Die Rückkehr des Elia - Kapitel 9 - Zu „beweisen“, dass Sabbathalten Gesetzlichkeit ist

veröffentlicht Jan 11, 2019 von Adrian Ebens in Die Rückkehr des Elia Treffer: 49
Übersetzt von F. Bunkus, S. Kronke, J. Deichsel

 

Das deutsche Übersetzerteam ist dabei, das Buch "The Return of Elijah" - Die Rückkehr des Elia von Bruder Adrian Ebens zu übersetzen. Dies wird ein längerer Prozess sein, deshalb werden wir die einzelnen Kapitel als Artikel veröffentlichen, bis das ganze Buch fertig ist. Seid gesegnet beim Lesen!

Der Hauptteil dieses Buches wurde von Bruder Adrian Ebens in nur zwei Wochen im Juli 2007 geschrieben. Wir veröffentlichen es hier unverändert, obwohl mittlerweile einige neue Erkenntnisse dazugekommen sind.

 

Teil 4 – Leistungsorientierte Auswirkungen auf die Methodik

Eine der größten Prüfungen dafür, nach welchem Wertesystem wir handeln, ist der Prozess, durch den wir unsere Schlussfolgerungen ziehen oder verteidigen. Viele von uns, die in einem kirchlichen Umfeld aufgewachsen sind, haben Bibellehren unkritisch angenommen, d. h. wir haben sie nicht gründlich für uns selbst geprüft. Wenn wir viele Jahre lang eine Auffassung unkritisch gehalten haben, neigen wir dazu, die Bibel zu benutzen, um unsere Auffassungen zu untermauern, so dass wir weiterhin die Behaglichkeit der Orthodoxie1 genießen können anstatt alles zu überprüfen, was wir aus der Bibel glauben. Leistungsorientiertes Denken tendiert dazu, die Schrift unserem Denken unterzuordnen. Die Bibel wird uns untertan statt andersherum.2

Die Versuchung, die Bibel unserem Denken unterzuordnen, ist am höchsten, wenn wir auf Textabschnitte stoßen, die nicht zu unserer etablierten Sichtweise passen. Werden wir uns wirklich für die ganze Schrift öffnen und gewissenhaft jede Textstelle der Inspiration harmonisieren und jeder Textstelle ihr entsprechendes Gewicht einräumen? Leistungsorientiertes Denken macht das sehr schwer im Angesicht von altbewährten Traditionen. Um den nächsten Teil besser zu verstehen denke ich, dass es hilfreich wäre, den typischen Verlauf durchzugehen, wie man eine Prämisse, eine Grundannahme, forciert, ohne die darunter liegenden Schichten zu überprüfen.

Ich wollte diesen Teil auch einfügen, um Aufmerksamkeit dafür zu wecken, dass jeder nach einem Wertesystem oder einer Weltsicht vorgeht, wenn wir uns der Bibel annähern. Es ist mir manchmal aufgefallen, dass Leute ehrlich sagen, dass sie die Bibel für bare Münze nehmen, aber offensichtlich ist ihnen nicht einmal bewusst, dass sie durch ein Wertesystem agieren, das den Text der Bibel verzerrt. Sich der Bibel zu nähern, ohne sich der verwendeten Weltsicht bewusst zu sein, macht einen Dialog mit denen unmöglich, die von einem anderen Modell ausgehen.

Kapitel 9 - Zu „beweisen“, dass Sabbathalten Gesetzlichkeit ist

Viele Christen glauben, dass es ziemlich einfach ist zu beweisen, dass das Halten des Sabbats Gesetzlichkeit ist. Es erfordert drei einfache Schritte:

  1. Eine Grundannahme (Prämisse).

  2. Beweise deine Grundannahme aus der Bibel.

  3. Wende deine bewiesene Grundannahme auf die schwierigen Stellen an, die deiner Prämisse zu widersprechen scheinen.

 

1. In Bezug auf das Halten des Sabbats können wir die folgende Grundannahme anwenden:

Das Halten des Gesetzes ist Gesetzlichkeit oder Legalismus und daher entgegen dem Evangelium.

2. Nun lasst uns sehen, ob wir für diese Prämisse Beweise in der Bibel finden können.

weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Römer 3,20
Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. Römer 10,4
Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; 9 nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Epheser 2,8-9
O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht, euch, denen Jesus Christus als unter euch gekreuzigt vor die Augen gemalt worden ist? 2 Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist durch Werke des Gesetzes empfangen oder durch die Verkündigung vom Glauben? 3 Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen und wollt es nun im Fleisch vollenden? Galater 3,1-3
Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube wertlos geworden und die Verheißung unwirksam gemacht. Römer 4,14

Oben sind nur einige der wundervollen Texte aufgelistet, die viele Christen verwenden, um zu beweisen, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist und daher entgegen dem Evangelium. Wenn das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit wäre, wie es scheinen würde nach unserem so „beredsamen“ Beweis aus den obigen Texten, dann kann daraus nur folgen, wenn der Sabbat ein Teil des Gesetzes ist, dass dann jeder Versuch, den Sabbat zu halten, ein Versuch ist, das Gesetz zu halten, was ein Widerspruch zum Evangelium ist. Das Evangelium ist die gute Nachricht, dass wir frei davon sind, Gott Werke opfern zu müssen, um angenommen zu sein. Wir sind durch die Werke Jesu gerettet, nicht durch unsere eigenen.

3. Viele würden daraus schließen, dass wir ganz einfach bewiesen haben, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist, so dass „sogar ein Kind es verstehen kann“. Lasst uns jetzt einige der schwierigen Textstellen ansehen, die vielleicht etwas anderes andeuten.

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Matthäus 5,17

Da es so scheint, dass wir schon von der Bibel bewiesen haben, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist, müssen wir diese Stelle gründlich untersuchen. Sobald sich jemand auf die Grundannahme festlegt, gibt es keinen Weg mehr, dass der obige Vers lehren könnte, dass das Gesetz immer noch in Kraft ist, sonst würde Jesus uns ja zur Gesetzlichkeit auffordern, und „wir wissen“, dass Er das nicht lehrt. Deshalb schlagen viele vor, dass „die Antwort an Seinem Wort erfüllen liegen muss. Etwas zu erfüllen bedeutet es zu vollenden, und da Jesus alle Anforderungen des Gesetzes erfüllte, sagt dieser Text, dass Jesus das Gesetz für uns erfüllte und wir es deshalb nicht halten müssen.“ Ich habe dieses Argument oft gehört. In der Grundannahme eingeschlossen zu sein verhindert, dass der Text auf irgendeine andere Weise verstanden werden kann, als dass Christus das Gesetz erfüllt oder entfernt hat. Lasst uns noch einen anderen Problemtext ansehen.

Beschnitten sein ist nichts und unbeschnitten sein ist auch nichts, wohl aber Gottes Gebote halten. 1.Korinther 7,19

Eine sofortige Sequenz von Antworten könnte wie folgt aussehen: „Da wir anhand anderer Textstellen bewiesen haben, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist, kann dieser Text nicht das Halten des Gesetzes lehren“. „Es muss eine andere Erklärung geben.“ „Jesus gab Seinen Nachfolgern ein neues Gebot in Johannes 13,34, einander zu lieben. Da dieses Gebot das Gesetz erfüllt, wie es in Römer 13,8 heißt, ist das Halten der Gebote hier das Gebot, einander zu lieben.“

Wieder einmal bestimmt die Grundannahme die Bedeutung. Die Bedeutung des Textes wird von etwas bestimmt, das als unverrückbar gilt. Beachte einen weiteren Problemtext.

Und siehe, ein Gesetzesgelehrter trat auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Und er sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du? Lukas 10,25

Wieder könnte eine Antwort wie folgt ablaufen: „Da wir bewiesen haben, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist, muss der Text etwas anderes bedeuten.“ „Da Jesus zu einem Juden sprach, bevor Er am Kreuz starb, war das Gesetz für die Juden immer noch in Kraft und galt für sie zu der Zeit.“ „Sobald Jesus starb, ging das Evangelium zu den Heiden, die das Gesetz nicht halten mussten. Also bezieht sich dieser Text nicht auf uns.“

Ich habe genau dieses Argument oft gehört. Es ist eine klassische durch die Grundannahme erzwungene Reaktion auf den Text. Das Wort Gottes wird dem Willen des Menschen unterworfen. Bedenke ein anderes Beispiel:

Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht; 1.Johannes 2,4

Was ist die typische Reaktion? „Da wir bewiesen haben, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist, bezieht sich dieser Text offenbar auf das Gesetz, das Jesus in Johannes 13,34 erwähnte.“

Denn der Sohn des Menschen ist Herr auch über den Sabbat. Matthäus 12,8

Ich habe einige sehr kreative Antworten zu diesem Text gehört. Hier ist einer meiner Favoriten: „Da wir bewiesen haben, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit ist und der Sabbat Teil des Gesetzes ist, kann dieser Text keine Rechtfertigung des Sabbats bedeuten. Das Wort Herr bedeutet Meister über. Da Jesus der Herr über den Sabbat ist, hat Er die Macht, ihn zu verändern oder mit ihm zu machen, was Er will.“

Ich möchte, dass wir einen entscheidenden Punkt beachten im Hinblick darauf, wie es möglich ist, die klare Linie von Bibelstellen über das Gesetz in ihrer Bedeutung zu verändern. Der Schlüssel, um das bindende Wesen des Gesetzes zu entfernen, besteht darin, es zu zerteilen. Ich meine damit, dass das Gesetz für die Juden ein anderes ist als das Gesetz, das den neutestamentlichen Christen gegeben wurde.

Wenn das Gesetz zerteilt wird oder veränderlich ist, dann ist es nicht mehr die umfassende Widerspiegelung von Gottes Charakter, Identität und Regierung, sondern ein Übergangsmittel, das für einen bestimmten Zweck für eine bestimmte Zeitspanne gebraucht wurde. Daher ist eines der Schlüsselelemente des Zwanges durch eine Grundannahme das Zerteilen von in der Schrift offenbarten universellen Themen.

Wenn etwas, was in der Bibel offenbart ist, als konstant in Beziehung zur Menschheit verstanden wird, ist es bindend, es definiert unsere Grenzen. Wenn etwas in der Schrift in Zeitperioden unterteilt wird, ist dessen Identifikation zersplittert oder zerlegt, und dann müssen wir (die Menschheit) dessen Gültigkeit und Grenzen festlegen.

 


 

Kehren wir zu unserer Übung über den Zwang einer Grundannahme zurück, dann erkennen wir, dass es möglich ist, aus der Bibel zu „beweisen“, dass das Halten des Gesetzes Gesetzlichkeit und daher gegen das Evangelium ist, und dass alle Texte, die anzudeuten scheinen, dass wir das Gesetz halten sollten, in folgende Kategorien fallen:

  1. Das erwähnte Halten des Gesetzes gilt für die Juden, nicht für die Nichtjuden.

  2. Das erwähnte Gesetz ist das neue Gebot, das Jesus uns gab, nicht das alte jüdische Gesetz.

  3. Das erwähnte Gesetz wurde durch Christus erfüllt und daher abgeschlossen. Wie die Bibel ausdrückt, Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit (Römer 10,4).

Beachte das Begrenzen und Zerteilen des Gesetzes, das in den obigen Punkten geschieht. Dieser Prozess ist ziemlich beweiskräftig für Millionen von Christen, und während die Reaktionen auf schwierige Texte variieren, ist die logische Abfolge die gleiche:

  1. Eine Grundannahme.

  2. Beweise deine Grundannahme von der Bibel.

  3. Wende deine bewiesene Grundannahme auf schwierige Textstellen an, die deiner Grundannahme zu widersprechen scheinen.

 


Fußnoten:

1 Die Macht der Orthodoxie auf unser Denken ist oft viel größer als wir uns vorstellen können. Es wirft Fragen auf wie, „Wie könnte Pastor X, der so ein liebevoller Christ ist, falsch liegen?“, „Wie kann die ganze Gemeinde falsch liegen?“, Was würde mit mir geschehen, wenn ich jetzt diese Sicht annähme?“. Wenn sie richtig ist, kann die Orthodoxie viel Gutes erreichen, aber wenn sie falsch liegt, erweist sie sich als eine tödliche Barriere für die Wahrheit.

2 "Wir sollen nicht unsere Pfähle setzen und dann alles nach diesem festen Punkt interpretieren. Hier sind einige unserer größten Reformatoren gescheitert, und das ist der Grund, dass Männer, die heute mächtige Sieger für Gott und die Wahrheit hätten sein können, gegen die Wahrheit kämpfen.“ (1888, 44,1)