!" (Johannes 7,15) Beachte folgendes Diagramm:

 


 

Diese leistungsbasierte Brille wird die Wahrheit Gottes immer zu einer Lüge verkehren. Beachte Folgendes:

Was aber die Götzenopfer angeht, so wissen wir: Wir alle haben Erkenntnis. Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. Wenn aber jemand meint, etwas zu wissen, der hat noch nichts so erkannt, wie man erkennen soll. 1.Korinther 8,1-2

In einem leistungsbasierten System wird die Erkenntnis der Wahrheit jemanden tatsächlich aufblähen. Es wird eine Person auf den Berg des Stolzes führen. Dies ist das Hauptproblem für die Gemeinde von Laodizea. Ihr wurde so viel Wahrheit gegeben, dass sie sich reich fühlt und nichts bedarf (Offenbarung 3,17). Wenn wir sehen, dass andere in der Gemeinde einen Dienst und große Werke für Gott tun, können wir oft Gefühle der Unzulänglichkeit und der Verzweiflung entwickeln. All dies stammt aus einem leistungsbasierten Denken. Diese Frage ist so wichtig, dass ich ihr das nächste Kapitel widmen will, weil das leistungsbasierte Denken nie vollständig stirbt, sobald wir getauft sind und zur Gemeinde gehören. Es bleibt oft jahrzehntelang im Leben der bekenntlichen Christen erhalten.

In der Tat ist Bekehrung ein Lernprozess darüber, wie man denkt, und initiiert einen Prozess, indem man selbst Gottes unfehlbare Liebe und das Angebot Seiner Gerechtigkeit entdeckt sowie die unergründlichen Tiefen des eigenen Stolzes. Auch bedeutet es zu lernen, auf Ihn zu schauen und von Ihm abhängig zu sein anstatt von sich selbst. Gerade weil wir darin scheitern, dies zu erfassen, sind wir so oft in Schuld und Furcht gefangen, was uns wiederum zu einem selbst-zentriertem Verhalten treibt.
 

 

 

Fußnoten

1Wenn im Altertum ein König durch weniger bevölkerte Teile seines Gebietes reiste, wurde dem fürstlichen Wagen eine Abteilung Männer vorausgeschickt, um etwaige unebene Wegstellen auszubessern, damit der König ungefährdet und unbehindert reisen konnte. Dieses Bild gebrauchte der Prophet, um das Wirken des Evangeliums zu veranschaulichen. „Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden.“ Wenn der Geist Gottes mit seiner wunderbaren Kraft die Seele berührt und erweckt, wird der menschliche Stolz gedemütigt; weltliche Vergnügungen, Macht und menschliche Ehre werden als wertlos angesehen. Die „Anschläge und alles Hohe, das sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes“, werden zunichte, und jeder Gedanke wird gefangengenommen „unter den Gehorsam Christi“. 2.Korinther 10,5 {LJ118}