Agape 16 - Der reiche Mann und Lazarus im Spiegel

veröffentlicht Dez 13, 2017 von Adrian Ebens in Agape Treffer: 38
Übersetzt von Franziska Bunkus, Jutta Deichsel

 

Das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus ist für die Mehrheit der Christenheit Beweis genug, dass Gott die Sünder in der Hölle quälen und verbrennen wird. Die Sprache scheint eindeutig zu sein, und es ist Jesus selbst, der das Gleichnis erzählt.

Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben. Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er den Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich über mich und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme! Abraham aber sprach: Sohn, bedenke, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben und Lazarus gleichermaßen das Böse; nun wird er getröstet, du aber wirst gepeinigt. Lukas 16, 22-25

Wenn wir dieser Geschichte noch einige andere Schriftstellen hinzufügen scheint die Schlussfolgerung völlig unausweichlich, dass Gott Menschen nach dem Maß ihrer Sündhaftigkeit in der Hölle verbrennen und peinigen wird.

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle! Matthäus 10,28  

Wenn aber deine Hand oder dein Fuß für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, dass du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst. Matthäus 18,8

Dann wird er auch denen zur Linken sagen: Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist! Matthäus 25,41

so wird auch er von dem Glutwein Gottes trinken, der unvermischt eingeschenkt ist in dem Kelch seines Zornes, und er wird mit Feuer und Schwefel gepeinigt werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und die das Tier und sein Bild anbeten, haben keine Ruhe Tag und Nacht, und wer das Malzeichen seines Namens annimmt. Offenbarung 14,10-11  

Der Hörer des Wortes Gottes wird beim Lesen dieser Verse natürlicherweise schlussfolgern, dass Gott die Sünder mit einer unaufhörlichen und unbeschreiblichen Qual bestrafen wird. In der Person, die die Evangelien sorgsam studiert und das Leben Jesu untersucht und betrachtet hat, werden viele Fragen dazu aufkommen, die sie dazu bringen, tiefer zu graben und in der Bibel nach Erklärungen für diese Textstellen zu suchen.

Wer in seinem Herzen Ärger gegen jemanden hegt oder irgendeiner Person Schaden zufügen möchte wird in den wenigen oben angeführten Versen Genugtuung finden, um seinen eigenen Geist der Rache zu rechtfertigen, denn offensichtlich rächt sich Gott auch an Seinen Feinden. Zusätzlich werden solche, die sich selbst hart beurteilen und davon überzeugt sind, wegen ihrer Sünden des Todes würdig zu sein, ebenfalls von diesen Texten überzeugt werden. Doch wir müssen hier tiefer studieren. Anstatt die volle Vergebung von Sünde anzuerkennen und die Liebe Gottes zu sehen, sind diese Texte nach außen hin in einem ehrfürchtigen Ton ausgedrückt, unterstützen dabei aber einen inwendigen Glauben, dass Gott tyrannisch und hart ist. Sie geben ihren Leib hin, um verbrannt zu werden, doch sie haben keine Liebe.

Einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Mehrheit der Menschen diese Texte lesen, als nähme Gott Vergeltung an Seinen Feinden und würde sie bestrafen, ist die menschliche Tendenz, jemanden zum Sündenbock zu machen. Das begann schon bei Adam, als er Eva als Grund dafür beschuldigte, dass er die Frucht genommen hatte. Es ist die ungerechte Handlung zu versuchen, die Schuld jemand anderem in die Schuhe zu schieben, um in einer Krise einem Menschen oder einer Gemeinschaft wieder Frieden und Harmonie zu bringen. Der Hohepriester Kaiphas tat das mit Christus.

und ihr bedenkt nicht, dass es für uns besser ist, dass ein Mensch für das Volk stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht! Johannes 11,50

Die religiösen Führer Israels hatten eine Krise. Ihre Sünden waren aufgedeckt worden und sie mussten die Aufmerksamkeit des Volkes auf die „ungesetzlichen“ Praktiken Christi lenken und es so darstellen, als stünde Er in Konflikt mit Mose und wäre damit ein Sünder, würdig des Todes. Christus versöhnte sie in ihren Gedanken, nicht im Sinne des Evangeliums, sondern durch einen Geist der Eifersucht und der Rachsucht, der durch ihren geschickten Umgang mit dem nachgiebigen Pilatus befriedigt wurde. Ihr Ärger und Hass auf Christus wurde von ihnen dadurch gerechtfertigt, dass sie diese Eigenschaften Gott zuschrieben und Ihn als von Gott geschlagen und niedergebeugt darstellten.

Wenn Christen sich in scheinbar gerechter Entrüstung mit triumphierendem Ton und vermeintlichem "heiligen Zorn" erheben und der Welt verkündigen, dass Gott die Rebellion der Gottlosen auslöschen wird, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Form der persönlichen Versöhnung der des Kaiphas ähnlich ist. Sie finden darin Selbstgerechtigkeit, dass sie in ihrer Selbstzufriedenheit andere als unwürdiger ansehen, damit sie nicht selbst gequält und getötet werden.

Im Fall von Christus war diese Versöhnung der jüdischen Führer auf einen gerechten Mann gerichtet. Es war ähnlich wie bei Kain und Abel. Abel beunruhigte Kains Gewissen und durch seinen Appell an Kain fühlte dieser sich sündig. Damit er persönliche Versöhnung finden konnte, opferte Kain seinen Bruder und tötete ihn. In Falle von Christus brachten die jüdischen Führer sowohl die Stimme zum Schweigen, die ihr Gewissen störte, als auch die zwei Diebe, die sie als weniger wert als sich selbst erachteten.

Viele Christen können eine falsche Versöhnung in der Genugtuung finden, dass Räuber, Diebe und alle unmoralischen Menschen in der Hölle brennen werden, während sie fröhlich in den Himmel spazieren. Sie könnten diese fleischliche Logik auch anwenden, um die Stimme des Gewissens, die durch das gerechte Leben eines anderen Gläubigen zu ihnen spricht, zum Schweigen zu bringen Das Konzept der Versöhnung ist verzerrt zwischen einerseits Christus, der angeblich ihre Schuld trägt, und andererseits denen, die als böse angesehen werden und die Strafe empfangen, von der sie denken, dass sie sie verdienen. Das fremde Feuer eines solchen Evangeliums kann das über ihre Sünden besorgte Gewissen nur oberflächlich beruhigen.

Zurück zu unserer Geschichte: als erstes muss erwähnt werden, dass ein ganzheitliches Lesen der Bibel aufzeigt, dass Menschen kein Bewusstsein mehr besitzen, wenn sie sterben.

Denn die Lebendigen wissen, dass sie sterben müssen; aber die Toten wissen gar nichts, und es wird ihnen auch keine Belohnung mehr zuteil; denn man denkt nicht mehr an sie. Prediger 9,5

Die Toten rühmen den HERRN nicht, keiner, der zum Schweigen hinabfährt. Psalm 115,17

Wie Wasser zerrinnen aus dem See, und wie ein Strom vertrocknet und versiegt, so legt sich auch der Mensch nieder und steht nicht wieder auf; bis die Himmel nicht mehr sind, regen sie sich nicht und werden nicht aufgeweckt aus ihrem Schlaf. Hiob 14, 11-12

Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen. 2. Petrus 3,10

Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen! Da werden alle Übermütigen und alle, die gesetzlos handeln, wie Stoppeln sein, und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen, sodass ihnen weder Wurzel noch Zweig übrig bleibt. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und Heilung [wird] unter ihren Flügeln [sein]; und ihr werdet herauskommen und hüpfen wie Kälber aus dem Stall! Und ihr werdet die Gesetzlosen zertreten; denn sie werden wie Asche sein unter euren Fußsohlen an dem Tag, den ich machen werde!; spricht der HERR der Heerscharen. Maleachi 3,19-21

Denn gleichwie ihr auf meinem heiligen Berg getrunken habt, so sollen alle Heidenvölker beständig trinken; sie sollen trinken und schlürfen und sein, als wären sie nie gewesen. Obadja 1,16

Ihr Männer und Brüder, es sei mir erlaubt, freimütig zu euch zu reden von dem Stammvater David: Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist unter uns bis zu diesem Tag. … Denn nicht David ist in den Himmel aufgefahren, sondern er sagt selbst: »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel für deine Füße.« Apostelgeschichte. 2, 29,34-35

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Offenbarung 21, 4

Die Bibel lehrt, dass der Mensch bei seinem Tod weder in den Himmel noch in die Hölle geht. Er bleibt im Grab bis der Himmel vergeht, was, wie 2. Petrus 3,10 uns berichtet, bei der Wiederkunft Jesu geschieht. Wie kann es dann sein, dass Jesus eine Geschichte lehrt, die dem Rest der Bibel zu widersprechen scheint? Es hat sich gezeigt, dass diese Geschichte, wie sie von Jesus erzählt wurde, eine allgemeine Ansicht der Juden war, nachdem sie schon seit mehreren Jahrhunderten von den Griechen beeinflusst worden waren.

Alan F. Johnson und Robert E. Weber erklären, dass „es wahrscheinlich besser ist, diese Geschichte nicht als eine Offenbarung über das Leben nach dem Tod zu betrachten, sondern vielmehr eine andere Wendung gibt zu den allgemeinen Ansichten über das Leben nach dem Tod.“ The Fire that Consumes, Edward William Fudge, p 149

Die Geschichte trägt ein deutliches Echo der wohlbekannten Volkssagen, denen Jesus hier eine frische und erstaunliche Wendung gibt.“ Jesus and the Victory of God, N.T. Wright, p 255

Es ist entscheidend, dieses Prinzip zu verstehen. Jesus benutzt verbreitete Geschichten, an die seine Zuhörer glaubten, um sie wichtige Wahrheiten zu lehren.

Geldenhuvs schlussfolgert, dass Jesus „dieses Gleichnis nicht darauf bezog, unsere Neugier über das Leben nach dem Tod zu befriedigen, sondern um den ungeheuren Ernst des Lebens auf dieser Seite des Grabes plastisch hervorzuheben.“ The Fire that Consumes, Edward William Fudge, p 149

Wie wir in Kapitel neun bereits besprochen haben benutzt Christus einen Spiegel, um dem Menschen sein eigenes Denken zu reflektieren. Zum einen tut Er das, um zu den Menschen in Wegen zu sprechen, die sie verstehen können; zum anderen aber auch, um zu prüfen, was in ihren Herzen ist. Wer dem Wort Gottes gehorsam ist und sich vom Geist leiten lässt, wird die geistliche Bedeutung der Worte Jesu erkennen, während die fleischlich gesinnte Person ihre eigenen Vorstellungen scheinbar bestätigt sieht. Wie Jesus zu Nikodemus sagte:

Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann das geschehen? Jesus erwiderte und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und wir bezeugen, was wir gesehen haben; und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von den himmlischen Dingen sagen werde? Johannes 3,9-12

Der Spiegel, den Jesus im Buch Johannes benutzt, wird immer schwerer verständlich, bis die Person entweder akzeptiert, dass ihr Denken falsch ist, oder sich von Jesus abwendet und geht.

 

Text

Bemerkung

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten! Da sprachen die Juden: In 46 Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Johannes 2,19-21

Jesus sprach von Seinem Körper, dem lebendigen Tempel, doch sie verstanden es so, dass Er den wirklichen Tempel in der Stadt meinte.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht zum zweiten Mal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden? Johannes 3,3-4

Jesus sprach von der geistlichen Geburt und Nikodemus dachte, Er meint die physische Geburt.

Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt. Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierherkommen muss, um zu schöpfen! Johannes 4,13-15

Jesus redete vom geistlichen Wasser und die Frau dachte, Er würde von physischen Wasser sprechen.

Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch. Darum suchten die Juden nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte. Johannes 5,17-18  

Jesus redete von einem geistlichen Wirken, die Juden dachten dagegen, dass Er von einem physischen Werk sprach. Sie klammerten sich absichtlich an ein falsches Verständnis, das es ihnen erlaubte, Jesus abzulehnen und zu töten.

Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Wenn jemand von diesem Brot isst, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. Da stritten die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns [sein] Fleisch zu essen geben? … Viele nun von seinen Jüngern, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede! Wer kann sie hören? … Aus diesem Anlass zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Johannes 6,51-52.60.66

Jesus sprach von geistlichem Brot und geistlichem Trank, woraufhin sich viele von Jesus abwandten und Ihn ablehnten, gemäß ihres eigenen Verständnisses von dem, was Er sagte.

Dieser Prozess im Johannesevangelium offenbart den zunehmenden Gebrauch des Spiegels, den Jesus in Seinem Dienst anwendete. In Johannes sechs sehen wir, dass die Sprache Jesu noch nachdrücklicher wird, wenn Er davon spricht, Sein Fleisch zu essen und Sein Blut zu trinken. Jesus hatte die Symbole, die Er in Johannes 6,35 benutzte, deutlich erklärt. Er lud sie ein, zu Ihm zu kommen und Speise aus Seinen Worten zu empfangen, um ihren Hunger nach geistlicher Nahrung zu befriedigen, und an Ihn als den von Gott Gesandten zu glauben, um ihren Durst nach geistlichem Trost und göttlicher Annahme zu stillen. Die Weigerung der Menschen, tatsächlich auf das zu hören, was Er sagte, brachte sie dazu, Ihn abzuweisen. Dieser Prozess offenbarte vollständig, was in ihren unbekehrten Herzen war. Er zeigt, dass sie absichtlich willig waren, Ihn falsch verstehen, um zu rechtfertigen, dass sie Ihn ablehnten und alle Beweise über Bord warfen, die ihnen bezeugten, dass Er der wahre Messias war.

Der Spiegel, den Jesus in der Geschichte des reichen Mannes und Lazarus benutzt, geht noch tiefer als das einfache Verständnis einer physischen oder geistlichen Wahrheit. Jesus bedient sich tatsächlich der Ansichten, an die die Menschen glauben, um sie etwas Wichtiges zu lehren. Die Juden fingen an, von Jesus ein Zeichen Seiner Autorität zu verlangen. Sie verhärteten ihre Herzen gegen Ihn. Die Dringlichkeit der Situation veranlasste Jesus dazu, ihnen die "auf-Leben-und-Tod" Realität zu erklären, der sie gegenüberstanden. Er sprach durch eine Geschichte zu ihnen, die sie verstanden. Dadurch spiegelte Er ihnen ihr eigenes Denken wider. Wegen der Härtigkeit ihrer Herzen war das erforderlich.

Diejenigen, die heute die Geschichte von Lazarus und dem reichen Mann lesen mit einem Glauben, dass diejenigen, die sie als kriminell ansehen, Qualen erleiden sollten, werden damit mit Leichtigkeit ihren Hass auf andere rechtfertigen können. Einige mögen fragen: Warum sollte Jesus das tun? Warum sollte Er Dinge sagen, die leicht falsch gedeutet werden können?

Das erste Werk des Evangeliums ist es, die Menschen ihrer Sünden zu überführen. Diese Überzeugung von Sünde macht oft offenbar, was in unseren Herzen verborgen ist (Lukas 8,17; Markus 4,22; Lukas 12,2). Das ist der Zweck des göttlichen Spiegels im Gesetz, weil wir alle Sünden haben, deren wir uns nicht bewusst sind oder die wir nicht akzeptiert haben, die wir unterdrückt haben oder von denen wir nicht die volle Bedeutung verstanden haben. Die Offenbarung von Sünde im Geist des Menschen erfordert alle Anstrengungen der Weisheit Gottes.

Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht. Johannes 16,8

Glückselig sind die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel! 4 Glückselig sind die Trauernden, denn sie sollen getröstet werden! Matthäus 5,3-4

Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei. Römer 3,19

Erinnern wir uns an die Geschichte der fremden Frau, die Jesus bat, ihre Tochter zu heilen. Sein anfängliches Schweigen wirkte wie ein Spiegel, um die falsche Einstellung der Jünger gegenüber Ausländern aufzudecken. Der göttliche Spiegel reflektiert uns unsere eigenen Gedanken und Beweggründe. Christus als das Wort Gottes spricht zu uns in einer Weise, die unser Denken und unsere Wünsche differenziert.

Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Hebräer 4,12

Wenn Menschen manche Aussagen von Jesus benutzen, um zu beweisen, dass Gott Menschen quält und verbrennt, offenbart es tatsächlich das, was sie in Wahrheit über Ihn denken. Wenn andere Aussagen eingebracht werden, die zeigen, dass Christus nicht gewalttätig ist und Menschen nicht tötet, und dabei doch beansprucht, das genaue Ebenbild Seines Vaters zu sein, kommen wir in eine Position, in der wir eine Wahl haben.

Als die fremde Frau, die Jesus bat, ihre Tochter zu heilen, Ihn sagen hörte, dass es nicht richtig sei das Essen der Kinder zu nehmen und es den Hunden zu geben, musste sie genau an diesem Punkt eine Wahl treffen. Wird sie Seine Äußerung benutzen, um Ihn zurückzuweisen, oder wird sie sich im Glauben an das klammern, was sie über Seinen Charakter gelernt hat und glauben, dass Er ihr helfen wird? Das ist das göttliche Werk des Evangeliums: uns zu einem Entscheidungspunkt über den Charakter unseres Vaters zu führen.

Die Frucht des Studiums der Bibel und des Wandelns mit Christus ist keine geistliche Disharmonie für den aufrichtigen und demütigen Studenten, der im Glauben daran festhält, Antworten zu finden, selbst wenn Jahrhunderte von traditionellen Glaubenslehren bedrohlich über ihm schweben. Wenn ich die Geschichte des reichen Mannes in den Flammen lese oder sehe, wie Jesus darüber spricht, dass Gott sowohl Leib als auch Seele in der Hölle verdirbt, entscheide ich mich dafür, weiter zu graben und dies mit Aussagen wie „Liebe deine Feinde“ und „Du sollst nicht töten“ in Einklang zu bringen. Wir haben bereits vorher verschiedene Aspekte des Todes der Gottlosen behandelt, lasst uns nun noch Textstellen zusammentragen, wo von Feuer in Verbindung mit Gott die Rede ist.

Da erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch. Und als er hinsah, siehe, da brannte der Dornbusch im Feuer, und der Dornbusch wurde doch nicht verzehrt. 2.Mose 3,2

Und die Herrlichkeit des HERRN war vor den Augen der Kinder Israels wie ein verzehrendes Feuer oben auf dem Gipfel des Berges. 2.Mose 24,17

Siehe, der Name des HERRN kommt von ferne! Sein Zorn brennt, mächtiger Rauch steigt auf; seine Lippen sind voll Grimm und seine Zunge wie ein verzehrendes Feuer. Jesaja 30,27

Die Sünder in Zion sind erschrocken, Zittern hat die Heuchler ergriffen: »Wer von uns kann bei einem verzehrenden Feuer wohnen? Wer von uns kann bei der ewigen Glut bleiben?« — Wer in Gerechtigkeit wandelt und aufrichtig redet; wer es verschmäht, durch Bedrückung Gewinn zu machen; wer sich mit seinen Händen wehrt, ein Bestechungsgeschenk anzunehmen; wer seine Ohren verstopft, um nicht von Blutvergießen zu hören; wer seine Augen verschließt, um Böses nicht mit anzusehen. Jesaja 33,14-15

Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Hebräer 12,29

Und es entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen wie von einem daherfahrenden gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten und sich auf jeden von ihnen setzten. Und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab. Apostelgeschichte 2,2-4  

Wenn nun dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Römer 12,20

Zu Pfingsten wurden die Apostel in dem Feuer des Geistes Gottes gekleidet. Sie glühten in dem Feuer, aber sie wurden davon nicht verzehrt, genau wie der brennende Busch zur Zeit von Mose. In Jesaja 33,14 wird die Frage gestellt: "Wer ist unter uns, der bei einem verzehrenden Feuer wohnen möge? Wer ist unter uns, der bei der ewigen Glut wohne?". Es sind die Gerechten, die für immer in den Flammen von Gottes Liebe brennen werden. Wenn Gottes Liebe am Ende der Zeit vollständig offenbart sein wird, wenn all die Gottlosen klar erkennen, was Gott in all Seinen Bemühungen, sie zu retten für sie getan hat, dann wird die Schuld und die Scham darüber, dass sie Ihn zurückgewiesen haben wie feurige Kohlen auf ihren Häuptern sein. Es ist ihre Bosheit, die sie vernichtet, nicht die Hand Gottes. Das Feuer ist einzig und allein diese selbstlose Liebe, und wenn diese Liebe erkannt wird verursacht sie sofort Selbstvorwürfe und eine tiefe Qual. Der Grund dafür, dass Gott die Macht hat, Leib und Seele in der Hölle zu vernichten, ist einfach die Tatsache, dass Er so liebevoll, barmherzig und fürsorglich ist.

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle! 29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. 30 Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. 31 Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge. Matthäus 10, 28-31

Der Vers 28 scheint im Licht der Verse 29 - 31 keine Verbindung zu ihnen zu haben. Zuerst ermahnt Jesus uns, den zu fürchten, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann, und dann redet Er über die zärtliche Liebe des Vaters zu uns und dass wir uns nicht fürchten sollen. Wenn Gott derjenige ist, der Menschen in der Hölle persönlich und mit einem buchstäblichem Feuer quält, das ihre Haut schmelzen lässt, wie kann Er dann in Vers 31 "Fürchtet euch nicht" sagen, ohne dass es ein Widerspruch ist?

Jesus benutzt Vers 28, um die Gedanken der Menschen wie in einem Spiegel auszusprechen. Er reflektiert unsere natürlichen Gedanken über Gott zurück auf uns. Denn die Person, die es liest und die voll von Sünde und Bosheit ist, sollte es mit der Angst zu tun kriegen, wenn sie sieht, wie verschieden ihr Charakter zu dem Charakter Gottes ist, und wie sehr sie Christus mit ihrer Selbstsucht gequält hat.

Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Jakobus 1,15

Den Gottlosen wird das Böse töten, und die den Gerechten hassen, müssen es büßen. Psalm 34,22

Es ist die Sünde, die den Tod verursacht, nicht Gott. Es geschieht durch die durchdringende Erkenntnis darüber, wie liebevoll unser himmlischer Vater für die Sperlinge sorgt, wie Er die Haare auf unserem Haupt zählt, wie aufrichtig Er in einer liebevollen Weise ständig an uns denkt, dass wir völlig vernichtet werden. Das volle Bewusstsein darüber wird ein schreckliches Schuldgefühl für den Sünder bewirken, von dem er überwältigt und verzehrt wird. Nur auf diese Weise ergeben die Verse in Matthäus 10,28-31 einen zusammenhängenden Sinn.

Manchmal wird der Gedanke geäußert, dass, indem Gott Seinen Charakter offenbart und weiß, dass dies die Gottlosen tötet, Er dann irgendwie für ihren Tod verantwortlich sei. Genau die Tatsache, dass Er sich offenbart, würde Ihn zum Mörder machen. Das macht ebenso viel Sinn wie einem Arzt, der aufgefordert wird, die lebenserhaltenden Geräte für einen todkranken Patienten abzuschalten, vorzuwerfen, dass er ein Mörder oder verantwortlich für den Tod des Patienten sei. Damit die Menschheit freie Gemeinschaft mit Gott haben kann, besonders in der Ewigkeit, muss Er sich offenbaren, wie Er wirklich ist. Lasst uns auch daran denken, wie die Gottlosen am Ende der Zeit die heilige Stadt umstellen und sie einnehmen wollen, demnach haben sie, während sie sich der Stadt nähern, Mord, Eifersucht und Raub in ihren Herzen.

Und sie [Satan und die Bösen] zogen herauf auf die Fläche des Landes und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer [von selbstloser Liebe, wie zu Pfingsten] von Gott aus dem Himmel herab und [die erdrückende Schuld der Selbstsucht] verzehrte sie. Offenbarung 20,9

Wenn eine solche Selbstlosigkeit einer solcher Selbstsucht begegnet, wird die erdrückende Schuld der Selbstverdammung den Tod der Gottlosen sicherstellen.

Immer wenn wir die Bibel lesen, steht der Spiegel vor uns. Er reflektiert unser Denken auf uns zurück und dann müssen wir eine Entscheidung für die Ewigkeit treffen. Als der Engel Abraham rief und ihn davon abhielt, das Leben seines Sohnes als Opfer darzubringen, stand Abraham plötzlich vor der Wahl, ob er die Vorstellung, die er über Gott hatte, berichtigen würde. Das Gebot, seinen Sohn zu opfern war eine Reflektion seiner eigenen Gedanken und es schien absolut sicher zu sein, dass sein Sohn sterben musste. Wir alle müssen zu diesem Punkt der Entscheidung gelangen. Mögen wir die Worte wahrnehmen: „Lege deine Hand nicht an den Knaben“ und anerkennen, dass Gott nicht der Urheber des Todes ist. Brandopfer und Sündopfer habe ich nicht verlangt (Psalm 40,6).