Nimm dein Kreuz auf dich

veröffentlicht Nov 23, 2015 von Adrian Ebens in Gott liebt Dich Treffer: 424
Übersetzt von Franziska Bunkus, Jutta Deichsel

(English)

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Stell dir vor, du fühlst dich von dem Wunsch gedrungen, jeder einzelnen Person die du kennst, nahe sein zu wollen. Wenn du viel Geld hättest, könntest du die Menschen mit Geschenken überschütten, dann bekämst du sicher ihre Aufmerksamkeit. Aber würden sie dir nahe sein? Wären sie nicht noch weiter von dir entfernt, weil die Geschenke ein Ersatz für dich werden und deine Freunde würden sich deine Geschenke mehr wünschen als dich und dein Gemeinschaft? Das war die Erfahrung des verlorenen Sohnes, als ihm sein Geld ausging.

Wir haben alle schon den Verlust von Freundschaft erlebt. Es kann sein, dass wir jemanden mit einer Äußerung gekränkt haben, es kann vielleicht auch sein, dass aufgrund unserer Überzeugung hinsichtlich von irgendeinem Aspekt unserer Erde oder des Weges des Lebens, der uns unantastbar erscheint, unsere Freunde sich von uns distanzieren.

Warum sollte es uns etwas ausmachen? Wenn unsere Freunde uns nicht für das schätzen, wer wir sind, dann können sie gehen! Und an diesem Punkt ist es, wo das Bedürfnis, jeder Person, die du kennst, nahe zu sein, dir Trauer und Schmerz verursacht. Wenn du solchen, die deine Werte nicht akzeptieren, einfach mit einem Winken Tschüss sagen könntest, gäbe es keinen Schmerz, aber wenn du sie liebst und dich nach ihrer Freundschaft sehnst, ist es wie ein Messerstich in deinem Herzen, wenn du sie gehen siehst; dein Verlangen ihnen nahe zu sein rennt regelrecht gegen die Wand ihres Wunsches, nicht länger in deiner Gegenwart sein zu wollen.

Stell dir also vor, du willst jedem Menschen auf der Welt nahe sein - nicht nur jetzt, sondern jeder Person, die jemals gelebt hat. Dann füge die Tatsache hinzu, dass jeder Mensch, der jemals gelebt hat, eine natürliche Neigung hat, dich nicht zu mögen oder dir gegenüber misstrauisch zu sein. Wäre es nicht leichter, sie einfach gehen zu lassen? Im Ernst, der Schmerz des Versuches, jedem Menschen nahe zu kommen in einer solchen Situation, würde dir Kummer jenseits aller Vorstellungskraft verursachen. Und nun kannst du anfangen deinen Geist um das Ausmaß der Bedeutung des Kreuzes kreisen zu lassen.

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet (Jesaja 53,3)

Jeden Tag haucht Christus Leben in die menschliche Rasse, spendet Sonnenlicht, Wasser und andere wichtige Dinge, um uns mit den Gaben der Erde zu versorgen. Durch Seinen Geist spricht Er sanft zu den Seelen der Menschen von der Schönheit und Freude der Gebote Seines Vaters. Als Reaktion darauf versteckt sich das Herz des Menschen vor Ihm, tut so, als höre es Ihn nicht; verstände Ihn nicht oder nehmen es gar nicht als einen Aufruf an sie an. Jeder Ruf bringt Kosten mit sich. Der Herr Jesus ist eine wirkliche Person mit realen Gefühlen. Wenn Er ignoriert wird, zurückgewiesen und Sein Name als Schimpfwort verwendet wird, verursacht es Ihm Leid. Beim Betrachten der Massen der Menschheit, wie sie gefangen sind im Netz menschlicher Philosophie und von Menschen gemachten Religionen, die die Seele von Christus trennt, ist Er verwundet, zerschlagen und traurig. Wenn der Eindruck ins menschliche Herz kommt und sagt „Bist du dieses Lebens der Selbstsucht nicht leid? Verlangt es dich nicht nach etwas Besserem für dein Leben?“  und die Seele sich abwendet, ist Christus enttäuscht und leidet unter der Ablehnung.

Du kannst dir vorstellen, dass nach einiger Zeit der Suche nach der Freundschaft eines Menschen die ausgestreckte, rufende Hand gefühllos wird durch den Schmerz der Ablehnung und Er sich von ihm trennen muss, um Sich selbst zu retten.

Ist es nicht das, was der menschliche Verstand uns sagen würde? „Lass sie nicht fortfahren, dich so zu verwunden! Du musst dich selbst retten und von diesem Kreuz heruntersteigen und darfst es nicht mehr erlauben, dass sie dir weiterhin so weh tun!“. Das Verlangen auszuhalten und weiterhin zu lieben, wird dir nur noch mehr und mehr Schmerz bereiten, wäre es also nicht besser, sie zu vergessen, um dich selbst vor den Schmerzen zu bewahren? Die Entschlossenheit, auszuhalten und zu warten, ist das Leiden des Kreuzes.

Indem wir ein Nachfolger Christi werden, sind wir eingeladen, Sein Leben der Ablehnung und Verachtung zu teilen. Wir sind eingeladen, Sein liebendes Verlangen nach der Menschheit um uns herum zu empfangen, uns nach ihnen auszustrecken und zu appellieren, zum Sohn Gottes zu kommen. Indem wir dieses Werk aufnehmen sagte uns unser Heiland:

Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. (Lukas 9, 23)

Täglich sind wir eingeladen, in das Werk unseres Meisters einzutreten. Wir sind eingeladen, uns für die einzusetzen, welche verloren sind und in der Sünde leiden. Wir sind eingeladen, geduldig die Verachtung und den Tadel zu ertragen, wenn wir dies tun. Doch viele Menschen, die beanspruchen, Christus nachzufolgen, scheinen auf einer ziemlich bequemen Straße zu reisen, manchmal sogar beliebt und angesehen. Einige Prediger für Christus scheinen recht gut von ihrer Verkündigung des Namens Christi zu leben und sehen nicht so aus, als würden sie für Ihn Leid ertragen.

Wie der Meister uns gewarnt hat:

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen, und sagen: "Ich bin Christus" und werden viele verführen. (Matthäus 24, 4-5)

Viele werden behaupten, den Sohn Gottes zu repräsentieren, aber werden viele verführen. Warum? Weil sie sich von einem gefälschten Sohn blenden lassen, einem Barrabas, der in seinem eigenen Namen kommt und nicht im Namen seines Vaters, denn das Geborensein des wahren Sohnes Gottes ist für die Mehrheit nicht angenehm.

Jesus erinnert seine Nachfolger sanft:

Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen also heißen! (Matthäus 10,25)

Als ich den eingeborenen Sohn Gottes innerhalb der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten annahm wurde ich in eine Bedeutung des Kreuzes eingeführt, wie ich sie zuvor nicht verstanden hatte. Als ein Prediger dieser Gemeinschaft war ich mit vielen Menschen eng verbunden. Die Erfahrungen und die Geschichte meines Lebens waren mit dieser Gemeinde verwachsen. Doch mit der Annahme des eingeborenen Sohnes trat ich in das Leiden und den Kummer meines Meisters ein.

Nachdem sie von meiner Liebe zum eingeborenen Sohn gehört hatten, nahten sich mir einige meiner Freunde und fragten mich, warum ich meinen Geliebten gewechselt hatte. Warum tauschte ich die zweite Person der Dreieinigkeit für diesen „niedrig geborenen“ gezeugten Sohn Gottes ein? Als ich begann, ernsthaft mit ihnen zu reden und sie die Liebe sehen konnten, die ich gefunden hatte und die meine Seele total gefangen genommen hatte, hörten sie bald auf, mit mir zu sprechen. Ihr Schweigen zehrte an meinem Herzen. Wie der Dieb, der sein Kreuz neben dem des Erlösers trug, fühlte ich die Sticheleien und den Spott der Menge, und ich spürte den dringenden Wunsch, mich von dieser erdrückenden Last zu retten. Obgleich ich es verdient hatte, für meine Verbrechen gegen Gott zu sterben und des Todes würdig war, schreckte ich in meinem Herzen davor zurück.

 

Dieses geheime Schämen vor dem Kreuz offenbarte sich darin, dass ich meinen Schmerz durch Worte von Frustration und Ärger ausdrückte.  Es befleckte alle meine Motive in meiner Reaktion gegenüber der wachsenden Ungerechtigkeit meiner ehemaligen Freunde, die mich entweder still aus ihrem Leben schoben oder lieb anlächelten, wenn wir uns zufällig trafen, es aber nie wagten, mit mir über irgendetwas von dem zu sprechen, was ich glaubte und tat.

Glücklicherweise kamen auch Siege. Ich trank von der Demut und Gnade Christi und Er befähigte mich, verschiedene traurige Begebenheiten zu erdulden. Ich erinnere mich deutlich an den Abend, als ich aus der Adventgemeinde ausgeschlossen wurde. Meine offene Darstellung der Liebe für den geborenen Sohn konnte nicht geduldet werden. Ich durfte diesen Namen in den Höfen der Adventgemeinde nicht aussprechen. Es war und ist eine Todsünde, in diesem Namen zu reden. Ich erinnere mich an die verschiedenen Leute, die mich ausschlossen in dieser beängstigenden Nacht des 4. Juni 2012, als der Mond hell und voll am wolkenlosen Himmel schien. Ich erinnere mich an die Liebe meines geliebten Meisters, die in mein Herz floss. Eine solche Liebe angesichts der Ablehnung und Verachtung. Nachdem ich diese Liebe geschmeckt hatte, die nicht aus mir selbst kam, wünsche ich diese Art von Liebe weiterhin, die die Feinde lieben kann und die die andere Wange hinhält. Nach meinem Ausschluss ließ mich das Gewicht des Kreuzes zu Boden fallen. Mein Herz haderte in meinen Leiden und ich verlor den Kontakt zur Realität des täglichen Kreuzes. Mein lieber Heiland fährt fort, mich tiefer in den Tod am Kreuz zu ziehen, mein Leben niederzulegen, die Verachtung und Ablehnung zu akzeptieren und einzugehen in die Leiden Seiner Nachfolge.

Wie mein Meister erlebte ich, wie meine ehemaligen Freunde mich mit Worten verfolgten - steig herab vom Kreuz, dann nehmen wir dich an! Gib diesen törichten Glauben an den geborenen Sohn auf und verbeuge dich vor der zweiten Person der Dreieinigkeit, dann werden wir dich wieder aufnehmen. Ich drehe mich um und schaue meinen Meister in Schmerzen am Kreuz und ich rufe zu ihm: "Gedenke meiner, Herr, wenn du in dein Königreich eingehst", und er antwortet mir „Heute sage ich dir, du wirst mit mir im Paradies sein!“

Jeden Tag, wenn ich an meine Freunde denke, sitze ich und starre auf Facebook und frage mich, ob ich ihnen nicht schreiben soll. Soll ich ihnen sagen, dass ich sie liebe, sie vermisse und mich der Gefahr von noch mehr Ablehnung und Verachtung aussetzen? Das ist der Weg meines Meisters. In Liebe sich nach ihnen auszustrecken und nicht in einem Geist von Arroganz, der sagt „Ich habe die Wahrheit und du liegst komplett falsch!“. Es ist so leicht, sich vom Kreuz abzuwenden durch zornige Worte, und einzutreten in einen Geist der Argumentation, der die Herzen vieler beherrscht, die sich zu dem Glauben an den geborenen Sohn bekennen. Facebookgruppen sind voll von verletzten und verwundeten Seelen, die das Kreuz nicht aufnehmen und die andere Wange nicht hinhalten möchten. Sie schlagen zurück und zwar doppelt so stark. Oh Herr Jesus, befreie mich von diesem Geist. Ich bereue, dass diese Gedanken von Vergeltung mein Herz und meinen Sinn durchfahren.

So wird Facebook zu einer Qual, wenn ich die Gesichter derer sehe, die mich einst liebten und die nun meine Anwesenheit scheuen. Wenn ich rede, hören sie die Worte „Unrein! Unrein!“. Wenn ich mein Adressbuch überschaue und die Namen meiner ehemaligen Freunde lese, fühle ich den Schmerz, ich fühle den Verlust. Wäre es nicht einfacher sie zu vergessen? Warum nicht vom Kreuz herab steigen und sich selbst retten? Doch es ist nicht länger ich, der lebt, sondern Christus lebt und liebt in mir. Ich kann Ihn nicht davon abhalten, andere durch mich zu lieben, wenn ich möchte, dass Er in mir lebt.

Deshalb muss ich das Kreuz des Kummers tragen und mit dem Mann gehen, der verachtet ist und von den Menschen abgelehnt wird.  Ich muss mit Christus gekreuzigt werden, wenn ich mir wünsche, Ihm zu erlauben, die Liebe meines Lebens zu sein.  Aber ich sehe in Ihm eine solch unvergleichliche Lieblichkeit und rufe: Oh, wie ich diesen geborenen Sohn des Vaters liebe, süßer als Honig und kostbarer als Gold! Ich kann ihn nicht für dreißig Silberstücke verkaufen oder sogar für zwanzig, wie Josefs Brüder es taten.

Jesus fragt seine Jünger “Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?“ Ich antworte „Herr, du weißt alle Dinge und du weißt, dass ich glaube, dass deine Agape durch den Glauben in mir lebt. Ich weiß, dass ich, indem ich dein Kreuz trage, nur an deiner Seite laufe, der du bedrängt bist in all meiner Bedrängnis, und es trägst alle Tage von alters her (Jesaja 63,9)". Es ist immer nur eine Spur im Sand, denn mein Retter hat mich niemals abgesetzt und hat immer das Gewicht des Kreuzes getragen. Ich bin nur aufgefordert, mit Ihm zu wandeln, und das ist genug für mich. Ich weiß, ohne Ihn kann ich nichts tun und Er erlaubt es nicht, dass mir etwas auferlegt wird, was ich nicht tragen kann.

Das ist jetzt eine große Prüfung für Gottes Volk. Einige nehmen heimlich den geborenen Sohn an, aber sprechen nicht offen darüber aus Angst vor ihren adventistischen Brüdern. Das Kreuz der Ablehnung und der Leiden ist zu groß und sie fühlen sich gezwungen, still zu bleiben und nichts zu sagen. Andere bekennen offen und mutig den geborenen Sohn, aber sie verleugnen gleichzeitig den kummervollen, leidenden Knecht, indem sie diejenigen in einem Geist der Aggression und Anklage beschimpfen, die die Wahrheit zurückweisen. Das ist auch eine Verleumdung des Kreuzes, es ist eine Weigerung, mit Christus zu leiden und die andere Wange hinzuhalten. Wie schmal ist doch der Weg des Kreuzes!

Dies ist ein Aufruf, dein Kreuz aufzunehmen, um in die Leiden und die Ablehnung des geborenen Sohnes einzutreten. Erlaube es, verhöhnt, verspottet, zurückgewiesen und mit Verachtung behandelt zu werden, und dass Lügen erzählt werden über das, was du glaubst. Freunde, lasst uns in das Kreuz unseres Meisters eingehen, lasst uns an Ihm festhalten und uns weiterhin nach unseren Freunden ausstrecken, wissend, dass Christus unser Leid trägt und uns befähigt, unseren Anklägern eine milde Antwort zu geben, sie zu lieben wie auch Christus die Männer geliebt hat, die Ihn ans Kreuz genagelt haben, und sagte „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

Übersetzung: Franziska Bunkus, Jutta Deichsel