Ohne Gewalt hinausgeworfen

veröffentlicht Mai 22, 2018 von Ruben Olschewsky in Agape Treffer: 103
Übersetzt von Franziska Bunkus

 

Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Offenbarung 12,9

Wir nicken zustimmend, dass solch ein rebellischer Anführer wie Satan mitsamt seinen Sympathisanten nicht toleriert werden sollte. Um die Harmonie des Himmels aufrecht zu erhalten, würde es Sinn machen, jene hinauszuwerfen, die diese Harmonie stören. Unser natürlicher Gerechtigkeitssinn ist mit diesem Bild zufrieden. Uns wird jedoch gesagt, dass der natürliche Geist von einer Macht bewegt wird, die nicht himmlischen Ursprungs ist.

Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss. 1.Korinther 2,14

weil nämlich das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist; denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht, und kann es auch nicht. Römer 8,7

Denn wer [nur] Hörer des Wortes ist und nicht Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht im Spiegel anschaut. Jakobus 1,23  

Wenn ich mich nicht auf meinen natürlichen Verstand verlassen kann, wie offenbart dann Gott Sein Regierungssystem?

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; 9 sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Jesaja 55,8-9

Da antwortete er und sprach zu mir: Das ist das Wort des HERRN an Serubbabel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist!, spricht der HERR der Heerscharen. Sacharja 4,6  

Da erwiderte er: »Gehe hinaus und tritt auf dem Berge vor den HERRN hin!« Und siehe, der HERR zog an ihm vorüber: ein Sturmwind, gewaltig und stark, der die Berge zerriß und die Felsen spaltete, ging vor dem HERRN her; aber der HERR war nicht in dem Sturme. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben: aber der HERR war nicht in dem Erdbeben; 12 und nach dem Erdbeben kam ein Feuer: aber der HERR war nicht in dem Feuer. Nach dem Feuer aber kam ein leises, sanftes Säuseln. 1.Könige 19,11-12

Irret euch nicht: Gott läßt sich nicht spotten; denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Galater 6,7  

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! 2 Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr [anderen] zumesst, wird auch euch zugemessen werden. Matthäus 7,1-2

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! 30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Matthäus 11,28-30

Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater? Johannes 14,9  

Und ich werde mich euch nahen zum Gericht und will ein schneller Zeuge sein gegen die Zauberer und gegen die Ehebrecher und gegen die Meineidigen und gegen die, welche den Lohn der Tagelöhner verkürzen, Witwen und Waisen übervorteilen und das Recht des Fremdlings beugen und mich nicht fürchten!, spricht der HERR der Heerscharen. 6 Denn ich, der HERR, verändere mich nicht; deshalb seid ihr, die Kinder Jakobs, nicht zugrunde gegangen. Maleachi 3,5-6

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir. Offenbarung 3,20

Es scheint, dass Gottes Handeln nicht so ist, wie wir es erwarten würden, und Schwester White drückt dies aus, indem sie sagt:

Satans trügerische Macht musste vernichtet werden. Das aber konnte nicht durch Gewaltanwendung geschehen. Gewaltausübung steht den Grundsätzen der Herrschaft Gottes entgegen. Er möchte lediglich einen Dienst aus Liebe. Sie aber kann man weder befehlen noch durch Machteinsatz oder Gewalt erzwingen. Nur Liebe erzeugt Gegenliebe. Gott erkennen heißt ihn lieben. Der Gegensatz seines Charakters zu dem Charakter Satans mußte deshalb geoffenbart werden. {LJ 11.3}

In diesem Gedanken kehren wir zum ursprünglichen Text zurück und betrachten den Rauswurf von Satan und seinen Engeln aus dem Himmel. Der Text gebraucht das folgende griechische Wort:

 g0906. βάλλω ballō; ein primäres Verb; werfen (in verschiedenen Verwendungen, mehr oder weniger gewalttätig oder intensiv): in jemandes Pflege zu übergeben doch unsicher über das Ergebnis zu sein.

Es ist eindeutig, dass dieses Wort mehrere Anwendungsmöglichkeiten haben kann, die sowohl den Einsatz von Gewalt beinhalten können, aber auch das Loslassen von etwas, wobei das Ergebnis unsicher ist, und diese Bedeutung hat mit Sicherheit nichts mit Gewaltanwendung zu tun. Mit dem, was in der Schrift über den Charakter Gottes offenbart wird, möchte ich noch einige zusätzliche Texte anbringen, die dasselbe Wort verwenden, um so einen Zusammenhang zu schaffen für den Rauswurf der dämonischen Heerschar aus dem Himmel.

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen (G0906). Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen (G0906), sondern das Schwert! Matthäus 10,34

Christi Botschaft war gewiss eine Botschaft des Friedens, aber ihre Wirkung auf die Erde war das genaue Gegenteil, denn der Geist, der die Erde regiert, ist der Geist Satans, der mit dem Evangelium des Friedens im Krieg steht. Darum wurde Christi Friedensoffenbarung in einem verdrehten Verständnis wahrgenommen.

darauf goss (G0906) er Wasser in das Becken und fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Schurz zu trocknen, mit dem er umgürtet war. Johannes 13,5

War dieses Gießen des Wassers, durch das Christus Gottes Königreich darstellen wollte, in dem der Wert nicht von der Position abhängig ist, ein Akt der Gewalt? Entscheide selbst.

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt (G0906) die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.1. Johannes 4,18

Wie treibt die vollkommene Liebe Angst aus? Bedenke, dass die vollkommene Liebe (Agape) im selben Kapitel als Gott selbst definiert ist (1. Johannes 4,8). Es würde Sinn machen, dass die vollkommene Liebe die Angst genauso austreibt, wie das Licht die Dunkelheit "austreibt". Die Anwesenheit von Licht lässt Dunkelheit verschwinden.

Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. 1.Johannes 1,5

um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Herrschaft des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbteil unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind! Apostelgeschichte 26,18

Lasst uns noch ein paar mehr Bibeltexte betrachten, die von Satans Rauswurf handeln:

und dass er die Engel, die ihren Herrschaftsbereich nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung verließen, für das Gericht des großen Tages mit ewigen Fesseln unter der Finsternis verwahrt hat. Judas 1,6

Durch deine vielen Handelsgeschäfte ist dein Inneres mit Frevel erfüllt worden, und du hast gesündigt. Darum habe ich dich von dem Berg Gottes verstoßen und dich, du schützender Cherub, aus der Mitte der feurigen Steine vertilgt. Hesekiel 28,16

Die Aussage "Ich habe dich von dem Berg Gottes verstoßen" baut sich auf das hebräische Wort "Halal" auf.

h2490. חָלַל ḥâlal; ein Wurzelwort; genau zu bohren, d.h. (schlussfolgernd) zu verwunden, zu lösen; im übertragenen Sinn, zu entweihen (eine Person, ein Ort oder ein Gegenstand), zu brechen (ein Wort), zu beginnen (wie durch einen sich öffnenden Spalt); Benennung (von 2485) zu spielen (die Flöte): - beginnen, entehren, brechen, verunreinigen, essen (wie gewöhnliche Dinge), Trauben sammeln, erben, Pfeife, Instrumentenspieler, verseuchen, verschmutzen, prostituieren, töten, Kummer, Flecken, Wunden.

Der allgemeine Gebrauch dieses Begriffes in der Bibel ist wie folgt: beginnen 52 x, entehren 36 x, verschmutzen 23 x, verseuchen 9 x, brechen 4 x, verwundet 3 x, essen 2 x, töten…

Es würde sicherlich Sinn machen, dass Satan von dem heiligen Berg Gottes entehrt, gebrochen oder verwundet wurde, wenn wir es im Hinblick auf seinen Stolz und seine Bestrebungen betrachten. Das behandelt jedoch nicht den Rauswurf. Der "apostolische Bibelpolyplot", ein interlinearer Stil der Septuaginta, drückt diesen Vers wie folgt aus:

(ABP+)  Durch G575  die VielzahlG4128 G3588  deiner HandelsgeschäfteG1711 G1473  hast du gefüllt G4130 G3588  deine Vorratsräume G5009 G1473  mit Gesetzlosigkeit, G458  und G2532  hast gesündigt. G264  UndG2532  du wurdest verwundet G5135  von G575  dem BergG3735 G3588  Gottes, G2316  undG2532  [4ließtG71  5du G1473  1den G3588  2CherubG5501.4 G3588  3überschatten] G4951.3  ausG1537  der Mitte G3319  der Steine G3037  von Feuer.G4447

Dieser Text ist fast identisch mit der LXX Septuaginta und überraschenderweise erscheint der Begriff "verstoßen" gar nicht. Es scheint, dass die Vorstellung vom Verstoßen durch die Interpretation des Zusammenhanges eingefügt wurde. Was ich damit meine, ist einfach, wenn der Übersetzer die Geschehnisse im Himmel auf diese Weise verstanden hat, dann wurde diese Überzeugung auch in die Interpretation des Textes hineingeschrieben.


Ich möchte noch einen weiteren Text in unsere Überlegung miteinbeziehen:

Denn wenn Gott die Engel nicht verschonte, die gesündigt hatten, sondern sie in Fesseln der Finsternis in den Abgrund warf, um sie zum Gericht aufzubewahren. 2.Petrus 2,4

Hier scheint es einfach zu sein, ein griechisches Wort für "werfen" ausfindig zu machen, doch wieder lässt sich kein direktes Gegenstück dafür feststellen. Ich füge den Text einer interlinearen Übersetzung hinzu:

(ABP+)  Denn wenn G1487 G1063 G3588  Gott G2316  [2Engel G32  3die gesündigt haben G264  1nicht verschont], G3756 G5339  sondern G235  in Ketten G4577  der höllischen G2217  RegionG5020  sie übergeben  G3860  für G1519  [2 GerichtG2920  1 aufbewahrt]; G5083

Das Konzept vom "werfen" kommt vom Gebrauch des Wortes g5020. ταρταρόω tartaroō; von Τάρταρος Tartaros (der tiefste Abgrund des Hades). Der Zusatz " ω " ändert die Bedeutung des Wurzelwortes, des tiefsten Abgrunds des Hades, und bezieht eine Handlung mit ein. Allerdings ist die Handlung nicht durch den Zusatz (oder Suffix), sondern eher durch die Tradition vorgegeben. Der Zusatz selbst bedeutet nur "tun", was bedeutet, dass es darin resultiert, dass man sich am physischen Ort des Hades befindet. Wie das zustande kommt, wird durch das Suffix nicht ausgedrückt.


Wir haben hier also einen weiteren Text, der einen Rauswurf nicht direkt ausdrückt, sodass wir unterm Strich nur den Ausdruck in Judas 1,6 haben, der besagt, dass sie (die Dämonen) ihre Behausung "verließen“.


Ich möchte jetzt den Geist der Weissagung hinzuziehen, um einige Prinzipien hervorzuheben, die auf folgenden grundlegenden Gedanken beruhen:

  1. Wir werden entweder von Christus oder von Satan kontrolliert

  2. Wenn wir von Christus kontrolliert werden, haben wir Christi Gesinnung

  3. Wenn wir von Satan kontrolliert werden, haben wir Satans Gesinnung

Diese Prinzipien basieren auf folgenden Texten: Römer 8,6-7; 1 Korinther 2,14; Johannes 8,34; Jakobus 4,4; Philipper 2,5; Kolosser 1,27; Galater 2,20

Hier folgen einige Aussagen von Schwester White, die die Umstände erklären, unter denen Christus Menschen hinauswirft:


Im Garten Eden

Aber der große Gesetzgeber machte Adam und Eva die Folgen ihrer Übertretung deutlich. Die göttliche Gegenwart offenbarte sich im Garten. In Unschuld und Heiligkeit hatten sie sonst das Nahen ihres Schöpfers mit Freuden begrüßt. Jetzt flohen sie angsterfüllt und versuchten, sich in den entferntesten Schlupfwinkeln des Gartens zu verbergen. {PP 34.3}

Die Offenbarung der Gegenwart Gottes brachte die von Satan kontrollierte Seele dazu, zu fliehen.

Nach ihrer Sünde durften Adam und Eva nicht länger in Eden wohnen. Sie baten sehr darum, im Heim ihrer Unschuld und Freude bleiben zu dürfen. Sie räumten ein, das Recht darauf verwirkt zu haben, und gelobten für die Zukunft unbedingten Gehorsam. Aber sie wurden unterwiesen, dass ihre Natur durch die Sünde so verderbt sei, daß sich ihre Widerstandskraft gegen den Bösen verringert habe und sie Satan deshalb umso leichteren Zugang gewährt hätten. In ihrer Unschuld hatten sie der Versuchung nachgegeben. Im Bewußtsein ihrer Schuld würden sie noch weniger Kraft haben, rechtschaffen zu bleiben. Demütig und unsagbar traurig sagten sie ihrer schönen Heimat Lebewohl und gingen hinaus, um eine Erde zu bewohnen, auf der nun der Fluch der Sünde lastete {PP 38.4}

Wurden sie gewaltsam aus dem Garten geworfen? Nein, nach ihrer anfänglichen Angst beim Erscheinen von Christus im Garten, redeten sie mit Ihm und Er erklärte ihnen ihren Geisteszustand. Adam und Eva hörten die Erklärung, die ihnen vom Sohn Gottes gegeben wurde an, und gehorchten.


Im Tempel zu Jerusalem

Mit durchdringendem Blick erfaßt Christus von den Stufen des Tempelhofes aus das Bild, das sich ihm bietet… Jesu Blick drückt Empörung, Macht und Autorität aus, als er auf dieses Treiben schaut. Die Aufmerksamkeit des Volkes richtet sich auf ihn. Die Augen derer, die sich mit dem unehrlichen Handel befassen, blicken gefesselt auf den Herrn; sie können ihren Blick nicht abwenden. Es wird ihnen bewußt (engl: „sie spüren“), daß dieser Mann ihre geheimsten Gedanken liest und ihre verborgensten Absichten durchschaut. Einige versuchen, ihre Gesichter zu verbergen, als ob ihre bösen Taten darauf geschrieben stünden. {LJ 143.1}

Da verebbt der Lärm. Die Stimmen der Händler und Käufer verstummen. Eine peinliche (engl: schmerzhafte) Stille tritt ein, die ein Gefühl der Ehrfurcht auslöst. Es ist, als ob alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen, um von ihren Taten Rechenschaft abzulegen. Sie schauen auf Christus und sehen die Gottheit durch seine menschliche Gestalt hindurchleuchten. Die Majestät des Himmels steht als Richter des Jüngsten Tages vor ihnen, zwar nicht umgeben von der Herrlichkeit, die sie dann begleiten wird, aber mit der Macht, die das Innerste durchschaut. Jesu Auge blickt über die Menge, jeden einzelnen erfassend. Seine Gestalt scheint sich in gebietender Würde über alle Anwesenden zu erheben — und göttliches Licht verklärt sein Angesicht. Er spricht, und seine klare, klangvolle Stimme — dieselbe Stimme, die einst auf dem Sinai das Gesetz verkündigte, das die Priester und Obersten jetzt so freventlich übertreten — ertönt und hallt im Tempel wider: „Traget das von dannen und machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause!“ Johannes 2,16 {LJ 143.2}

Dann steigt er langsam die Stufen hinab, erhebt die Geißel aus Stricken, die er bei seinem Eintritt in den Hof aufgenommen hat, und gebietet den Händlern, den Tempelbereich zu verlassen. Mit einem Eifer und einer Strenge, wie er sie niemals vordem geübt hat, stößt er die Tische der Geldwechsler um. Die Münzen fallen hell aufklingend auf den marmornen Boden. Niemand wagt, Jesu Autorität in Frage zu stellen; niemand hat den Mut, seinen Wuchergewinn vom Boden aufzulesen. Obwohl Jesus mit der Geißel nicht zuschlägt, erscheint sie doch in seiner hoch erhobenen Hand wie ein flammendes Schwert. Tempeldiener, schachernde Priester, Geldwechsler und Viehhändler mit ihren Schafen und Ochsen eilen davon, getrieben von dem einen Gedanken, dem verzehrenden Feuer der Gegenwart Jesu so schnell wie möglich zu entfliehen.

Furcht ergreift die Menge, die von der Göttlichkeit Jesu berührt wird. Hunderte bleicher Lippen stoßen Schreckensrufe aus, selbst die Jünger zittern. Jesu Worte und sein Auftreten entsetzen sie um so mehr, da es nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ungewohnt ist. Sie erinnern sich, daß von ihm geschrieben steht: „Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.“ Psalm 69,10.{LJ 143.3}

Durch ein oberflächliches Lesen dieser Szene könnte man schlussfolgern, dass Christus seine Beherrschung verlor und anfing, alle „hinauszutreiben“, die diese Übeltaten im Tempel begangen. Es heißt, dass selbst Seine Jünger "zitterten". Diese Szene ist damit jedoch noch nicht zu Ende. Die nachfolgenden Ereignisse spielen eine entscheidende Rolle in dem Verständnis, wie wir lesen sollten:

Die Priester und Obersten waren schreckerfüllt vor dem durchdringenden Blick Jesu, der in ihren Herzen las, aus dem Tempelhof geflohen. Auf ihrer Flucht begegneten sie anderen, denen sie zur Umkehr rieten und denen sie berichteten, was sie gehört und gesehen hatten. Christus schaute den Davoneilenden nach. Sie jammerten ihn in ihrer Furcht und in ihrer Unkenntnis des wahren Gottesdienstes. {LJ 145.2}

Als sie die Flucht ergriffen hatten, waren die Armen zurückgeblieben. Sie blickten jetzt Jesus an, dessen Angesicht Liebe und Mitgefühl ausdrückte. Mit Tränen in den Augen sagte er zu den Zitternden, die ihn umstanden: Fürchtet euch nicht! Ich will euch erlösen, und ihr sollt mich preisen; denn dazu bin ich in die Welt gekommen. {LJ 146.4}

Die Menschen drängten sich immer näher an den Heiland und baten: Meister, segne uns! Und Jesus vernahm jede Bitte. Mit dem herzlichsten Erbarmen einer liebevollen Mutter beugte er sich über die leidenden Kleinen. Allen schenkte er Aufmerksamkeit. Welche Krankheit ein Armer auch haben mochte, jeder wurde geheilt. Die Stummen öffneten ihren Mund zum Lobe, die Blinden sahen das Angesicht ihres Erlösers, und die Herzen der Leidenden wurden froh. {LJ 146.5}

Überlege jetzt, was die eine Menschengruppe vor Entsetzen schreiend davonlaufen lässt, während eine andere Gruppe besorgt dableibt. Die Gruppe, die weglief, waren diejenigen, die ihre gewaltsame Autorität durch Lügen und selbstformulierte Traditionen auf das Volk Israel projizierten. Dieses Bild wurde nun durch ihre Angst davor, entlarvt zu werden, auf sie zurückreflektiert. Die Aufzeichnung verrät, dass diejenigen, die blieben, die Gebrechlichen, die Kranken, die Sterbenden, die Mütter und die Kinder waren. Wenn irgendjemand vor einer gewalttätigen Autorität davonlaufen würde, wären es doch vor allem die Kinder gewesen, und doch fühlten sie sich zu Ihm hingezogen. Außerdem ist ein Rauswurf ein Akt der Gewalt, und die Bibel sagt uns, dass Christus niemals gewalttätig war:

Und man wies ihm sein Grab bei Frevlern an und bei Missetätern seine Gruft, wiewohl er keine Gewalttat verübt hatte und kein Betrug in seinem Munde gewesen war. Jesaja 53,9

Die israelischen Führer waren jedoch dafür bekannt, dass sie Menschen "hinauswarfen":

Das sagten seine Eltern, denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: Wenn jemand ihn als den Christus bekennt, der soll aus der Synagoge ausgestoßen werden. Johannes 9,22

Doch auch von den Oberen glaubten viele an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, um nicht aus der Synagoge ausgestoßen zu werden. Johannes 12,42

Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen. Lukas 4,29

Ein solch gewalttätiges Verhalten wurde von den religiösen Führern Israels offenbart und Christus zeigte ihnen, welchen Geistes sie waren:

Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Begierden wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Johannes 8,44 

Abschließend möchte ich die folgende Textabfolge betrachten:

Johannes 3, 17. 19.20

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

Es ist die Manifestation der unvergleichlichen Lieblichkeit von Christus, die das Böse vertreibt und dabei gleichzeitig die geistlich Armen an sich zieht. Mögest du gesegnet sein, wenn du über dieses Studium nachdenkst.