Der Mittelpunkt der Botschaft von 1888

veröffentlicht Nov 09, 2012 von Adrian Ebens in 1888 Treffer: 696
Übersetzt von Jutta Deichsel

(English)

Einleitung

Die adventistische Botschaft gründet sich auf ein prophetisches Fundament, das mehrere prophetische Zeitspannen bis in die letzten Tage hinein nachverfolgt. Dieses prophetische Grundgerüst ist jedoch nicht der Endzweck in sich, sondern vielmehr ein Rahmenwerk für einen überaus kostbaren Stein. Der Stein ruht auf diesem sorgfältig gefertigten Rahmenwerk, und der Schwerpunkt der Botschaft richtet sich auf den Stein, nicht auf das Rahmenwerk. Würde man eine Zusammenfassung von all den Tausenden von Büchern machen wollen, die Gottes Volk der Endzeit produziert, was wäre dann das Kernstück der Botschaft? Lässt sie sich mit nur einem Satz zusammenfassen?

Sind es die Einzelheiten des Heiligtums, die uns sorgfältig dargelegt sind?

Ist es die Gesundheitsbotschaft mit den acht Naturgesetzen?

Ist es das richtige Verständnis des Königs des Nordens aus Daniel 11?

Ist es Daniel 2 und der Stein, der das Standbild zerschlägt?

Zu diesem zentralen Schwerpunkt fällt mir ein Text aus 1. Kor. 2,2 ein:

„Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten.“

Christus der Gekreuzigte ist wahrhaftig der Mittelpunkt unserer Botschaft und es gab einmal eine Zeit in der Adventbewegung, als dieses Thema mit solcher Macht verkündet wurde, dass Gottes Botin Ellen White sagte, der Spätregen hätte zu fallen begonnen. Achtet darauf, wie sie diese Botschaft, die im Jahr 1888 vekündigt wurde, beschreibt:

 

 1. Eine sehr wertvolle Botschaft

„In seiner Gnade hat Gott eine sehr wertvolle Botschaft an die Gläubigen durch die Brüder [E.J.] Waggoner und [A.T.] Jones gesandt. Diese Botschaft sollte den Menschen den erhabenen Retter und das Opfer für die Schuld der ganzen Welt vor Augen führen. Sie zeigte die Rechtfertigung durch den Glauben an unseren Fürsprecher; sie lud die Menschen dazu ein, die Gerechtigkeit Christi zu erhalten, die sich auch im Beachten aller Gebote Gottes äußert. Viele hatten Jesus aus den Augen verloren. Es war notwendig, daß ihr Blick wieder auf seine göttliche Person, sein Wesen und seine unveränderliche Liebe gerichtet wurde. Alle Macht ist in seine Hände gegeben, so daß er die Menschen reich beschenken und den Hilflosen die unschätzbare Gabe seiner eigenen Gerechtigkeit verleihen kann. Dies ist die Botschaft, die auf Gottes Befehl der Welt gegeben werden soll. Es ist die dreifache Engelsbotschaft, die mit lauter Stimme verkündet und von der umfassenden Ausgießung des Heiligen Geistes begleitet werden soll.“ (CKB, 143)

 

2. Der Schlüssel zu dieser Botschaft  – Gottgleichheit als Grundlage für Gleichheit mit dem Menschen 

Der Schlüssel zu dieser Botschaft war die Darstellung Christi als Sohn Gottes gemäß Hebräer 1 und Christus als Menschensohn gemäß Hebräer 2. Beachtet, wie A.T. Jones diesen Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Natur Christi beschreibt:

„Die Darlegung der Gottgleichheit Christi im ersten Kapitel des Hebräerbriefes ist nur einleitend zur Darlegung der Gleichheit Christi mit dem Menschen im zweiten Kapitel. Die Darlegung seiner Gottgleichheit im ersten Kapitel ist nur der Grundstein zu dem rechten Verständnis seiner Gleichheit mit dem Menschen. Und diese Gottgleichheit ist eine Gleichheit, nicht nur im Sinne eines Abbildes oder einer Wiedergabe, sondern in dem Sinne, dass seine Natur selbst Gott gleich ist, ‚Gepräge seiner Substanz,‘ Geist vom Geist und Wesen vom Wesen Gottes.“ (Der bereitete Weg zur christlichen Vollkommenheit, 1975, S. 21).

 

3. Wie wird diese Gleichheit erlangt? – Sie wird ererbt

Die Frage ist – Wie erlangte Christus diese Gleichheit?

A.T Jones:“Weiter lesen wir vom Sohn Gottes selbst: ‘Er ist der Abglanz seiner (des Vaters) Herrlichkeit und das Ebenbild seines (des Vaters) Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von unseren Sünden und hat sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe.‘ Das besagt, dass die Natur Christi im Himmel die Natur Gottes war. Er, in seiner Person, in seiner Substanz, ist der echte Abdruck und der wahre Charakter der Substanz Gottes. Das bedeutet, die Natur Christi im Himmel, ehe er zur Erde kam, war die Substanz der Natur Gottes selbst. Deshalb steht über ihn geschrieben, dass er um ‚soviel höher geworden als die Engel, soviel erhabener der Name ist, der er vor ihnen ererbt hat‘. Der erhabenere Name ist der Name ‚Gott‘, den der Vater, wie aus Vers 8 ersichtlich, dem Sohne gibt: ‚Aber von dem Sohn (sagt der Vater): Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit.‘

Er ist also um soviel höher als die Engel, wie Gott höher ist als sie. Das ist der Grund, warum er den erhabeneren Namen hat, den Namen, der zum Ausdruck bringt, was er seiner innersten Natur nach ist.

Diesen Namen hat er ‚ererbt.‘ Er wurde ihm nicht verliehen, sondern er hat ihn ererbt. ...

Hierin liegt der Gedanke des im vorherigen Vers betrachteten erhabeneren Namens. Denn da er der Sohn Gottes ist und Gott sein Vater ist, hat er den Namen des Vaters ‚ererbt‘, der Gott ist und der um so viel höher ist als der der Engel, wie Gott höher ist als sie.“ (Der bereitete Weg zur christlichen Vollkommenheit, 1975, S. 17-18).

 

E.J Waggoner beschrieb dieses Thema wie folgt:

„Der Heiland hat den Gottesnamen nicht infolge großer Taten oder seines Verdienstes halber erhalten, sondern er steht ihm durch das Erbrecht zu. In diesem Sinne schreibt der Verfasser des Hebräerbriefes, dass Christus ‚so viel besser geworden ist denn die Engel, so viel höher der Name ist, den er vor ihnen geerbt hat.‘ (Hebr. 1,4). Im Leben trägt der Sohn stets den Namen seines Vaters zu Recht. Doch nicht allein das; er ist auch mehr oder weniger ein Abbild seines Vaters. Er besitzt sein äußeres Aussehen und seine Charaktereigenschaften, wenn auch nicht vollkommen, denn bei den Menschen gibt es nichts Vollkommenes. Ähnlich verhält es zwischen Gott dem Vater und dem Sohne; aber bei Gott gibt es keine Unvollkommenheit, und deshalb ist Christus seinem Vater in allen Stücken ebenbürtig und gleich. So heißt es im Hebräerbrief, dass Christus ‚der Abglanz seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens‘ sei (Hebr. 1,3, Elb. Üb.) Dieser Text bringt es deutlich zum Ausdruck, dass Christus als Sohn Gottes von Natur alle Eigenschaften der Gottheit besitzt.“ (Der Herr unsere Gerechtigkeit, Edelstein Verlag, S. 13).

Christus ererbte alles vom Vater als der Sohn Gottes. Damit erbt er auch alles, was den Menschen anbelangt, um unser Stellvertreter zu werden. Diesen Punkt beschreiben Jones und Waggoner immer wieder aufs Neue. In seinem Buch ‚Der bereitete Weg zur christlichen Vollkommenheit’ geht Jones sehr weit, um zu zeigen, dass Christus die menschliche Natur gänzlich ererbte, um den Menschen völlig vertreten zu können. Achtet auf die Überschriften der Kapitel in seinem Buch ab Kapitel 3:

Kapitel 3 Christus als Mensch
Kapitel 4. “Gleichermaßen”
Kapitel 5. “Unter das Gesetz getan”
Kapitel 6. “Geboren von einem Weibe”
Kapitel 7. Das Vererbungsgesetz
Kapitel 8. In allen Dingen gleich

Ein Kapitel nach dem anderen zeigt:

Hebräer 2,17-18 „Daher musste er in jeder Hinsicht den Brüdern ähnlich werden, damit er ein barmherziger und treuer Hoherpriester würde in dem, was Gott betrifft, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht wurde, kann er denen helfen, die versucht werden.“

Christus kann seinen Vater vollkommen darstellen, weil er von seinem Vater alles vollkommen ererbt hat. In Ihm wohnt Seine ganze Fülle.

 

4. Unser gesegnetes Erbe in Christus

Wie vollkommen Christus unser Stellvertreter sein kann hängt davon ab, wie vollständig er unsere Natur von uns geerbt hat, unsere Position, unser Abbild. Hat er unsere Natur nicht vollständig geerbt, so kann er uns nicht vollständig vertreten und mit der Autorität eines Menschen reden.

Die Fähigkeit Christi, als kostbarer Eckstein sowohl Gott als auch den Menschen vollständig zu vertreten, wurde in den Worten, die zu seiner Taufe gesprochen wurden, in den Mittelpunkt gerückt:

„Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Als Sohn Gottes erbt Jesus den Segen und die Annahme des Vaters.

Als Menschensohn wird er zur Lebensquelle, um des Vaters Segen an uns weiterzugeben.

Damit gelten die an Christus gerichteten Worte auch uns.

„Die Worte, die zu Jesus am Jordan gesprochen wurden: „Siehe, das ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe“, schließen das ganze Menschengeschlecht ein. Gott sprach zu Jesus, den er als unseren Stellvertreter sah. Wir werden trotz unserer Sünden und Schwächen nicht von Gott als Unwürdige verworfen; denn er hat uns „begnadet ... in dem Geliebten“. Epheser 1,6. ... Das Licht, das aus dem geöffneten Himmel auf das Haupt des Heilandes fiel, wird auch uns scheinen, wenn wir ernstlich um Hilfe bitten, der Versuchung zu widerstehen. Die gleiche göttliche Stimme spricht zu jeder gläubigen Seele: Du bist mein Kind, an dem ich Wohlgefallen habe!“ LJ, 96

Die einzige Möglichkeit, wie des Vaters Worte bei der Taufe auch auf uns zutreffen, ist, das Jesus vollständig unser Stellvertreter ist, was bedeutet, dass er unsere Natur vollständig erben muss. Die Vorlage für diese Erbschaft ist uns in seiner Erbschaft als Sohn Gottes gegeben. Er stellt Gott vollständig dar, weil er alle Dinge vollständig ererbt hat. Er stellt den Menschen vollständig dar, weil er alles ererbt hat, was der Mensch ist. Das ist das Kernstück der Botschaft in einem Satz.

Eph 1,6: „Zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.“

Joh 1,12: „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“

1. Kor. 2,16: „Denn ‚wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn belehre?‘ Wir aber haben den Sinn des Christus.“

 1. Joh 5,12: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“