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Das Spiegelprinzip - Kapitel 33 - Gesteinigt wegen Gotteslästerung

veröffentlicht Jan 04, 2024 von Adrian Ebens in Der Charakter Gottes
Übersetzt von Franziska Bunkus, editiert von Jutta Deichsel
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Kapitel 33 - Gesteinigt wegen Gotteslästerung

Wenn wir uns weiter in das dritte Buch Mose hineinwagen, stoßen wir auf die Geschichte eines Mannes, der den Namen Gottes lästerte und dafür gesteinigt wurde.

Wenn wir uns an Kapitel 29 erinnern, gab Gott den Israeliten Gesetze nach ihrem eigenen Willen oder ihrem eigenen Denken. Wir müssen immer daran denken, dass Israel Gottes Wunsch, sie über sich zu belehren, nie akzeptierte. Sie dachten, Gott sei genau wie sie (Psalm 50,21). Deshalb „zeigt sich Gott den Bösen gegenüber feindselig“ (Psalm 18,27 engl. NLT).

Der Mann, der Gott lästerte, hatte kein rein israelitisches Blut. Er war halb Israelit und halb Ägypter.

Und der Sohn einer israelitischen Frau — er war aber der Sohn eines ägyptischen Mannes — ging unter den Kindern Israels aus und ein. Dieser Sohn der israelitischen Frau und ein Israelit stritten im Lager miteinander. (3.Mose 24,10 Schlachter)

Für die Lästerung eines ägyptischen Gottes wurde eine Person zu Tode gesteinigt.

Mose sprach: Das schickt sich nicht, dass wir so etwas tun; denn wir würden dem HERRN, unserem Gott, opfern, was den Ägyptern ein Gräuel ist! Siehe, wenn wir dann vor den Augen der Ägypter opferten, was ihnen ein Gräuel ist, würden sie uns nicht steinigen? (2.Mose 8,22 Schlachter)

Hätten die Israeliten in Ägypten einen Ochsen oder ein Rind geopfert, wäre dies als Gotteslästerung aufgefasst worden und die Ägypter hätten sie gesteinigt.

Was dann in der Geschichte passiert, ist faszinierend:

Da lästerte der Sohn der israelitischen Frau den Namen des HERRN und fluchte Ihm. Daraufhin brachte man ihn zu Mose. Seine Mutter aber hieß Selomit und war die Tochter Dibris, vom Stamm Dan. Und sie behielten ihn in Gewahrsam, bis ihnen ein Bescheid gegeben würde durch den Mund des HERRN.

Und der HERR redete zu Mose und sprach: Führe den Flucher hinaus vor das Lager und lass alle, die es gehört haben, ihre Hand auf sein Haupt stützen, und die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Und rede zu den Kindern Israels und sprich: Wer seinem Gott flucht, der soll seine Sünde tragen; … (3.Mose 24,11-15 Schlachter)

Die meisten Menschen würden diese Verse als klaren Beweis dafür ansehen, dass Gott wollte, dass Sein Volk diejenigen steinigt, die den Namen Gottes lästern. Doch wenn wir das mit dem vergleichen, was Jesus im Neuen Testament sagt, finden wir einen unmittelbaren Widerspruch.

Darum sage Ich euch: Jede Sünde, ja sogar Gotteslästerung, kann vergeben werden. Wer aber den Heiligen Geist verlästert, der wird keine Vergebung finden. Wer abfällig über den Menschensohn redet, dem kann vergeben werden. Wer aber meint, er könne abfällig über den Heiligen Geist reden, der wird niemals Vergebung finden, weder jetzt noch in der zukünftigen Welt. (Matthäus 12,31.32 GN)

Hat dieser Mann den Heiligen Geist gelästert? Wie kann man Jesus lästern und Vergebung finden, während man keine Vergebung findet, wenn man den Heiligen Geist lästert? Der Heilige Geist ist der Geist Jesu (Johannes 20,22). Es ist der Geist Christi, der zum Gewissen eines Menschen spricht. Wenn du diese Stimme in dir abweist, die dich bittet, bestimmte Dinge nicht zu tun, dann hast du alle Möglichkeiten ausgeschöpft, Vergebung zu erlangen. Wer gegen sein Gewissen sündigt, kann sich selbst nicht vergeben. Die Heilige Schrift warnt uns vor dieser Tatsache mit folgenden Worten:

Um vor Gott bestehen zu können, ist es nämlich nicht entscheidend, ob man Seine Gebote kennt oder nicht. Nur wenn man auch nach ihnen handelt, wird man von Gott angenommen. Obwohl die anderen Völker Gottes Gesetz nicht haben, gibt es unter ihnen doch Menschen, die von sich aus danach leben. Daran zeigt sich, dass sie Gottes Gebote in sich tragen, auch wenn sie diese gar nicht kennen. Durch ihr Handeln beweisen sie, dass die Forderungen des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben sind. Das wird ihnen durch ihr Gewissen und auch durch ihre Gedanken bestätigt, die sie entweder anklagen oder freisprechen. (Römer 2,13-15 GN)

Wie wir bereits festgestellt haben, werden wir so gerichtet, wie wir andere richten. Das gilt besonders deutlich für Gott. Wenn wir Gott auf eine bestimmte Art und Weise beurteilen, dann kann unser Vater nichts anderes tun, als zuzulassen, dass wir nach dem empfangen, wie wir Ihn beurteilt haben.

(Der Knecht sagte zu seinem Herrn:) Denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist; du nimmst, was du nicht eingelegt, und erntest, was du nicht gesät hast.

Da sprach er (der Herr) zu ihm: Nach dem Wort deines Mundes will ich dich richten, du böser Knecht! Wusstest du, dass ich ein strenger Mann bin, dass ich nehme, was ich nicht eingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe? (Lukas 19,21.22 Schlachter)

Das Wort für Gotteslästerung, das in der Geschichte im 3.Mose verwendet wird, ist nicht das übliche hebräische Wort für Gotteslästerung.

Naqab – Strong‘s Konkordanz H5344. Wortwurzel; durchstechen, wörtlich (durchlöchern, mit mehr oder weniger Gewalt) oder bildlich (bestimmen, benennen, verleumden): - ernennen, lästern, bohren, verfluchen, ausdrücken, durchlöchern, nennen, durchstechen, durchschlagen.

Der Fluch dieser Worte gegen Gott durchbohrte das Herz des Vaters. Wie traurig für unseren Vater, dass ein Sohn im Zorn zu Ihm spricht, Ihn verflucht. Dieser Mann kannte das Gesetz. Das Gesetz sagte:

Gott sollst du nicht lästern, und einem Obersten deines Volkes sollst du nicht fluchen! (2.Mose 22,27 Schlachter)

Indem er Gott mit Worten verflucht, die durchbohren und durchstechen, kann auf diesen Mann nur das zurückgespiegelt werden, was aus seinem eigenen Mund gekommen ist. Die Kinder Israel kommen zu Gott, um Seinen Willen zu erfahren. Gott gibt ihnen die Gedanken, die der Mann selbst darüber hat. Der Mann weiß, dass er gelästert hat, und er kennt die Strafe dafür, welcher ganz Israel zustimmte.

Alles, was Gott tun kann, ist zuzulassen, dass die Gedanken dieses Mannes und ganz Israels vergrößert werden. Hätte Gott gesagt: „Erweist ihm Barmherzigkeit“, hätte das die Gedanken des ganzen Volkes überstimmt, das sich verpflichtet hatte, Gotteslästerer zu bestrafen.

Aber in dem Bemühen, diesen Mann zu retten, sagt der Herr etwas, das sie davon hätte abhalten sollen, diesen Mann zu töten.

Und wenn jemand einen Menschen erschlägt, so muss er unbedingt getötet werden. (3.Mose 24,17 Schlachter)

Die Israeliten brachten diese Aussage nicht mit der Hinrichtung dieses Mannes in Verbindung. Es scheint, als hätten sie nicht wirklich darüber nachgedacht ... obwohl nachfolgende Generationen dies vielleicht taten, denn die Todesstrafe wurde in der späteren Geschichte Israels nicht mehr angewendet.[1]

Hätte der Mann jedoch daran gedacht zu bereuen und um Gnade zu bitten, hätte der Herr ihm Barmherzigkeit erweisen können.

Dem Barmherzigen wirst Du Dich barmherzig zeigen, dem Tadellosen wirst Du Dich tadellos zeigen ... (Psalm 18,26 engl. NLT)

Weder der Mann, der verurteilt werden sollte, noch einer der Anwesenden dachte daran, um Gnade zu bitten - denn niemand erwartete sie.

Mose aber redete zu den Kindern Israels; die führten den Flucher vor das Lager hinaus und steinigten ihn. Und die Kinder Israels handelten so, wie der HERR es Mose geboten hatte. (3.Mose 24,23 Schlachter)

Dieser arme Mann hatte Gott mit seinen Worten durchbohrt, und so wurde er nach seinem eigenen Urteil mit Steinen durchbohrt. Wenn wir den Gott unserer eigenen Vorstellung attackieren, können wir nur das empfangen, was wir selbst über ihn geäußert haben.

Wie gerne hätte der Herr diesen Mann vom Tod gerettet, so wie Jesus die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde, gerettet hat. Aber es war Ihm nicht möglich, weil es niemanden gab, der für ihn in den Riss trat.

Als der Herr zu Mose sagte, er solle zurücktreten, damit Er Israel vernichten könne, stand Mose in dem Riss zwischen dem, was Israel dachte, dass Gott tun würde, und der Wahrheit von Gottes Charakter. Mose hätte dasselbe für diesen Mann tun können. Er hätte Gott bitten können, diesen Mann zu retten und ihm Barmherzigkeit zu erweisen. Aber diesmal stand nicht das ganze Volk auf dem Spiel. Dieser Mann hatte den Namen Gottes gelästert. Wenn er nicht bestraft werden würde, würde sich das Problem ausbreiten. Es musste etwas geschehen.

Als dieser Mann gesteinigt wurde, war Jesus dort und spürte alles, was dieser Mann spürte. Christus wurde mit ihm gekreuzigt. Damit Israel das Gefühl der Gunst Gottes empfangen konnte, musste der Mann geopfert werden. Es war besser, dass ein Mensch starb, als dass das ganze Volk zugrunde ginge (Johannes 11,50).

Wenn wir diese Stellen lesen, sind wir versucht zu denken, dass der Mann von Gott geschlagen und niedergebeugt wurde, aber die Wahrheit ist, dass Gott dem Mann nur das geben konnte, von dem er und das Volk glaubten, was diese Sünde sühnen (versöhnen) würde.

Gott wollte sie in das Verständnis des Neuen Bundes bringen, indem Er sagte: „Und wenn jemand einen Menschen erschlägt, so muss er unbedingt getötet werden.“  Er warnte sie, dass diejenigen, die auf diese Weise töten, dasselbe erleben werden, wenn sie sündigen oder einen Fehler machen. Ihr eigenes Gericht über einen anderen wird letztendlich zu ihrer eigenen Vernichtung führen.

Jesus hat nie jemanden zu Tode gesteinigt. Ist das nicht offensichtlich? Er setzte sich dafür ein, dass Menschen nicht gesteinigt werden. Das ist der Charakter von Jesus. Das ist der Charakter von Gott.

Wenn ein Mensch im Alten Bund wissen will, was Gottes Wille ist, kann Er ihm nur seinen eigenen Willen geben, weil er Gottes Willen oder Seine Denkweise nicht akzeptiert. Israel hatte sich geweigert, auf Gott zu hören, als die Zehn Gebote gegeben wurden. Sie wollten Todesurteile und Strafen, wie sie sie in Ägypten hatten. Also gab Gott ihnen das, was ihr Herz begehrte.

Ist das so schwer zu verstehen? Wie wir schon vorher festgestellt haben: Wenn man versucht, mit einem Demenzkranken zu reden, kann man ihm nur zustimmen und seine Version der Realität wiedergeben. Ihm die wahre Realität zu schildern, führt nur zu Konflikten, Kummer und dem Zusammenbruch der Kommunikation.

 

 

Wir werden die weiteren Kapitel dieses Buches nach und nach veröffentlichen, sobald sie fertig übersetzt sind. Alle Kapitel findest du hier.

Das englische Original: Mirror Principle

Anmerkung: 

Der Autor Adrian Ebens hat in seinem neuen Buch „Das Spiegelprinzip“ (Mirror Principle) vorwiegend die englische Bibelübersetzung „New Living Translation“ benutzt. Um dem in unserer deutschen Übersetzung zu entsprechen, haben wir vorwiegend aus den deutschen Bibelübersetzungen „Hoffnung für Alle“ und aus der „Gute Nachricht Bibel 2018“ zitiert, und auch einige andere Bibelübersetzungen benutzt. Die jeweils benutzte Version ist immer hinter der Bibelvers-Angabe angeführt.

Abkürzungen:

HFA – Hoffnung für Alle

GN – Gute Nachricht Bibel 2018

Schlachter – Schlachter 2000

 


[1] https://www.myjewishlearning.com/article/the-death-penalty-in-jewish-tradition/